Pirmasens
Energiegenossenschaft will Photovoltaikausbau vorantreiben
Erste Projekte auf zwei Pflegeeinrichtungen seien bereits zugesagt, berichtete Stefan Paul vom Vorstand der noch jungen Genossenschaft am Mittwoch bei der Generalversammlung. 230 Kilowattpeak würden diese Anlagen leisten. Sie sollen noch im laufenden Jahr ans Netz gehen. Wo diese installiert werden, wollte er noch nicht verraten.
Gegründet wurde die Genossenschaft 2021. Die rechtlichen Formalitäten wurden mit dem Eintrag in das Genossenschaftsregister im Mai vergangenen Jahres großteils erledigt. Jetzt geht es an den eigentlichen Genossenschaftszweck und dafür besichtigen der Zweibrücker Paul und seine Mitstreiter im Vorstand wie der Lemberger Thomas-Erno Weidner Dächer und Wiesen in der Region. „Ich habe schon einige Dächer in Pirmasens untersucht“, erzählte Paul und berichtete von Gesprächen mit Bürgermeister Michael Maas und einem Termin bei der Bauhilfe, um Kooperationen der BEG mit Stadt und Bauhilfe auszuloten.
Energiewende und Rendite
Die Grundidee der Genossenschaft ist einfach: „Wir wollen mit Ernst an der Energiewende arbeiten, aber auch eine Rendite erhalten“, formulierte es Paul. Während bei vielen bisherigen Projekten Investoren aus Luxemburg, Berlin oder gar Norwegen Anlagen finanzierten und auch die Rendite davon abzweigen, will die BEG das Geld in der Region halten. 92 Mitglieder zählt die Genossenschaft derzeit. Jeder Genosse zeichnet einen oder mehrere Anteile von je 200 Euro, hat aber immer nur ein Stimmrecht, selbst wenn er 100 Anteile gezeichnet hätte. Die bisherigen Mitglieder kommen aus Homburg, Pirmasens, Zweibrücken, Eppenbrunn, Hauenstein, Heltersberg, Lemberg, Rodalben, Thaleischweiler und Vinningen.
Genauso weit über die Region verteilt sind die Projektideen. Mit der Zweibrücker Stadtspitze sei man im Gespräch, berichtete Paul. Sechs Dächer, unter anderem die Breitwiesenschule, seien dort in Prüfung. Es laufen Potenzialanalysen für Freiflächenanlagen im Zweibrücker Land und der Verbandsgemeinde Hauenstein. Konkreter sind die Überlegungen für Trulben und Höheinöd. Für eine etwa zehn Hektar große Fläche in Trulben interessieren sich jedoch nicht nur die BEG sondern auch andere Projektierer, wie in der Gemeinderatssitzung im April zu hören war. Paul sieht für die BEG jedoch den Vorteil, dass die Genossenschaft die Bürger mitnehmen will, Vorgaben von Umweltschutzverbänden beachtet würden und günstige Ökostromtarife für die Bürger geboten werden könnten.
Auf Kredite angewiesen
In der Genossenschaftskasse befinden sich aktuell rund 33.000 Euro, die aus Genossenschaftsanteilen stammen. Damit lassen sich die Projekte nicht finanzieren. Hier baut die BEG laut Paul auf Bankkredite, die momentan für Photovoltaikprojekte einfach zu bekommen seien. Ein Großteil des Geldes soll aber auch direkt von den Genossen selbst kommen, die so genannte Nachrangdarlehen, die besser verzinst würden als ein Guthaben bei der Bank, kündigt Paul an. Konkrete Zinssätze wollte er noch nicht nennen.
Neben möglichst vielen Anlagen auf Dächern in der Region strebe die BEG aber auch den Einstieg in Freiflächenanlagen mit richtig großen Leistungen an. „Da ist richtig viel Geld zu verdienen“, so Paul, der jedoch die Gemeinde über eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AÖR) und die Bürger über Genossenschaftsanteile mitbeteiligen würde, was die übrigen Investorengruppen nicht tun würden. „Die Wertschöpfung soll hier bleiben“, betont Paul als Zielsetzung. Lukrative Flächen seien jedoch bereits von den Großprojektierern in Beschlag genommen worden.
Sammelbestellung für Balkonkraftwerke
Bedenken der Landwirtschaftslobby seien berechtigt, aber letztlich unbegründet, meint der Genossenschaftsvorstand. Ohne die Freiflächenphotovoltaik sei die Energiewende nicht zu schaffen. Alternativen auf Parkplätzen wie dem Zweibrücker Outlet seien zwar auch möglich, aber viel teurer als Freifläche oder Dach. Und hier will Paul nicht allein an horizontale Anlagen denken. Vertikal montierte Module auf Fassaden könnten auch in Erwägung gezogen werden.
Das Thema Balkonkraftwerke soll von der BEG ebenfalls voran getrieben werden. Speziell geprüfte Anlagen sollen als Sammelbestellung besorgt und zu einem günstigeren Preis als üblich an Genossen sowie Nichtmitglieder abgegeben werden. Ein ähnliches Modell hatte die Gemeinde Hauenstein für ihre Bürger umgesetzt und 80 Anlagen verkauft. Die BEG will die Anlagen palettenweise bestellen und weiterveräußern, sofern genügend Bestellungen eingehen.