Pirmasens Ein Herz voller Kinder

„Ich kann noch so platt sein ? wenn die Kinder da sind, bin ich fit“, erzählt Anneliese Rether.
»Ich kann noch so platt sein ? wenn die Kinder da sind, bin ich fit«, erzählt Anneliese Rether.

Wenn Anneliese Rether über Kinder spricht, fühlt man, wie ihr Herz aufgeht. Sie weiß, wie es in vielen Familien aussieht, hat aber in ihren knapp 20 Jahren bei der Regenbogen-Kinderhilfe gelernt, dass sie in den Familien wenig bewirken kann, eher bei den Kindern. „Wir können dafür sorgen, dass es ihnen hier bei uns gutgeht. Vielleicht kriegt man dann den einen oder anderen da raus.“ Mit „da“ meint Rether ein Umfeld, in dem häufig Ziele fehlten, private wie berufliche. „Ich mach’s wie Papa, ich leg’ mich auf die Couch“, antworteten manche Kinder auf die Frage, was sie denn später mal arbeiten wollen. Die Regenbogen-Kinderhilfe besucht mit den Kleinen verschiedene Handwerker, auch mal einen Pizzabäcker oder ein Wasserwerk. Rether arbeitet eigentlich bei der Firma Kamp in Waldfischbach-Burgalben; „eigentlich“, weil viele Menschen glauben, die Regenbogen-Kinderhilfe sei ihr Beruf, dabei ist es ein Ehrenamt. Heute ist sie dort unverzichtbar, wie ihr Partner Gerhard Gundlach betont. „Sie ist der ruhende Pol und hält alles zusammen. Der Verein hat ihr viel zu verdanken.“ Wenn sie in Rente ist, will Rether sich noch mehr im Verein einbringen. „Arbeit hält jung.“ Auch die Kinder halten jung. Rether genießt es, mit ihnen zu kochen, zu spielen, Zeit zu verbringen. „Ich kann noch so platt sein − wenn die Kinder da sind, bin ich wieder fit“, spricht sie lachend von einem „Energieschub“. Die Arbeit mit Kindern „kann ich nur jedem empfehlen“. Bis zu 25 Kinder nutzen zweimal wöchentlich die Angebote in der Erlenbrunner Straße. Sie kommen aus Erlenbrunn und Fehrbach, aber auch aus dem Umland. „Es gibt überall Kinder, die Hilfe nötig haben, nicht nur in Pirmasens“, betont Rether. Manchmal sei es jedoch gar nicht so leicht, die Eltern zu überzeugen. Gerade alleinerziehende Mütter bräuchten oft lange, bis sie Vertrauen fassen. Der Verein, dem Gundlach vorsteht, betreut nach seinen Worten in erster Linie Kinder von Alleinerziehenden, Arbeitslosen und Geringverdienern. „Bei den Leuten ist noch nicht angekommen, dass jeder zu uns kommen kann“, verweist er auf Spielhaus und Bistro des Vereins, die donnerstags bis sonntags geöffnet sind, für jedermann. Seit November 2006 hat der Verein, der 545 Mitglieder zählt, ein Domizil in Pirmasens; seine Anfänge liegen in Waldfischbach-Burgalben. „Damals gab’s die Tafel noch nicht, da hat häufig Essen gefehlt. Wir haben Pakete mit Essen geschnürt und die nach Feierabend zu den Familien gebracht“, erinnert sich Rether. Bis heute sei der Alltag in vielen Familien schwierig. Manche Kinder erlebten sexuelle Übergriffe und Gewalt in der Familie. Einige fühlten sich als Beschützer ihrer Mutter, andere würden von der Mutter zurückgelassen, wiederum andere suchten ein Leben lang den Vater. „Vieles kann man sich überhaupt nicht vorstellen“, sagt Rether. „Das sind arme Kinder.“ Unterstützung bietet der Verein auch mit seinem Patenmodell. Seit 2005 wurden 50 Patenschaften abgeschlossen; 22 laufen derzeit. Die Mehrheit der Paten unterstütze die Patenkinder finanziell, andere kämen auch vorbei, berichtet Rether. „Wir haben da tolle Leute dabei“, aber auch hier sei es manchmal schwierig, das Vertrauen der Eltern zu gewinnen. Die Paten zahlen Geld aufs Sparbuch der Kinder, helfen ihnen beispielsweise, irgendwann den Führerschein zu bezahlen oder Möbel für die erste eigene Wohnung. Wichtig bei alldem: Das Geld gehört den Kindern, nicht den Eltern. Rether betont nochmals: „Es geht nur um die Kinder.“ Ein Motto, das auch im Jubiläumsjahr des Vereins gilt, der 2018 auf 25 Jahre zurückblickt. Statt eines großen Festakts für Erwachsene gibt es mehrere Veranstaltungen übers Jahr für die Kinder. Wie viele Vereine hat die Regenbogen-Kinderhilfe Sorgen, wie es weitergeht, wenn die jetzigen Ehrenamtlichen sich zurückziehen. „Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt“, sagt Gerhard Gundlach am Ende des Sommergesprächs einen Satz, der nachdenklich stimmt. „Und doch braucht es hier Vereine wie uns.“

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