Pirmasens Einmal ein Einhorn oder ein Flamingo sein

Oliver Vafiadis von der Firma Vabo hat in seinem Laden alles, was das närrische Herz begehrt.
Oliver Vafiadis von der Firma Vabo hat in seinem Laden alles, was das närrische Herz begehrt.

Wer an Fasnacht inmitten des bunten Treibens mit schillernder Maskerade auffallen will, hat es nicht leicht. Die Vielfalt der Verkleidungsmöglichkeiten ist groß. Oliver Vafiadis, Chef des Kostümhandels „Vabo“, gibt Einblicke in die Fasnachtstrends 2019.

Im Kostüm-Geschäft „Vabo“ in der Pirmasenser Neckarstraße ist rund um die Faschingswochen einiges los: Partymusik schallt aus den Lautsprechern, junge Mütter, Jugendliche und sogar Senioren probieren sich durch die Verkleidungsstücke. „Besonders im Trend liegen dieses Jahr Einhörner und Flamingos sowie die 50er- und 80er-Jahre“, erklärt Oliver Vafiadis, von den Pirmasensern schlicht „Olli“ genannt. Flamingos und Einhörner gebe es sowohl in der „luftigen“ als auch „flauschigen“ Ausgabe. „Damit man, wenn es zum Faschingsumzug kalt sein sollte, schön warm hat“.

2019 darf es gerne auffällig sein

An Kleiderstangen hängen weitere knallbunte Kostüme der aktuellen Fasnachtssaison: schrille Farben von Kopf bis Fuß, ein auffälliges Tutu und im Regal daneben Haarsprays in Pastellfarben. Alles Merkmale, die die Faschingssaison 2019 prägen. „Das liegt diesen Fasching absolut im Trend“, sagt der Experte. Neben Kostümklassikern wie Piraten, Cowboys und Clowns sind seine Kunden dieses Jahr auf grelle Outfits versessen, gerne im Rock ’n’ Roll-, Comic- oder Pop-Art-Stil. „Gut nachgefragt sind auch Oberteile und Jacken, die an Gardemädchen erinnern. Nur eben in neongrün“, sagt Vafiadis. Hinzu kämen entsprechende Accessoires – bunte Haarspangen und Taschen, mit denen es zurück in die verrückten 80er geht. Oft reiche aber auch schon entsprechende Schminke, um aufzufallen. Der neuste Trend aus fernen Galaxien: das Galaxy-Makeup, das sich derzeit mit schicken Fotos auf Instagram verbreitet und Thema zahlreicher Make-Up-Tutorials auf Youtube ist. „Auffällig ist in diesem Jahr, dass die Frauen sich viel zutrauen, wenn es auf die Faschingsparty geht. Die Männer sind da etwas zurückhaltender“, sagt der Kostümprofi. Vorgestellt werden die neusten Faschingstrends jedes Jahr auf der Spielwarenmesse in Nürnberg, wo Lieferanten ihre neuesten Errungenschaften präsentieren – Inspirationen, die so irgendwann auch in Pirmasens bei Vabo landen.

Fasching als Geschäftsmodell

Stolz präsentiert Oliver Vafiadis die dicken Kataloge der Händler, die er schon lange vor der närrischen Jahreszeit studiert. Darin gibt es nichts, was es nicht gibt. „Bei mir kaufen sowohl Privatpersonen als auch Vereine aus Pirmasens und der Region. Sogar ganze Theater werden bei uns fündig – und dies das ganze Jahr über“, erklärt Vafiadis, seit Mitte der 90er Inhaber des Kostüm- und Partygeschäfts. Übernommen hat er es von seinem Vater Ioannis Vafiadis, der das Ganze im Jahr 1986 mit Geschäftspartner Arnold Bold zunächst als Spielwarengroßhandel gegründet hat. „Da wir zu dieser Zeit schon faschingsaffin waren, haben wir unser Sortiment irgendwann umgestellt und waren damit schon recht früh erfolgreich“, erklärt der Sohn, der sich auch heute noch Tipps und Anregungen von seinem Vater holt. Gerne kommt der mittlerweile pensionierte Ioannis auf einen Kaffee im Geschäft vorbei oder hilft im Verkauf mit. Zur Hochsaison der Faschingszeit hat Vafiadis alle Hände voll zu tun. Die Mitarbeiterzahl wird um zahlreiche Aushilfen gesteigert und die sonst üblichen Öffnungszeiten werden verlängert. „Doch nach Feierabend ist noch lange nicht Schluss. So sind meine Mitarbeiter und ich abends und am Wochenende immer wieder Gast auf diversen Fasnachtsveranstaltungen in der Region“, erzählt er. Selbst seit fast 25 Jahren im Geschäft, hat Vafiadis schon so einige Trends beobachtet, nicht zuletzt, was den eigenen Umsatz angeht. „Wie gut es für uns läuft, hängt davon ab, wie lange eine Kampagne ist. Dieses Jahr haben wir eine lange Saison, das merkt man natürlich auch am Umsatz“, sagt Vafiadis.

Auch die Fasnacht unterliegt dem Wandel der Zeit

Doch auch generell habe sich die Fasnacht über die Jahre verändert. In den 90ern habe es beispielsweise noch mehr Veranstaltungen in der Stadt gegeben. Hinzu komme, dass junge Leute nicht mehr allzu oft in Vereinen aktiv seien. „Nahezu jeder Verein in der Region ist überaltert. Das merkt man oft auch an Fasching. Ganze Gruppen, die etwa an Umzügen teilnehmen, werden weniger“, sagt Vafiadis. Aber auch inhaltlich sei der Wandel spürbar. So rückten die jungen Fasnachter immer mehr von politischen Themen ab, „da geht es mittlerweile mehr hin zur Party“, meint der Experte.

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