Pirmasens Entfesselte Kunst mit scharfem Geist
Der Hinterweidenthaler Peter Padubrin-Thomys ist einer der umtriebigsten Künstler der Region. Ausstellungen von Halle an der Saale, Leipzig und Frankfurt bis nach Homburg zeigen seine Kunst, die in einem schmucken alten Atelierhäuschen in Wilgartswiesen entsteht. Trotz des Ausstellungsstresses findet der 48-Jährige noch ausreichend Zeit, seine Kunst immer weiter zu entwickeln.
Ein Padubrin-Thomys, der vor 20 Jahren gemalt wurde, zeigt zwar schon für ihn typische Elemente. Die heutigen, ganz frischen Gemälde sehen jedoch ganz anders aus. Während andere Künstler mit zunehmendem Alter immer ruhiger und philosophischer werden, scheint Padubrin-Thomys mit jedem Jahr entfesselter und wilder zu arbeiten. An den Wänden des Bauernhauses in der Wilgartswiesener Hauptstraße hängen mehr als 200 Bilder. Die neusten sind für seine Verhältnisse recht groß und eigentlich würde er auch gerne noch größer malen. Allein bei 1,6 mal 1,2 Meter Leinwand stößt der Künstler an seine räumliche Grenze. Die großen Gemälde mit dick aufgetragener Acrylfarbe hat er vor einem Jahr begonnen und hier nicht am Material gespart. Und er liebt das große Format. „Man pingelt da nicht so rum.“ Die vorher schon energiegeladenen und unglaublich dynamisch wirkenden Gemälde wurden dadurch noch einen Tick ungezügelter. Aber immer wie gewohnt durch einen scharfen Geist gezähmt. „Temporärer Weltschmerz“ oder „Aus den Kindertagen der Philosophie“ lauten beispielsweise die Titel. Oder „Lebe wohl, gute Reise“. Und wenn er ganz literarisch drauf ist, kann es auch mal länger werden: „Nach dem Sinn oder Zweck des eigenen Daseins sowie des Daseins der Geschöpfe überhaupt zu fragen, ist mir von einem objektiven Standpunkt aus stets sinnlos erschienen.“ Hier kommt der Buchhändler wieder zum Vorschein. Padubrin-Thomys stammt aus Halle an der Saale, ist in der DDR aufgewachsen und absolvierte dort auch eine Ausbildung zum Buchhändler. Nach der Wende verschlug es den Künstler mitsamt Frau und Kindern nach Hinterweidenthal. Seit 2009 arbeitet er im Atelierhaus in Wilgartswiesen. „Du wirst hier nicht abgelenkt. Es hat ja nicht mal eine Kneipe“, schätzt Padubrin-Thomys die ruhige Lage. Textfragmente finden sich in fast allen Bildern von ihm, egal ob es kleine Radierungen, Holzschnitte oder große Acrylgemälde sind. „Das ist ein Anfang, den der Betrachter weitererzählen kann“, erklärt der Künstler. Die Texte fallen ihm selbst ein oder er bedient sich aus der Literatur und Liedtexten. Und manchmal ist der Text auch noch seitenverkehrt – ein Überbleibsel aus der Zeit, als er viele Holzschnitte produzierte. „Damit sich die Leute länger mit beschäftigen“, nennt er als Grund für das Seitenverkehrte. Padubrin-Thomys kann auch ganz klassische und sehr gegenständliche Szenen malen. Will er aber nicht. Auf seinen Bildern sind Hände und Köpfe oft viel zu groß geraten und die Leiber verschwinden fast im Farbenrausch. Der Charme des nicht ganz Perfekten reize ihn. Oder um einen Satz aus seinem Katalog zu nehmen: „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben.“ Die scheint, mit Einschränkungen, auf seinen Leinwänden zu finden zu sein. Kontakt www-ppt-grafik.de