Pirmasens Ein Stichwort, und er sprudelt
„Tapani, hol mo noch es Hundefutter.“ Der Korb mit Wahlkampfgeschenken ist klein. Doch Markus Zwick bemüht sich, an alle zu denken: Im Korb liegen Malbücher und Stifte (für die Kinder), Einkaufswagen-Chips („Für die Frauen“), Flaschenöffner, Kugelschreiber und Blöckchen für alle. Nun kommen noch bunte Leckerlis dazu. „Ohne Hundefutter kann man keinen Haustürwahlkampf machen“, hat der CDU-Kandidat festgestellt.
Als Zwick durch die Conrad-Krez-Straße auf der Husterhöhe eilt, haben seine Wahlkampfhelfer Tapani Braun und Berthold Stegner Mühe, zu folgen. Zwick ist groß, macht große Schritte, hat Großes vor. „Hallo, ich bin der Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl“, eröffnet er die Haustürgespräche. Der Kandidat, sagt er, als gebe es keinen anderen. Dass er von der CDU ist, sagt er nicht immer, auch auf seinen Geschenken steht es nicht. Das sei mit der Partei so abgesprochen. Eine „gewisse Unabhängigkeit“ sei wichtig. „Ich will Oberbürgermeister für alle sein.“ Als solcher will der 41-Jährige unter anderem neue Arbeitsplätze schaffen, mehr Erwerbslose über einen dritten Arbeitsmarkt in Arbeit bringen, Immobilienbesitzer und Investoren zusammenführen, die Sicherheit im Auge behalten („Das bewegt viele, auch wenn Pirmasens schon jetzt eine sichere Stadt ist“) und stärker mit dem Landkreis zusammenarbeiten, etwa beim Tourismus. Zudem plant er ein Netzwerk für Senioren, in das sich rüstige Rentner und andere Ehrenamtliche unbürokratisch einbringen sollen, quer über die Stadt verteilt. Die Vororte, betont Zwick zudem, dürften bei allem, was sich in der Stadt bewegt, nicht benachteiligt werden. „Die sind sehr wichtig.“ Zwick findet mit jedem Bürger ein Gespräch, kommt dabei locker rüber, schaut sich in Garagen geduldig Stichsägearbeiten an. Fremde Menschen bitten ihn öfter mal ins Haus, erzählt er, zeigen Miniatur-Eisenbahn, Carrera-Rennbahn oder Engelsammlung. Michelle Jerkewitz wiederum sammelt antike Puppenmöbel. Zwick kennt sie von früher („Mir sinn zamme Bus gefahr“), nun will sie ihm ihre Ideen vorstellen. Ganz oben auf der Liste: ein Schuh-Outlet. Zudem müsse Pirmasens sein Image polieren, sich besser als Wohn- und Freizeitstadt vermarkten. In solchen Gesprächen wird Zwicks Amtsbonus deutlich: Gut ein Jahr ist der Jurist nun als Bürgermeister für Soziales, Schulen, Jugend, Sicherheit und Ordnung, Jobcenter und Krankenhaus zuständig, hatte zuvor schon als Amtsleiter im Jugend-, Sozial- und Ordnungsamt Bürgerkontakt. Ein Stichwort genügt, und schon sprudelt aus ihm heraus, was die Verwaltung gerade zu diesem und jenem Thema tut oder vorhat, von Straßenausbau über Sanierungsprogramme bis zu Anreizen für Investoren. Er kann ohne Punkt und Komma reden. Michelle und Jürgen Jerkewitz geben Zwick einen letzten Tipp mit: Er solle mal versuchen, Horst Lichter und seine Show in die Stadt zu holen. „Der hat super Einschaltquoten.“ Doch erst mal geht’s Zwick um die eigene Quote am Sonntag. Dass er kandidieren würde, zeichnete sich schon länger ab. Doch durch die Ankündigung von OB Bernhard Matheis (CDU), nicht mehr anzutreten, kam die Kandidatur früher als geplant. „Ich hab’ erlebt, wie es mit der Stadt aufwärts geht. Diese Entwicklung ist noch nicht am Ende. Ich will dazu beitragen, dass sie weitergeht“, beschreibt Zwick seine Motivation. Auch die Conrad-Krez-Straße ist noch nicht am Ende. Weiter geht’s, vorbei an etlichen steinernen Vorgärten, die dem naturliebenden Förstersohn, der in Leimen aufwuchs, kaum gefallen dürften. So kurz die Plauderei an den Haustüren auch ist − manche hat es in sich. Ein älterer Mann in einem schicken Neubau lenkt das Gespräch auf die Flüchtlinge, die ihm nicht geheuer sind und den Pirmasensern die Arbeit wegnähmen. Zwick wiederum leitet über zur Zuzugssperre, die die Stadt durchgesetzt hat. „Wir kümmern uns, wir haben den Zuzug gestoppt“, sagt er. Zeit für lange Diskussionen ist nicht. Stegner und Braun haben das nächste „kleine Gedeck“ vorbereitet, wie sie das Set an Wahlkampfgeschenken nennen. Zwick greift zu, steuert die nächste Tür an. Keiner daheim. Also kommt ein Kärtchen in den Briefkasten, mit dem Zwick für sich wirbt und auf die Wahl hinweist. Wenn er sich persönlich von den Bürgern verabschiedet, klingt das so: „Es würde mich freuen, wenn Sie am 28. Oktober das Kreuzl bei mir machen.“