Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Ergofit: Bayerische Firma übernimmt insolventes Unternehmen

Von 100 Mitarbeitern bleiben noch 80 übrig.
Von 100 Mitarbeitern bleiben noch 80 übrig.

Ergofit hat einen neuen Besitzer. Jeder fünfte Mitarbeiter muss gehen. Die Geschicke des Pirmasenser Unternehmens werden künftig vom bayerischen Schnaittach aus geleitet. Sanierer Jens Lieser feiert den Verkauf als „gelungene Sanierung“ und „großer Erfolg“. Der neue Inhaber war bisher Kunde und Konkurrent.

Der Sporgerätehersteller Ergofit wird künftig eine hundertprozentige Tochter der Physiomed Elektromedizin AG im bayerischen Schnaittach sein, informierte Pietro Nuvoloni von Lieser Management auf Anfrage. Das Unternehmen war nach dem Verkauf von der Familie Resch in Schieflage geraten, da nach Angaben des neuen Besitzers der Kaufpreis viel zu hoch gewesen sei und sich dieser nicht aus der Geschäftstätigkeit refinanzieren ließ. Ergofit beantragte eine Insolvenz in Eigenverantwortung. Der Koblenzer Anwalt Jens Lieser wurde zusammen mit dem Anwalt Martin Kaltwasser als Generalhandlungsbevollmächtigter eingesetzt.

Lieser und Kaltwasser konnten nun zum 1. August den Verkauf an Physiomed verkünden. Das bayerische Unternehmen befindet sich derzeit auf Expansionstour und hat zum Juni erst mit dem Ergofit-Konkurrenten Proxomed fusioniert. Während Physiomed hauptsächlich physikalische und biomechanische Diagnose- und Therapiegeräte vertreibt, produziert Proxomed ein sehr ähnliches Produktsortiment wie Ergofit. „Das Unternehmen ist für uns ein ausgezeichneter Partner, da es unser Leistungsangebot optimal ergänzt und wir somit erhebliche Synergien erzielen können“, sagt Marcus Melching, Vorstandsvorsitzender der Physiomed Elektromedizin AG, der zuvor den Sportgerätehersteller Proxomed leitete. Der bisherige Ergofit-Eigentümer Holger Krakowski-Roosen hofft durch die Bündelung von Wissen in der neuen Konstellation auf viele Vorteile für die Zukunft.

Die endet jedoch bei Ergofit für jeden fünften Mitarbeiter, wie Nuvoloni bestätigt. Von den derzeit noch 100 Mitarbeitern werden nur 80 übrig bleiben. Welche Mitarbeiter gehen müssen, wollte Nuvoloni nicht sagen. „Es gibt so gut wie keine Insolvenzverfahren, die vor dem Insolvenzantrag und nach dem Insolvenzverfahren die gleiche Zahl an Mitarbeitern vorweisen. Ein Insolvenzverfahren ist so gut wie immer mit einer Reduzierung der Mitarbeiter verbunden. Es liegt im Ermessen des Erwerbers, wie viele Mitarbeiter er übernehmen kann und will, um etwa Doppelstrukturen zu vermeiden“, begründet Nuvoloni die Reduzierung der Mitarbeiterzahl, die durch betriebsbedingte Kündigungen oder Eigenkündigungen geschehen kann.

Ergofit wurde 1947 von Willi Resch in Pirmasens gegründet und bis zur dritten Generation in der Familie geführt. Michael Resch verkaufte das Unternehmen 2022 an den Sportwissenschaftler Krakowski-Roosen, der im Mai das Insolvenzverfahren beantragen musste.

Physiomed produziert in Schaittach seit 1973 Geräte für klassische und innovative physikalische und biomechanische Diagnostik- und Therapieformen in den Bereichen Rehabilitation, Sport und ästhetische Medizin.

Seit 35 Jahren ist Proxomed aus dem bayerischen Alzenau auf dem Markt für Krafttrainingsgeräte und Kardiotrainingsmaschinen wie Ergometer aktiv. Proxomed hat eine eigene Produktion im niedersächsischen Luhden.

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