FUSSBALL
Ex-Bundesligaprofi Thorsten Lahm, neuer Trainer der U19 des FK Pirmasens, im Interview
Herr Lahm, welche Verknüpfungen haben Sie zum FK Pirmasens geführt?
Über die Jahre hinweg ergeben sich zwangsläufig Kontakte zu anderen Spielern, Trainern und Vereinen. Konkret war das in diesem Fall so, dass ich Trainer der Oberliga-Mannschaft des FSV Jägersburg war und einer unserer Gegner war der FK Pirmasens. Insbesondere zum damaligen FKP-Trainer Peter Tretter hatten sich freundschaftliche Kontakte ergeben. Als der FKP jetzt einen neuen Trainer für die U19 suchte, da hat sich Tretter an mich erinnert und mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte. Daraus, dass ich jetzt hier bin, ist eindeutig zu erkennen, wie die Antwort ausgefallen ist.
Ist das Ihre erste Aufgabe als Trainer einer Jugendmannschaft und wo sehen Sie den Unterschied zum Training mit Herrenteams?
Ich hatte auch schon die U15 des 1. FC Kaiserslautern in der Regionalliga trainiert und habe bei der US Soccer Academy für Ramstein und Kaiserslautern gearbeitet. Der Umgang mit Nachwuchsspielern ist mir also nicht neu. Besonders reizt mich daran, dass diese jungen Spieler ehrgeizig und willig sind, viel Luft nach oben haben. Und wie ich hier schon feststellen durfte: Sie haben klare Ziele vor Augen, wo sie hin wollen im Fußball. FKP-U19-Spieler haben die Herren-Regionalliga vor Augen.
Wo lagen die Probleme im Vorfeld der Saison?
Gerade wegen der vielleicht einmaligen Situation durch die Corona-Pandemie.Ich konnte keine Spiele beobachten. Es gab ja keine. Demzufolge war es für einen Trainer, der neu in diese Altersklasse einsteigt und für den die Liga noch weitestgehend unbekannt ist, schwierig ,neue Spieler zu sichten, die für die Regionalliga geeignet sind. Aber nach den ersten gemeinsamen Wochen muss ich sagen, das sieht gut aus. Der Offensivbereich war eh gut bestückt. Defensiv konnten wir uns noch mit Zugängen verstärken.
Worin liegt der Vorteil für Nachwuchsspieler, wenn sie so einen erfahrenen Fußballer als Trainer haben?
Theorie ist die eine Seite, Praxis die andere. Die Jungs haben ganz schnell gesehen, dass ich als Trainer auch ganz gut mit dem Ball umgehen und ihnen etwas vormachen kann. Da hat sich schon der erforderliche Respekt eingestellt. Ich habe versucht, ihnen im Training aufzuzeigen, wie wichtig die psychologische Schiene im Fußball ist. Zum Beispiel: Beim Trainingsspiel führte ein Team schon 3:0. Ich bin dann zum unterlegenen Team dazu. Ich hatte keine Aktion, kaum einen Ballkontakt. Nur durch meine Präsenz, meine Ansprache, gelang es mir, den Gegner so zu verunsichern, dass wir noch mit 4:3 gewonnen haben.
Wie sind die bisherigen Testspiele verlaufen und welche Schwächen wurden dabei aufgedeckt?
Nach zwei Siegen gegen Viktoria Herxheim (3:2) und den SC Idar-Oberstein (6:0) wurde uns im Spiel gegen meinen Heimatverein TSC Zweibrücken schonungslos aufgezeigt, woran wir noch arbeiten müssen, um gegen die Top-Teams der U19-Regionalliga mithalten zu können, damit wir auch unser Ziel, im oberen Drittel zu landen, realisieren können. Der Herren-Landesligist hat uns im Zweikampf abgekocht, war cleverer und nutzte zur 4:1-Pausenführung zwei Standards per Kopfball. Nach der Pause haben unsere Spieler dann den Respekt vor den Herren abgelegt. Wir unterlagen zwar mit 4:5, wurden aber läuferisch immer dominanter.
Welches Spielsystem bevorzugen Sie und wo sehen Sie die größte Herausforderung für Ihre Spieler in der kommenden Saison?
Ich will den Jungs vermitteln, dass wir von hinten heraus Fußball spielen. Das fängt beim Torhüter an. Alle müssen den Mut haben mitzumachen. Da wird es auch Fehler geben. Wir brauchen Geduld, denn alle Spieler im Kader haben in der U17 keine Regionalliga-Erfahrung sammeln können. Diesen Sprung müssen wir schnellstmöglich hin kriegen. Wir haben das Auftaktspiel am 6. September im Stadion Spesbach schon gleich gegen einen der Top-Favoriten, den FC Speyer. Dabei gut auszusehen muss unser erstes Ziel sein.
DER U19-REGIONALLIGAKADER
Torhüter: Constantin Semar, Noah Wächter, Yannick Werling (bisher FC Bienwald Kandel).
Abwehr: Paul Buchheit, Tom Dahler, Kai Steven Gonzales (JFV Nord-West-Pfalz), Morteza Hosseiny, Fatlum Imeraj (JFV Nord-West-Pfalz), Johannes Kläs (1. FC Kaiserslautern), Jonas Marschall, Leon Schmitt.
Mittelfeld: Fynn Fritzsche, Justin Kihm (ASV Winnweiler), David Schehl, Edison Shala, Lennart Vogt, Lukas Volberg, Maximilian Wadle.
Angriff: Marc Erhart, Justin Geißert und Alexander Zeitz.
ZUR PERSON: Thorsten Lahm
Thorsten Lahm war gerade mal 18, als er in der Saison 1987/88 unter Trainer Slobodan Cendic seine ersten beiden Einsätze in der Fußball-Bundesliga für den FC Homburg hatte. Homburg stieg wenig später ab und ein Jahr danach gleich wieder auf, und der damals weitgehend zur zweiten FCH-Mannschaft gehörende Lahm kam gegen den VfB Stuttgart zum dritten und letzten Erstliga-Einsatz seiner Karriere. Später kamen noch 17 Einsätze in der 2. Bundesliga für Homburg dazu. .
Der heute 50-jährige Zweibrücker spielte in den folgenden Jahren für die SpVgg Edenkoben, wo Europameister Hans-Peter Briegel sein Trainer war, Borussia Neunkirchen, den SC Norderstedt und nochmals für Homburg in der Regional- und Oberliga. (Spieler-)Trainer war er anschließend unter anderem beim VfB Waldmohr, beim TuS Leimen und beim FSV Jägersburg, den er auch in der Oberliga coachte. Lahm arbeitet in der Uni-Klinik Homburg und ist dort für den medizinischen Einkauf verantwortlich. Seit diesem Sommer ist er als Nachfolger von Florian Leidner Trainer der U19-Regionalliga-Fußballer des FK Pirmasens.