Pirmasens „Es ist wie bei Pippi Langstrumpf“
Ich war sogar schon mal da, um zu gucken, wo ich da spiele. Ich komme mit Band und der Sängerin Simone Oberstein. Da ist richtig was los! Ich spiele religiöse und weltliche Lieder. Das Neueste, was ich aufgenommen habe und spiele, ist „Sound of Silence“ – und mit der Sängerin zusammen „The Power of Love“. Sie singt und ich spiele. Da kommt nix aus der Büchse. Warum kommen Sie mit Band? Ist Ihnen sonst langweilig auf der Bühne? Mit meiner Band bin ich schon seit neun Jahren auf Tour. Die meisten Veranstalter heute wollen kein Playback, man muss live spielen. Mit Band ist einfach mehr los auf der Bühne – und es bringt mehr Feeling. In der Nähe von Zweibrücken habe ich ein Kirchenkonzert gespielt, das war voll, und die Stimmung war toll. Wahrscheinlich hat jeder als Kind mal Mundharmonika gespielt. Wieso sind Sie dabei geblieben? Ab sechs Jahren habe ich auch Akkordeon gespielt, mit bunten Tasten, da hatte ich schon das Gefühl, wie die Tonleiter funktioniert. Mit acht Jahren habe ich dann das erste Lied auf der Mundharmonika gespielt. „Sah ein Knab` ein Röslein stehn.“ Das ist aber schon relativ kompliziert von der Melodie her ... Es geht. Je mehr man spielt, desto mehr lernt man Technik. Was reizt Sie an der Mundharmonika? Sie ist ein schönes kleines Instrument. Man kann sie in der Tasche tragen. Man hört ein paar Lieder und spielt sie gleich. Es ist wie bei Pippi Langstrumpf, die auf der Straße spielt. Ich war ja Straßenmusiker. Zu DDR-Zeiten haben Sie Ihr Geld noch nicht als Musiker verdient. Was haben Sie da gemacht? Da habe ich alles Mögliche gemacht. Als Zivilbeschäftigter. Als LKW-Fahrer, auf der Brücke, als Baggerfahrer. Haben Sie bei der Arbeit auch Mundharmonika gespielt? Vielleicht nicht auf dem Bagger, aber in der Pause ... Doch. Auch. Wie populär war Mundharmonikspielen in der DDR? Im Westen gab es die normale Mundharmonika und das, was Bluesharp heißt, also Mundharmonikaspieler, die nur Blues spielen ... Ich spiele nur mit der Bluesharp. Nicht ganz so wie Bob Dylan. Ich spiele, und dann spielt die Band, und ich singe, aber ich habe keine Stimme. Als ich Straßenmusik gemacht habe, habe ich auch bei vielen Bands mitgespielt als Aushilfe. Was spielen Sie am liebsten? Lieder, die Gefühle ansprechen wie „Ave Maria“, „Sound of Silence“ und „(Take Me Home) Country Roads“. Komponieren Sie auch? Ja. Ich spiele dann eine Melodie, die mir einfällt, und mein Kompagnon arrangiert sie. Erzählen Sie beim Konzert auch ein bisschen von sich oder über die Stücke, die Sie spielen? Ich erzähle ein bisschen was. Von mir. Auch Witze. Wie der vom Enkel, der im Park spazieren geht. Erzählen Sie doch mal! Der Opa geht mit dem Enkel im Park spazieren. Er setzt sich, nimmt einen Grashalm und kaut drauf. Sagt der Enkel: „Danke Opa für das neue Auto!“ „Wieso?“ – „Papa hat gesagt, wenn Opa ins Gras beißt, kriegen wir ein neues Auto.“ Wie viele Mundharmonikas haben Sie eigentlich? 300 Stück. In verschiedenen Tonarten. Bei einem Konzert spiele ich im Schnitt 24 Stück. Ich habe nur die kleinen Bluesharps. Kennen Sie den Song des inzwischen verstorbenen Sängers Bernd Clüver: „Der Junge mit der Mundharmonika?“ Ja, klar, den habe ich auch gespielt. Bernd Clüver hat ihn gehört und mir damals eine Nachricht geschickt: „Der Junge mit der Mundharmonika grüßt den Mann mit der Mundharmonika.“ Karten Karten für das Konzert von Michael Hirte am heutigen Freitag, 19 Uhr, in der Zweibrücker Karlskirche gibt es für 29,90 Euro bei reservix.de und ticket-regional.de. | Interview: Andrea Dittgen