Pirmasens Ein zweiter Kardiologe in der Stadt

Es ist eine Entwicklung gegen den Trend: Während massiv vor einem Ärztenotstand in der Region gewarnt wird, lässt sich in Pirmasens mit Karl Bruck zum 1. Juli ein neuer Kardiologe nieder. Damit können Menschen mit Herzerkrankungen künftig zwischen zwei Facharztpraxen wählen.
Bruck zufolge hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) den besonderen Bedarf an ambulanter Versorgung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen und seinem Antrag auf Sonderbedarfszulassung stattgegeben. Die KV sei zu dem Ergebnis gelangt, dass der Bedarf für einen weiteren Kardiologen im „Großraum Pirmasens“ und der Region „mehr als da“ sei. Bei der bisher einzigen Kollegin in der Stadt gibt es Bruck zufolge lange Wartezeiten - teilweise über ein halbes Jahr. Das habe er auch immer wieder gehört, als er am Rodalber St.-Elisabeth-Krankenhaus im Herbst vergangenen Jahres damit begonnen habe, eine kardiologische Ambulanz aufzubauen. „Die Resonanz war riesig, so etwas hat in der Region gefehlt. Ohne nennenswerte Öffentlichkeitsarbeit ist die Ambulanz schnell übergelaufen. Am Ende musste ich Termine mit drei Monaten Wartezeit vergeben.“ Das habe natürlich etwas mit der Altersstruktur in der Region zu tun, damit, dass gerade ältere Menschen nicht so mobil seien, man ihnen nicht in allen Fällen zumuten könne, zu Fachärzten nach Kaiserslautern, Landau oder Homburg zu pendeln. Am Pirmasenser Krankenhaus, deren Kollegen er sehr schätze und mit denen er eng zusammenarbeiten wolle, gebe es außer der üblichen Notfall-Ambulanz lediglich eine kardiologische Privatsprechstunde. Bruck will sich auf die konservative Kardiologie spezialisieren. „Ich will vor allem präventiv arbeiten“, sagt der Arzt, der mit seiner Familie in Friedrichsthal bei Saarbrücken lebt. In einem Brief an niedergelassene Kollegen hat der 50-Jährige angekündigt, „das Spektrum der konservativen Kardiologie mit EKG, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Ergometrie, Echokardiographie, Stressechokardiographie, Gefäßdiagnostik und Polygraphie anzubieten“. Er habe sich zu diesem Schritt entschieden, „nachdem meine Vorstellungen einer optimalen Patientenversorgung, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, am Rodalber Krankenhaus nicht zu erfüllen waren“. Allein in ein Herzultraschallgerät investiere er einen sechsstelligen Betrag. Damit könne man sehen, wie das Herz pumpt, ob die Herzklappen richtig funktionieren und somit etwaige Veränderungen frühzeitig erkennen. „Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems haben einen langsamen, stetig voranschreitenden Verlauf. Häufig merken die Betroffenen noch gar nicht, dass sich bereits krankheitsbedingte Veränderungen im Körper abspielen“, erklärt Bruck. Sein Ansatz sei, beginnende Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu therapieren, um günstigstenfalls mit einer Lebens- und Ernährungsumstellung und relativ geringen therapeutischen Maßnahmen eine Besserung zu erzielen. Deshalb rät er ab dem 40. Lebensjahr dazu, regelmäßig einen Kardiologen aufzusuchen. Mit einem Auto gehe man auch regelmäßig zur Inspektion und jedes zweite Jahr zum TÜV. Ein wichtiger Ansatz ist für ihn zudem die Basisdiagnostik für weitergehende schlafmedizinische Untersuchungen. „Schlaf ist etwas ganz Entscheidendes. Wer nachts alle paar Minuten wach wird, hat Stress. Und das wirkt sich dann wiederum aufs Herz aus“, sagt der Mann, der in Rodalben das Schlaflabor aufgebaut hat. Bruck war erst im September 2014 vom Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken, wo er seit dem Jahr 2007 als Oberarzt und Leiter des Schlaflabors in der Inneren tätig war, nach Rodalben gewechselt. Den damaligen Schritt erklärte er im RHEINPFALZ-Gespräch so: „Unter den Strukturen in Zweibrücken konnte ich nicht mehr guten Gewissens arbeiten“. Die Entscheidung für einen Sitz in Pirmasens sei auch gefallen, weil er an die Zukunft der Stadt glaube. „Ich bin in Zweibrücken aufgewachsen, hatte früher nicht so viel für Pirmasens übrig.“ Heute sehe er Pirmasens durch die vielen mittelständischen Ansiedlungen auf der Überholspur, während Zweibrücken noch auf dem Standstreifen verharre.