Pirmasens Führungscrew leitet sofortige Fehler-Fahndung ein
DIEFFLEN. Die Frage war nicht ganz so ernst gemeint, eher rhetorischer Natur: Man habe doch bestimmt gewusst ...? Jannik Nagel rollte mit den Augen. „Ja, natürlich!“ Alle wussten um die Qualität des Saar-Sturms, der gern auf Standards hin Orkanstärke entwickelt. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? Denk nicht dran. Bei der 0:4 (0:3)-Schlappe im Fußball-Oberligaspiel beim FV Diefflen – RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete – hat sich ein hilfloser FK Pirmasens II von den Babelsberger Höhen hinwegfegen lassen.
Wer zur Heimstatt des selbst ernannten „Dorfvereins“ reist und knapp hinter der A-8-Abfahrt an der Dillinger Hütte vorbeirauscht, wird dort normalerweise von einem Faule-Eier-Geruch in der Nase gekitzelt. Selbst das gemeine Odeur schien am Samstag auf vorösterlichem Ausflug. Kann ein so schöner Tag gebraucht sein? Ja. Bereits nach acht Minuten war die Ausflugstruppe aus Pirmasens auf dem Kunstrasen falsch abgebogen. Und kein Navi half mehr, eine Abfahrt von der Verliererstraße zu finden. In die Irre gelotst worden war sie von Fabian Poß. Diefflens Sturm-Ass zerfledderte binnen 28 Minuten das Erfolgskonzept des FKP II in kleine Schnipsel. „Ja, natürlich.“ Man habe selbstredend gewusst, wie gefährlich Poß und Kompagnon Chris-Peter Haase durch Abwehrreihen pflügen, wie feste der Wind bläst, sobald der Ball ruht und Ecke oder Freistoß für die Dieffler harrt. Mit dem erneut überragenden Christian Eggert hat der Dorfverein im Winter noch schnell eine Granate verpflichtet. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler aus der Schalker U 19 serviert seither alle ruhenden Bälle. Und wie. Dass der FKP gerade bei Standards anfällig ist, weiß Trainer Patrick Fischer nur zu gut. Er musste seinem kickenden Personal die Gegentore Nummer acht und neun nach Standard-Situationen seit der Winterpause ankreiden. Das weiß auch das Team. Nur: Was tun? Nagel sprach Klartext: „Das war heute nicht oberligatauglich. Keiner von uns.“ Wenn die FKP-Akteure nun am Samstag auch all ihre Stärken zu Hause vergessen hatten, die sie sonst auf dem Feld auszeichnen: Eine Stärke hatten sie mit im Gepäck. An ausgeprägter Selbstkritik fehlte es nicht. Daher fassten sich die Verantwortlichen erst mal an die eigenen Nasen – und leiteten umgehend eine Fehler-Fahndung ein. „Vor allem wir Führungsspieler, Christopher Ludy und ich, wir müssen da mehr tun“, nahm sich Nagel selbst in die Pflicht. „Wir werden das am Dienstag aufarbeiten“, kündigte indes Benjamin Peters an. Und der Co-Trainer ging sogar so weit, eine Ring-Fahndung auszurufen: „Wir müssen uns alle in Frage stellen, Spieler wie auch Trainer, Betreuer. Wir sind ja schließlich alle ein Team.“ Peters hatte zu vieles gesehen, was ihm nicht gefallen hat. Eine Chance in Halbzeit eins, eine halbe in Hälfte zwei. Nun ist das aber kein Grund, allzu schwarz zu sehen. Nach dem Streich gegen Mechtersheim gab’s jetzt eben einen Dämpfer. Das heißt aber nicht, dass die Spieler alles verlernt haben. Yannick Osee hat in Diefflen mutmaßlich mehr Fehlpässe fabriziert als in allen Einsätzen der bisherigen Saison zusammen – Regionalliga inklusive. Das wird nicht noch mal so passieren. Auch dass Ludy nichts gelang, Kevin Rose in der Luft hing, auch Yannick Grieß schluderte. Einzig Jonas Singer hatte in Durchgang eins ein paar echt gute Szenen. Fischer nannte den FVD-Sieg in einem kurzen, treffenden Statement vollauf verdient („Diefflen war uns in allen Belangen überlegen“), während FVD-Spielertrainer Thomas Hofer gar um Verständnis bat, dass seine Truppe nach dem schweren Saarland-Pokal-Halbfinale gegen die SV Elversberg (2:5) „diesmal nicht bis zum Ende 120 Prozent“ gezeigt habe. Nun, gegen den FKP reichten diesmal auch 70 Prozent. „Wir sind halt eine Ausbildungsmannschaft“, warben Fischer wie Peters um Verständnis. Und so ist es denn für die Azubis vielleicht auch lehrreich, von Poß, Haase & Co Grenzen aufgezeigt zu kriegen. Die Gastgeber zeigten frühen Biss – und schaukelten die Partie nach dem Hattrick ihres Top-Stürmers locker nach Hause.