Pirmasens
Ein musikalischer Gourmet zu Besuch in Pirmasens
Die großartigen Sänger und das zehnköpfige Kammerorchester unter der Leitung von Nabil Shehata taten das ihre, um einen großartigen Abend zu gestalten. Arien und Duette aus den Opern „Der Barbier von Sevilla“, „Aschenputtel“ und auch „Cyrus in Babylonien“ standen auf ihrem Programm.
Die Mezzosopranistin Irena Weber verblüffte das Publikum nicht nur mit ihrer kraftvollen, ausdrucksstarken, manchmal flirrenden Stimme, die eine wahre Fülle an klaren Tönen zwischen Alt und Sopran zuließ und die vor Temperament nur so sprühte. Die große Schauspiellust der jungen Künstlerin mit serbisch-ungarischen Wurzeln ließ ihr die Herzen der Pirmasenser zufliegen. Auch Tenor Shengwu Ou und Bariton Modestas Sedlevicius begeisterten die Pirmasenser nicht nur durch ihre Stimmgewalt, sondern auch durch ihre humorvolle Art, die Szenen zu gestalten. Und Dirigent Nabil Shehata, der leidenschaftlich die Partitur in einen Klangzauber verwandelte.
Es hat sich sehr gut angehört und angefühlt, wie die unterschiedlichsten Nationen in die italienische Kultur und Sprache eintauchen und durch ihren publikumsnahen Auftritt ein großes Ganzes schufen. Sedlevicius kommt aus Litauen, Ou begann seinen Gesangskarriere mit einem Studium in Shanghai. Und der künstlerische Leiter der Kammeroper München sowie Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen ist Deutsch-Ägypter. Virtuos setzten sie die von Rossini geliebte Buffo-Technik in sprühende Melodik und lebendige Rhythmik um.
Rossini und das gefallene Huhn
Eingerahmt wurde dieser musikalische Genuss von Dominik Wilgenbus, der mit allerlei Fakten und Anekdoten den Komponisten mit dem „prallen Wanst, dem der Schalk aus den Augen lacht“ vorstellte und dem Publikum sogar ein Kochrezept Rossinis verriet. Eigentlich wollte Wilgenbus, dass den Besuchern das Wasser im Mund zusammenläuft, doch das hat er nicht geschafft, waren die Gäste nach der kulinarischen Pause mit italienischem Buffet doch schon zufrieden und satt. Dennoch hat er eine eher unbekannte Seite des Komponisten, der einst 38 Opern schuf, enthüllt – die des leidenschaftlichen Kochs, der beträchtliche Geldmengen in einen luxuriösen Lebensstil investierte, bei dem die Küche im Mittelpunkt stand.
Nur drei Mal soll Rossini geweint haben im Leben: als er Paganini geigen hörte, eines seiner Werke beim Publikum durchfiel und als ihm ein getrüffeltes Huhn versehentlich in den Genfer See gefallen war. Rossini-Biografien von Richard Osborne und Herbert Weinstock hatte Wilgenbus für seine Lesung über den „Schwan von Pesaro“, wie die Zeitgenossen Rossini nannten. zu Rate gezogen. Auch die anekdotenhafte Biografie Stendhals von 1842 nutzte er ausgiebig, um den Gourmet Rossini vorzustellen.
Ein lange nicht abebbenden Applaus schlug den Künstlern im Finale entgegen. Zu Recht, denn die Aufführung gehörte zu den Höhepunkten des Pirmasenser Kulturkalenders.