Speerwurf
Für Christin Hussong, die alte und neue Deutsche Meisterin aus Herschberg, sind auch solche Wettkämpfe „mal ganz gut“
„Der deutsche Meistertitel zählt. Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe“, betonte die 27-Jährige. Zweifel ließ sie aber keine offen: „Es war nicht ganz so stabil heute. Ich kippte mit dem Oberkörper ein wenig ab. Bei den letzten Wettkämpfen war ich deutlich größer unter dem Speer. So aber fliegt der Speer nicht dorthin, wo ich ihn gerne hinwerfen möchte“, sagte die momentan Zweitbeste der Welt mit ihren 69,19 Metern, die sie eine Woche zuvor bei der Team-EM in Chorzow erzielt hatte.
Die 70-Meter-Frage
Für manch einen Journalisten war das der Steilpass zur Frage: „Damit meinen Sie wohl die 70-Meter-Marke?“ Die Europameisterin kennt diese Frage zur Genüge und antwortet grinsend: „Irgendwann möchte ich auch die 70 Meter werfen, klar. Die kommen, wann sie kommen wollen, man kann sie nicht erzwingen. Ich habe ja noch einige Jahre vor mir.“
Und klar, acht Wochen vor der Olympiaentscheidung werden auch die Ziele in Tokio gerne thematisiert. Auch darauf ist sie vorbereitet: „Der vierte Platz von Doha hat mir gezeigt, dass ich diesen Platz nicht mehr haben möchte. Ich möchte mit einer Medaille heimfahren.“ Hellsehen kann aber auch sie nicht, nur arbeiten und trainieren.
Am Montag in Finnland
Damit jedenfalls waren zwei der wichtigsten Journalistenthemen erledigt, Christin Hussong konnte sich noch am Samstagabend auf die Heimfahrt machen, denn am Sonntag stand schon wieder der Flug nach Finnland an. Am Montagabend wird sie bei den Paavo Nurmi Games in Turku werfen.
Mit dem Vater analysiert
Vater und Trainer Udo Hussong, begleitet von seiner Frau Gaby, Christins Mutter, blieb auf der Tribüne die Ruhe selbst, nahm die Würfe mit dem Tablet auf und analysierte sie mit seiner Tochter. „Sie war heute mit dem Oberkörper zu weit vorne, so dass sie ihre Körpergröße nicht ausspielen konnte. Wir können trotzdem zufrieden. Es sind manchmal Kleinigkeiten, zwei, drei Zentimeter an Schulter oder Hüfte entscheiden über fünf Meter Weite“, sagte der Coach und freut sich auf die kommenden Wochen: „Mal wieder ganz in Ruhe Training zu Hause, da arbeiten wir weiter, um ihre stabile Form zu halten.“
Die beiden waren sich einig, dass auch solche Wettkämpfe wie der in Braunschweig wichtig sind. „Das ist auch mal ganz gut, denn wenn es läuft und läuft, macht man sich nicht so viele Gedanken, woran man noch arbeiten muss“, gibt Christin Hussong zu bedenken.