Pirmasens Ein paar Freudentränen fließen

PIRMASENS. „Welcome back unsere Goldnicole“ steht in Schwarz-Rot-Gold auf dem ausgerollten Plakat. Mitarbeiter, Betreuer und Kollegen der Pirminiuswerkstatt sind stolz auf Nicole Arndt: Die Pirmasenserin hat in den Schwimmwettbewerben der World Games der Special Olympics in Los Angeles „gekämpft wie ein Löwe“, wie Trainer Bernd Burkhard sagt. Der Lohn dafür: dreimal Gold und ein großer Empfang für die Pfälzerin bei ihrer Rückkehr.
Mit einem „Hupkonzert“ kündigt Trainer Burkhard seinen Schützling an, den er gerade vom Frankfurter Flughafen abgeholt hat. Die drei Goldmedaillen baumeln um den Hals der Schwimmerin, klimpern leise, als sie Richtung Werkstatteingang läuft. In der Hand trägt sie einen Blumenstrauß. In der „Empfangshalle“ wird es unruhig, schließlich wollen alle einen Blick auf „ihre“ Nicole erhaschen. Es läuft der Queen-Evergreen „We are the champions“. Kaum betritt Nicole Arndt den Raum, brandet Jubel und Applaus auf, „Nicole, du bist die Beste“, rufen einige. Da kann auch der Leiter der Heinrich-Kimmle-Stiftung Marco Dobrani nur beipflichten: „Wir hätten das in den kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten. Wir sind stolz und froh, dass du es geschafft hast.“ Der Jetlag stecke ihr noch in den Knochen, dazu der überwältigende Empfang, da gehe es ihr zwar gut, aber müde sei sie auch, berichtet Arndt. Dass es nach dem Europameistertitel über 25 Meter Freistil im vergangenen Jahr nun gleich drei Goldene wurden, über 25 Meter Rücken, 25 Meter Freistil und in der 4x25 Meter-Freistilstaffel, dafür hat Arndt hart trainiert: „den Tunnelblick“, wie Trainer Burkhard es nennt. So saß sie hochkonzentriert auf ihrem Stuhl am Beckenrand, wartete auf das Startsignal, schaute dabei nicht links, nicht rechts – immer nur gerade aus, auf das ruhige Wasser. Das deutsche Team, das ihre Schwimmerin lautstark nach vorne peitschte, blendete sie aus, schlug als Erste in persönlicher Bestzeit an. „Ich war schon überrascht und hatte Freudentränen“, berichtet sie von der emotionalen Medaillenübergabe danach. Die Erlebnisse der ersten Tage mit einem Stadtbummel durch Hollywood, Fotos mit Spiderman auf dem Walk of Fame und der Eröffnungsfeier, bei der Amerikas First Lady Michelle Obama vorbeischaute, gaben ihr zusätzliche Kraft und Motivation. Einer der ersten Anrufe nach ihrem Goldlauf ging an Burkhard, den sie damit „aus dem Bett geworfen“ habe. „Aber er hat sich auch riesig gefreut“, erzählt sie. Das kann dieser nur bestätigen, hielt er sich über die Bundestrainer Peter und Sabine Wilke doch immer auf dem Laufenden. Einen Ehrenplatz in ihrem Zimmer werden die Medaillen bekommen, „als Erinnerung“. Dort hängen auch die Trophäen der vergangenen Jahre. Aber solch, mit dem bunten Band der Special Olympics gibt es dort noch nicht, sagt sie strahlend. Und die sind wahrlich etwas Einmaliges: denn das Reglement lasse eine Titelverteidigung in vier Jahren nicht zu. „Sie wollen möglichst vielen Sportlern die Chance geben, dabei zu sein“, erklärt Burkhard. Lediglich ein Disziplinwechsel könnte da Abhilfe schaffen. Vielleicht, so sagt es der Erfolgstrainer, werden sie ab September noch einmal neue Trainingsreize setzen, Brustschwimmen oder längere Distanzen in Angriff nehmen. Dass sie das drauf hätte, da ist er sich sicher, „sie ist ja sportlich, konnte sich kontinuierlich steigern“, sagt er über Arndt, die frühere Fußballerin. (snk)