Pirmasens Ende einer Ära in der Turnstraße

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Wiener Walzer vor Publikum, der erste Kuss, Premiere auf hohen Schuhen: Das verbinden viele mit dem Abschlussball der Tanzschule Günauer. Jahrzehnte fand das Ereignis in der TVP-Halle in der Turnstraße statt. Doch das ist Vergangenheit. Der mit 1100 Mitgliedern größte Verein der Stadt hat der Tanzschule den Laufpass gegeben.

Claudia Simon, im Vorstand des TV Pirmasens für Wirtschaft und Veranstaltungen zuständig, sagt es im Gespräch mit der RHEINPFALZ mehr als einmal. „Uns tut es auch richtig leid, wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis.“ Sie hätten die Abschlussbälle der Tanzschule Günauer gerne weiter ausgerichtet in ihrer Halle. „Aber es hat sich einfach nicht mehr gerechnet, beim letzten Mal haben wir draufgelegt.“ Auch ein Verein müsse gucken, wo er bleibe, erklärt Simon. Strom, Wasser, Heizung – alles sei teurer geworden. 30 Jahre hat der TVP die Bälle mit bis zu 500 Teilnehmern veranstaltet, manchmal sogar drei im Jahr, als Pirmasens noch mehr Einwohner hatte und es noch zum guten Ton gehörte, eine Tanzschule zu besuchen. „Zuletzt kamen aber nur noch zwischen 280 und 300 Gästen. „Es wurden gerade mal zehn Flaschen Sekt getrunken.“ Da lohne es sich nicht mehr, eine Bar aufzubauen. „Von der Garderobe ganz zu schweigen. Damit haben wir 17 Euro eingenommen, die Versicherung kostet uns aber viel mehr“, rechnet Simon vor. So ein Ball lähme auch den Vereinsbetrieb. „Wir haben quasi drei Tage Ausfall, da kann kein Schulsport stattfinden, unsere Turnstunden fallen aus, der Hausmeister muss Extraschichten machen, Bedienungen, die am Umsatz beteiligt werden, murren, wenn die Leute am Abend nur eine Flasche Mineralwasser trinken.“ Und den Putzfrauen müsse man Mindestlohn zahlen, erläutert Simon. Da blieb der alteingesessenen Tanzschule Günauer nur der Umzug nach Dahn mit dem Abschlussball. Dort werden am Samstagabend die Debütanten im Haus des Gastes ihre ersten Schritte vor Publikum auf dem gesellschaftlichen Parkett wagen. Dieter Günauer, der die Tanzschule in der dritten Generation betreibt, hadert nicht mit der Entscheidung des TVP. Sagt: „Dahn ist auch schön, die haben Parkettboden, gepolsterte Stühle. Das Haus liegt schön im Park.“ Enttäuscht ist er aber schon, nicht nur wegen des Aufwands mit der Fahrerei. Was gerade stattfindet, ist auch ein Bruch mit einer alten Tradition. „Tausende haben in der TVP-Halle ihren Abschlussball gemacht.“ Es seien andere Zeiten gewesen. „Wir spüren schon die Abwanderung. Ende der 80er Jahre hatten wir vier Abschlussbälle im Jahr.“ Tanzen habe damals noch eine andere Bedeutung gehabt, zumindest bei den Jungen. Die Erwachsenentanzkurse ziehen Günauer zufolge gerade wieder an. „Aber im Grundkurs sind es nur 36 Schüler. Da merkt man, dass Pirmasens leider nur eine kleine Mittelschicht hat.“ Wobei es immer auch Wellen seien. „Gut möglich, dass es im Herbst schon wieder viel mehr Jugendliche in den Tanzkurs zieht. Dann kommen vielleicht wieder 100.“ Werbung macht Günauer genügend. „Ich gehe an Schulen, mache beim Ganztagsangebot mit.“ Das veränderte Freizeitverhalten mache sich bemerkbar. „Die Jugend hat mehr Ablenkung, allein durch den Computer“, sagt der Tanzlehrer. Warum er nicht in die Festhalle gegangen sei? Die sei zu teuer, betont Günauer. Die Wasgauhalle sei ungeeignet, der Theo-Schaller-Saal sei zu klein. Er denkt mit Wehmut zurück. „Wir haben in der TVP-Halle immer ganz toll dekoriert, einen Riesenaufwand betrieben, auch mit den Leuten vom Verein, wir haben Berge versetzt.“ Das sei jetzt Vergangenheit. Wobei er mit seinem Problem nicht allein dastehe. In Landau sei die Tanzschule mit dem Ball aus Kostengründen aus der Festhalle ausgezogen. „Dort müssen die Leute nach Neustadt fahren.“ Für die Städte sei diese Entwicklung schade. „Die geben ein bisschen Kultur auf.“ Zum Tanzen in Pirmasens bleibe jetzt nur noch der OB-Ball.

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