Pirmasens Ein Gehen und Kommen am Leibniz
„Wer Wahrheit sucht, der darf nicht die Stimmen zählen“. Der Satz von Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz, Namensgeber des Pirmasenser naturwissenschaftlichen Gymnasiums, war auf der großen Leinwand im Kuppelsaal der Alten Post präsent bei der Verabschiedung von Schulleiter Dieter Kallenbach. Aber wer gestern die Stimmen zählte, konnte der Wahrheit, wie Kallenbach war, durchaus nah kommen. Kallenbach wurde von den Festrednern, den Stimmen auf der Bühne, über den grünen Klee gelobt. Hans Beckmann, Staatssekretär im Mainzer Bildungsministerium und langjähriger Wegbegleiter Kallenbachs, lobte die „klare pädagogische Vorstellung“ des Ruheständlers und erinnerte an die für Lehrer schwierigen 80er Jahre, als selbst Mathematik- und Physiklehrer Schwierigkeiten hatten, nach dem Referendariat eine feste Stelle zu bekommen. Kallenbach habe eine Elf-Stunden-Stelle am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium abgelehnt und sei als Programmierer zu einer Bank nach Frankfurt gegangen. „Die Schule hatte ihn schon fast verloren“, sagte Beckmann. Fast. Denn vier Jahre später, im Jahr 1988, wechselte Kallenbach als Lehrer an ein Gymnasium nach Trier. „Es gibt Wichtigeres im Leben als die Renditeerwartungen zu maximieren“, begründete Kallenbach gestern seinen Abschied aus der Bankenwelt. Die Stelle am Leibniz wird nahtlos besetzt. Staatssekretär Beckmann ernannte Thomas Mohr, seit fünf Jahren bereits Stellvertreter Kallenbachs, gestern zum kommissarischen Leiter des Gymnasiums. „Mit Thomas Mohr wurde der richtige Nachfolger gefunden, er wird dem Leibniz-Gymnasium guttun“, meinte Vorgänger Kallenbach. Dem wiederum hatte Mohr zuvor bescheinigt, unaufgeregt und mit der notwendigen Gelassenheit, aber auch mit der nötigen Klarheit die Schule zehn Jahre lang durch lebhafte Zeiten geführt zu haben. Oberbürgermeister Bernhard Matheis sagte, er habe Dieter Kallenbach als einen Mensch mit Standpunkt und klarer Orientierung erlebt, der die Schule von den Schülern her gedacht habe. Schulelternsprecher Stephan Preiß lobte die Weiterentwicklung des Gymnasiums unter Kallenbach sowohl in der Kunst als auch in der Wissenschaft. „Es waren sehr gute Jahre für unsere Schule“, sagte er. Die Schülervertreter Jan Peter und Elisa Hellmuth bescheinigten ihrem Direktor, sie als Sprachrohr der Schülerschaft respektiert und ernstgenommen zu haben. Nicole Jacoby und Christine Gottert vom Personalrat der Schule hoben hervor, dass die Tür zum Schulleiterbüro immer offen stand, „so offen wie Sie waren“. Ein Grußwort sprach auch Andrea Meiswinkel von der Direktorenvereinigung Westpfalz, einer „Selbsthilfegruppe“ für Schulleiter, wie Kallenbach scherzhaft anmerkte. Und Kallenbach selbst? Der machte nicht allzu viel Aufhebens um seinen Abschied, lieferte aber eine bemerkenswerte Beschreibung für seine Spezies. „Keine Kollegen der Welt brauchen einen Schulleiter, der ihnen sagt, wie Unterricht geht.“ Der Schulleiter müsse vielmehr darauf achten, dass am Ende alles zusammenpasst. Mitgestaltet wurde der Festakt gestern vom Schulorchester unter der Leitung von Beate Vehling, der Tanzgruppe der 10 A (Marlene Theimer) und der Band LG Project (Lena Knörzer).