Interview
Ex-FKP-Coach Fischer: „Genieße das Leben in vollen Zügen“
Patrick Fischer war einer, der den Verein FK Pirmasens gelebt hat. Intensiv! Der heute 42-Jährige ist Angestellter der Stadt Karlsruhe und dort zuständig für einen Teil der insgesamt zehn städtischen Schwimmbäder. Er ist in der FKP-Jugend groß geworden, spielte für den Traditionsverein (und für Mechtersheim, den Karlsruher SC II, Pforzheim und Durlach) in der Oberliga und kam nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn als Nachwuchstrainer auf die Husterhöhe zurück. Unvergessen die Aufstiegsspiele zur A-Junioren-Bundesliga vor 1000 Zuschauern in Pirmasens und vor 4000 Zuschauern in Darmstadt. Es folgten zwei Trainerjahre mit der U23 des FKP in der Verbandsliga, 2019 wurde er (als Nachfolger von Peter Tretter) Cheftrainer der Regionalliga-Mannschaft.
Doch dann kam für ihn im Dezember 2021 das überraschende Aus. Nachdem sich der Mannschaftsrat gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Fischer ausgesprochen hatte, stellte ihn die Vereinsführung frei. Ein halbes Jahr später stieg der FKP nach einer ganz schwachen Rückrunde unter Trainer Kevin Stotz aus der Regionalliga ab und spielt seitdem in der Oberliga. Mit Fischer sprach nun RHEINPFALZ-Mitarbeiter Arno Noll.
Herr Fischer, es ist ja immer die erste Frage, wenn man sich lange nicht gesehen hat: Wie geht es Ihnen heute?
Ich kann das heute ja mit Abstand und großer Gelassenheit sehen. Diese überraschende Freistellung damals war für mich wie eine Weichenstellung in eine völlig andere Richtung. Fußball hatte für mich bis zu diesem Zeitpunkt über allem anderen gestanden. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei allem, was ich mache, mit vollem Engagement dabei bin. Trainer in solchen Ligen zu sein, heißt ja nicht nur, bei Training und Spiel auf dem Platz zu stehen. Jedes Training will vorbereitet sein, Gegner müssen beobachtet werden, Gespräche mit Spielern werden geführt. Und nicht zu vergessen, die Fahrten. Ich war unzählige Male von Karlsruhe nach Pirmasens unterwegs. Heute weiß ich gar nicht mehr, wie ich das bewältigt habe. Ich genieße das Leben mit mehr Freizeit und Freiheit in vollen Zügen.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Sie jetzt nur noch zu Hause sind und der Fußball völlig an ihnen vorbei geht. Oder doch?
(lacht) Am meisten profitiert meine Lebenspartnerin Katja Becker von meinem Leben fast ohne Fußball. Wir wohnen in Waldbronn in der Nähe von Karlsruhe, haben uns einen Hund angeschafft, gestalten unseren Garten, wie es uns gefällt, und genießen dieses neue Leben. Gassi-Gehen, Radfahren, Schwimmen und Gartenarbeit haben dieses frei gewordene Zeitfenster auf eine angenehme, entspannte Art gefüllt. Aber sie haben recht. Ganz ohne Fußball geht es tatsächlich nicht. Ich bin nach wie vor DFB-Stützpunkttrainer in Kandel, also für den Südwestdeutschen Fußballverband tätig. Darüber hinaus – und das macht mir auch viel Freude – engagiere ich mich in der Sportschule Karlsruhe-Schöneck für den Badischen Fußballverband in der Traineraus- und -fortbildung. Dabei sollen insbesondere kleinere Vereine an die Hand genommen werden, um ihnen zu helfen, ihre Nachwuchsarbeit besser zu machen. Das ist etwas völlig anderes, da ich diese Termine weitestgehend mitbestimmen kann.
Keine Angebote von Fußballvereinen mehr für Sie als Trainer? Keine Kontakte mehr in die Heimat?
Natürlich gab und gibt es immer noch Anfragen von Vereinen. Dazu gehörte auch der Karlsruher SC für seinen Nachwuchsbereich. Ich habe aber dazu andere Denkansätze als früher. Es müsste total passen für mich und meine Partnerin. Die Kontakte in die Heimat sind immer noch intensiv, um nur Jens Schaufler, Sebastian Reich oder Ronny Fahr zu nennen. Oder ehemalige Jugendspieler, die ich trainiert habe, wie etwa Jannik Nagel, der heute die SG Bruchweiler trainiert und der mich zu seinem 30. Geburtstag eingeladen hatte. Ich hatte ja in all den Jahren als Spieler und Trainer jede Menge schöne Momente, hatte mit so vielen netten, tollen Menschen zu tun. Ich möchte nichts davon missen. Aber vorbei ist vorbei. Ich habe gleich nach vorne geschaut und entdeckt, dass es immer weiter geht im Leben und da noch ganz schön viel Schönes auf mich wartet.