Pirmasens Ein Zeichen gegen den Terror gesetzt

PIRMASENS. Zwei Tage nach den schrecklichen Anschlägen von Paris setzte der Fußball gestern in Pirmasens ein Zeichen gegen den Terror. Erst spielte die französische U19 im Stadion Husterhöhe gegen Schweden (1:1), dann gewannen Deutschlands Junioren vor offiziell 2116 Zuschauern gegen Serbien mit 1:0 und sicherten sich damit vorzeitig den Sieg beim Vier-Nationen-Turnier.
Während FKP-Stadionsprecher Peter Edrich „Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben!“ über den Lautsprecher schickte, wärmte sich eine Schar von Fußballkindern, die wie ungeduldige Rennpferde schon mit den Füßen scharrten, auf ihren großen Einsatz vor. Trainer Oliver Theobald von der F II Leiningerland ließ seine Jungs hüpfen und dehnen. Schließlich war es kalt auf der Husterhöhe. Aber genau wie die F II des FK Pirmasens, die Sascha Beez trainiert, hatten die U8-Kicker jetzt nur noch Augen für die U19-Nationalteams, die sich auf dem Rasen aufwärmten. Mit wem werde ich später auflaufen? Wird der was sagen zu mir? Nur darum drehte sich das Stimmengewirr der Kinder. Alles andere war Nebensache. „Wir haben über eine Blitzaktion durch den SWFV die Einladung bekommen. Die Jungs waren sofort begeistert“, berichtete Theobald. „Wir wissen noch gar nicht, mit welcher Nationalmannschaft wir auflaufen“, liebäugelte FKP-Coach Beez natürlich, wie seine Jungs auch, mit den Spielern der deutschen Elf. Am Ende lief alles kreuz und quer, und alle waren total aufgeregt. FKP-U8-Spieler Paul Brand: „Ich habe heute Nacht sogar davon geträumt.“ Die B-Junioren des FKP drehten vor dem Anpfiff das große DFB-Fußball-Emblem auf dem Rasen im Uhrzeigersinn. „Wir haben das am Nachmittag extra geübt“, erzählte FKP-Junior Brian Madaku, dessen Vater aus Nigeria stammt – er selbst ist in Deutschland geboren. „Ich habe das Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland im Fernsehen gesehen und auch die Detonationen mitbekommen. Schade, dass der Fußball schon wieder missbraucht wird“, sagte der 17-Jährige. Eine serbische Fahne mitten auf der Tribüne und lauter bekannte Pirmasenser Gesichter dabei. Die Erklärung ist einfach: Sabrtas Alija kam 1999 aus Serbien nach Pirmasens, hat hier in verschiedenen Vereinen Fußball gespielt und hatte seine drei Jungs mitgebracht, die die serbische Fahne hochhielten. Der kleine Renato spielt beim FKP, Bruder Robert beim PSV und Tritan in Lemberg. „Uns ist das egal, wer hier gewinnt. Wir drücken beiden Teams die Daumen“, sagte Tritan. Vater Sabrtas: „Ich schäme mich für die, die das in Paris getan haben. Ein paar wenige spinnen und die ganze Welt steht Kopf!“ Die deutsche Nationalhymne wird gespielt. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ würde der ganzen Welt doch so gut tun. Spieler und Schiedsrichtergespann tragen Trauerflor. „Wir mussten natürlich unsere Planung ändern. Die Sicherheitsrelevanz war schlagartig eine andere. Bei dem Spiel Frankreich gegen Schweden heute Nachmittag führten wir sogar Zugangskontrollen durch“, erläuterte der Einsatzleiter der Polizei, Polizeioberrat Stefan Bauer, den deutlich höheren Personalansatz. Auch FKP-Geschäftsstellenleiter Christoph Radtke bestätigte eine Aufstockung von Sicherheitspersonal und Ordnern. „Es war zunächst auch fraglich, ob die französische U19-Nationalmannschaft spielen wird. Aber auch hier hat man sich entschlossen, sich nicht beeinflussen zu lassen“, ließ Radtke einen Blick hinter die Kulissen zu. Ein paar Zuschauer mehr hätte er sich gewünscht. „Zumal wir mit Sponsoren 3000 Karten für Jugendliche gekauft hatten und auch verteilt haben“, zeigte er auf, dass auch der FK Pirmasens seinen Teil dazu beigetragen hat, um ein Fußballfest zu veranstalten. Mittendrin hatte Johanna Gautsche, die in die vierte Klasse der Horebschule geht, nur einen Wunsch: „Papa, ich hätt gern e Brotworschd unn e Fanta.“ Da hatte der Papa auch keine Probleme damit. Derweil guckte Johannas Bruder Paul gebannt auf den Rasen, wo der Schütze des Siegtreffers, Malcolm Badu, gerade mit stehenden Ovationen von den Zuschauern verabschiedet wurde. Der frühere FKP-Jugendtrainer Marco Geib lobte spontan: „Das war der beste Spieler. Der hat sich den Applaus verdient!“ Kaum machte sich der ausgewechselte Emmanuel Iyoha (Fortuna Düsseldorf) auf den Weg in die Kabine, war „Basti“ Bohn von der FKP-F I schon zur Stelle, reichte ihm seinen Ball und bekam ein Autogramm. Warum gerade von diesem Spieler ein Autogramm? „Der sieht aus wie Dante, der früher bei den Bayern gespielt hat“, war die Antwort, die keine weiteren Fragen zuließ. „Das war ein toller und erfolgreicher Tag für den Verein, die Stadt, den Fußball. Die Orga hat gepasst. Ich bin froh, dass nach den Ereignissen in Paris hier bei uns nichts abgesagt wurde und wir in Pirmasens ein wichtiges Zeichen dagegen setzen konnten“, fasste FKP-Regionalligatrainer Peter Tretter zusammen.