Pirmasens „Fühle mich im Stich gelassen“

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Sind sie urlaubsreif?

Ja, es wird jetzt Zeit. Ab Montag habe ich drei Wochen frei. Dann werde ich einen aufgeräumten Schreibtisch hinterlassen. Ich habe die letzten Tage noch viel abgearbeitet. Haben Sie auch noch einmal mit Herrn Koprian, dem Entwickler der Stadtgalerie, telefoniert? Zuletzt Ende voriger Woche, Emails tauschen wir im Laufe einer Woche mehrfach aus. Der Kontakt zwischen uns ist sehr lebendig. Tut sich etwas? Die Akquise von Mietern, das habe ich auch quergecheckt, läuft gut. Die Gespräche mit den großen Ankermietern sind in vollem Gange. Haben Sie Namen für mich? Nein. Was machen Sie im Urlaub? Ich werde zum Leidwesen meiner Frau eine Heimwerkerwoche einlegen. Und wir wollen Ausflüge machen ins Elsass, nach Saarbücken, wollen neue Premiumwanderwege ablaufen. Leider werde ich den Urlaub auch unterbrechen müssen, weil es Termine gibt, die sich nicht aufschieben lassen. Und das muss sein? Gerade wenn es um Unternehmensansiedlungen geht muss ich auch mal mit an den Tisch. Wir geht es der Pirmasenser Wirtschaft? Wir haben etliche Expansionswünsche von Firmen vorliegen, brauchen dringend mehr Platz. Deshalb entwickeln wir auch in der Blocksbergstraße das ehemalige Bosongelände. Da soll ein größeres Gewerbezentrum entstehen, vor allem für kleine Gewerbeeinheiten haben wir eine große Nachfrage. Auch Start-ups, also Firmenneugründungen, suchen aktuell Räume. Was ist mit der Husterhöhe? Die läuft langsam zu. Wir brauchen neue Flächen. Das ist derzeit ein großes Thema für mich, das muss permanent begleitet werden. Über was wollen Sie im Urlaub nachdenken? Ich habe da keine Vorsätze, das lasse ich auf mich zukommen. Ich genieße es, mal nicht nach einem strengen Plan etwas abarbeiten zu müssen. Wobei, ganz ehrlich, eine Liste, was rund ums Haus alles gemacht werden muss, habe ich schon. Und ich will auch lesen, die Autobiografie von Nelson Mandela. Und ein Sachbuch über Nachhaltigkeit. Da sind sie ja dann gleich wieder geistig im Rathaus. Suchen Sie in solchen Sachbüchern nach Ideen? Klar lasse ich mich inspirieren. Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit ist so ein Thema. Wir wollen ja das Sonnendiplom einführen, Kinder ganz gezielt zum Energiesparen bringen. In dem Thema steckt viel Potenzial. Apropos Kinder. Ist beim Pakt wieder Ruhe eingekehrt? Ja, aber das hat Kraft gekostet. Es gibt ja keine Blaupause für den Pakt, weil er einmalig ist. Deshalb beneiden uns auch so viele darum. Wir werden den Pakt weiterentwickeln, die Zäsur hat nicht geschadet. Worüber haben Sie sich die letzten Tage geärgert? Über das furchtbare Hickhack um den Flughafen Zweibrücken. Das betrifft uns ja sehr und nimmt teilweise abstruse Züge an. Diese rasante Abwärtsentwicklung ist bedrückend, zumal niemand Verantwortung übernehmen will. Und wenn dann von mir der ernst gemeinte Vorstoß kommt, man könnte der Region helfen, indem man den vierspurigen B-10-Ausbau schnell zurück auf die Agenda holt, wird das in Mainz direkt abgebügelt. Das ist mehr als ärgerlich, zumal es dafür eine breite Unterstützung gibt, über Parteigrenzen hinweg. Aber Sie glauben trotzdem weiterhin noch an einen B-10-Ausbau in der Zukunft? Ja, ich bleibe zuversichtlich. Weil alle Untersuchungen und Gutachten, die bislang gemacht wurden, zeigen, wie wichtig die B 10 für die Verkehrsinfrastruktur in der Region ist. Und ich weiß, dass die Bedeutung der B 10 zumindest auf Bundesebene anders gesehen wird als in der Mainzer Landesregierung. Da fühle ich mich vom Land auch einfach im Stich gelassen. Da bräuchten wir mehr Unterstützung. Es ist doch kein Kompromiss, wenn es heißt, es wird weitergebaut bis Hauenstein und weiter geht es dann halt nicht. Wie schlimm ist das Flughafen-Aus für die Wirtschaft vor Ort? Viele Unternehmen haben Vorteile daraus gezogen, aber