Pirmasens Für mehr Baukultur in der Stadt

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Die Pirmasenser Architektenkammer ist bekannt für spektakuläre Aktionen an ungewohnten Orten. Vom 3. bis 5. Juni wird die Pirmasenser Kammergruppe das frühere Parkkino und die Untere Parkschenke wiederbeleben mit Kunst, Film und natürlich Baukultur. Wobei letztere von der Rolle oder aus der Schublade kommt und einzig nicht realisierte Projekte betrifft.

Für die rührige Kammergruppensprecherin Aviva Klingel ist es die dritte Veranstaltung dieser Art, mit der sich Architekten aus der Südwestpfalz für mehr Baukultur engagieren. 2013 war die Fahrsche Villa in der Fröhnstraße Ort des Geschehens. 2014 ging es grenzüberschreitend auf den Oberbeiwalderhof bei Hornbach. Immer waren die Aktionstage mit Kunst kombiniert und in beiden Fällen tat sich nach der Baukulturaktion auch etwas mit der zuvor sehr lange leerstehenden Immobilie. Wird das auch beim Parkkino und der Unteren Parkschenke der Fall sein? „Ich habe immer gute Ideen“, gibt sich Inhaber Robert Seitz hoffnungsvoll, will aber keine Details verraten. Die Baukultur für die diesjährige Aktion sind die Ideen und Pläne, die bei wohl jedem Architekten in der Schublade oder der Planrolle schlummern und nie realisiert wurden. „Es steckt viel Potenzial in Schubladen“, meint die Pirmasenserin Aviva Klingel. Und jeder ihrer Kollegen hat auch mindestens ein Projekt, das wegen der Kosten oder fehlender Genehmigungen nicht umgesetzt werden konnte. Ideen, Skizzen und fertige Pläne für Projekte in der Region stehen im Vordergrund der dreitägigen Veranstaltung. Es kommen aber auch Projekte aus Hamburg zur Präsentation – immerhin sind hiesige Architekten in ganz Europa aktiv. Eine Reise zu den sichtbaren Geheimnissen einer Stadt bietet am Samstag der Saarbrücker Fotograf und Verleger Florian Brunner in seinem Vortrag über den geschichtsträchtigen Untergrund von Saarbrücken. Die unsichtbare Stadt wird die Pirmasenser Denkmalpflegerin Monika Pleyer bei einem Spaziergang durch Pirmasens den Interessierten zeigen. Aus der weiteren Region kommen die Künstler, die mit ihren Werken in der Unteren Parkschenke und dem Foyer des Parkkinos „Unsinn“ zeigen wollen – passend zum Dadajahr. Das habe sich geradezu aufgedrängt, meint die für den künstlerischen Teil zuständige Ute Müller. 20 Künstler aus Pirmasens, der Südwestpfalz, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Berlin werden ihre Werke zeigen, die gemäß dem Satz des Dadaisten Kurt Schwitters den Unsinn bevorzugen. Das Ergebnis sind Gemälde wie das des Pirmasensers Christian Lambert, der „Lyonerluder im Farbkreis nach Itten“ gemalt hat. Gespannt sein dürfen die Besucher auch auf die Unsinnsbilder eigentlich sehr ernsthafter Pirmasenser Künstler wie Matthias Strugalla oder Filomena Höh. Bei allem, was mit Dada zu tun hat, darf natürlich auch nicht die Aktionskunst fehlen. Und hier kommt die aus Zweibrücken stammende Sarah Kaufmann mit ihrer Performance „Mutter Sauvage und ihre Kinder“ zum Einsatz oder der Kunstprozesse-Mitbegründer Thomas Schmenger, der eine experimentelle Soundperformance zu Hugo Ball aufführt. Für die Filmkunst konnte Klingel eine Kooperation mit dem Saarbrücker Kino „achteinhalb“ einfädeln. Deren Leitern, die aus Pirmasens stammende Ingrid Kraus, kommt am Freitagabend mit einer Kurzfilmnacht ins Parkkino und hat für Samstag den 90-minütigen Spielfilm „Dolores“ mitgebracht, der einen klaren Architekturbezug hat. Der Protagonist ist Modellbauer und schafft es, in seinen Architekturmodellen die Realität zu steuern. Regisseur Michael Rösel wird am Samstagabend zur Vorführung ins Parkkino kommen und mit den Besuchern diskutieren. Die gesamte Veranstaltung ist für Besucher kostenlos. Inhaber Seitz wird den Parkplatz ebenfalls an den drei Tagen zum Gratisparken öffnen. Bei schönem Wetter wird eine Bewirtung im angrenzenden Biergarten „Seitze Gaade“ angeboten, die jedoch nicht ganz umsonst sein wird. (kka)

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