deshalb wandert natürlich niemand ab. Aber gerade deshalb müsste man beim B-10-Ausbau jetzt schneller Nägel mit Köpfen machen. Was wir gar nicht brauchen ist ein Plan, wie man die Region verbessern könnte, lange Untersuchungen, die drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen. Wir brauchen nicht den 50. Plan und die 50. Beratung. Wir haben als Region eigene Vorstellungen, wie wir uns entwickeln wollen. Aber wir müssen mit unseren Vorstellungen endlich auch ernst genommen werden. Sie fordern mehr Geld? Das Schlimme ist ja, dass das Land den B-10-Ausbau nicht einmal bezahlen müsste. Den bezahlt ja der Bund. Eine bessere Verkehrsanbindung ist das A und O. Natürlich müssen auch Mittel fließen für die weiteren Konversionsaufgaben. Und wir bräuchten Förderszenarien für die strukturschwache Westpfalz, die sich von anderen abheben. Stichwort Geld. Haben Sie etwas von der Klage vorm Verfassungsgerichtshof gegen das Finanzausgleichsgesetz des Landes gehört? Nein, das dauert noch. Aber es wird immer deutlicher, dass das Gros der Kommunen in Rheinland-Pfalz genauso betroffen ist wie wir. Kaiserslautern, Pirmasens, Ludwigshafen, Zweibrücken wechseln sich bei den Schulden mit der roten Laterne ab. Wir werden da aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen. Die Politik müsste erkennen, dass es Gelder wie die für den Aufbau Ost auch mal für Regionen geben muss, die von hohen Sozialausgaben belastet sind und vom Strukturwandel betroffen. Wir brauchen einen grundlegenden Wandel bei den Kommunalfinanzen. Sonst platzt irgendwann die Blase, dann kommt es wie bei der Finanzkrise. Wie wichtig sind in Zeiten leerer Kassen Stiftungen? Enorm wichtig. Durch die Rheinberger-Stiftung beispielsweise werden ja nicht nur städtische Projekte unterstützt, sondern generell beispielsweise die Baukultur gefördert. Die Mittel wurden für die Alte Post eingesetzt, die Sanierung der Johanneskirche, die Restaurierung der Turmuhr von St. Pirmin, zuletzt für die Reparatur des Glockenspiels. Die Kommunalaufsicht würde uns für so etwas kein Geld genehmigen. Die Stiftungen, es gibt ja viele in der Stadt, ermöglichen uns andere Handlungsmöglichkeiten. Sie sind ein Segen. Weil auch zum Ausdruck kommt, wie eng sich viele Pirmasenser mit der Stadt verbunden fühlen. Wobei die Spendenbereitschaft insgesamt sehr groß ist. Man muss nur mal ans Hospiz denken. Darum beneiden mich einige Amtskollegen im Land. Das macht vieles einfacher. Was steht nach den Ferien auf dem Plan? Wie immer ein Riesenprogramm. Beschäftigen wird uns wieder die Husterhöhe. Da haben wir ja das Signal, dass die Amerikaner sukzessive abziehen. Kennen Sie Termine? Beim Medical Center ist es noch unklar, aber die Instandsetzungseinheit will das Gelände bis Ende 2016 geräumt haben. Da prüfen wir ganz intensiv Anschlussnutzungen. Was wird noch Thema? In der Verwaltung die Herausforderung, den gewerblichen Bereich als Einheit zu bündeln. Nachdenken müssen wir über die Zusammenlegung von Ämtern. Untersuchungen laufen mit Blick auf Personal- und Hauptamt. Sitzen Sie eigentlich gerne im Café? Mögen Sie das auch privat? Ja. Um die Mittagszeit nehme ich mir öfter mal eine zehnminütige Auszeit, zum Abspannen. Das brauche ich. Manchmal laufe ich aber auch für eine Pause nach Hause. Ich habe ja nur sieben Gehminuten. Kochen sie daheim? Nein, nein. Ich bin nur fürs Grillen zuständig. Da bin ich gar nicht mal so schlecht. Wobei, kürzlich stand ich auch am Herd. Erzählen Sie... Wir hatten so viel Obst im Garten, die Bäume sind fast zusammengebrochen vor Kirschen, Mirabellen, wilden Mirabellen. Und weil meine Frau gerade keinen Nerv hatte, habe ich selbst Marmelade gekocht. 20 Gläser voll. Ich bin beim Wochenendfrühstück ein Marmeladenfan. Und? Es ging gut. Ich wollte einfach mal den Beweis führen, dass ich das auch kann.

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