Pirmasens Ein Eingang für den Landgrafen

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Die Stadtführung „In Gottes Hand“ mit Gästeführerin Ursula Neubauer begann am Samstagnachmittag vor der Johanneskirche, die bis in die 50er Jahre nur „die obere Kirche“ hieß. Erbaut wurde sie in der Landgrafenzeit als reformierte Kirche auf Initiative von Generalmajor Johann Wilhelm de Grandfil (1707 – 1766), der ein Anhänger des strengen Reformators Calvin in Genf in der Schweiz war.

Calvin glaubte, dass von Gott vorherbestimmt sei, ob ein Mensch ein gutes Leben hat oder nicht. Aber man könne selbst etwas tun und fleißig, tüchtig und erfolgreich sein und dann ruhe Gottes Segen auf einem. Während der Revolutionszeit diente die Kirche als Lager und Pferdestall. Im Bombenhagel 1944 zerstört, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Einige Steine am Turm tragen noch Steinmetzzeichen aus der alten Kirche. Grandfil, der Initiator der Kirche, wurde mit seinen beiden Kindern, die nur ein beziehungsweise drei Jahre alt wurden, in ihr begraben. Daran erinnert ein Gedenkstein am ehemaligen Seiteneingang. Es wurde jedoch kein Grab gefunden. Eine Anekdote erzählt über Pfarrer Feigel, er habe beim Leichenschmaus und anderen Festlichkeiten immer gesagt: „Ach, habt ihr guten Kuchen. Den würde meine Frau auch gerne essen“, woraufhin er ein Kuchenpaket erhielt. Nachgesagt wird ihm auch der Ausspruch: „Alle Menschen müssen sterben und vielleicht auch ich.“ Im Innern der Kirche sorgen heute eine Holzdecke und die Empore aus Holz für eine gute Akustik für Chöre. Auffällig ist die Orgel mit den Orgelpfeifen im Chorraum hinter dem Altar, anstatt auf der Empore. Die Fenster schmücken bunte Bilder und Texte aus der Bibel, von Calvin und Zwingli. Weiter ging es zur katholischen Kirche St. Pirmin, die auf dem Areal der 1806 oder 1808 abgerissenen Exerzierhalle steht. Mit ihren Steinen war dort zur Zeit Napoleons eine kleine Kirche namens St. Anton errichtet worden, berichtete die Gästeführerin. Paul Josef Nardini, der im Jahr 1851 als Pfarrer nach Pirmasens kam, wollte aber eine Pirminiuskirche, die schließlich in den Jahren 1897 bis 1900 erbaut wurde. Bei den Bombenangriffen 1944 und 1945 wurde sie zerstört und nach dem Krieg bis 1956 wieder aufgebaut. Vor der Kirche steht eine Pirminiusstatue. Den Eingangsbereich ziert eine Darstellung von Christus als guter Hirte unter einem Baldachin und über den Türen Darstellungen der Opferung Isaaks durch Abraham und vom verlorenen Sohn. Im Inneren ist es heute eine neugotische Hallenkirche mit drei Schiffen. Nur die vier Halbsäulen am Chor und neben der Empore sind noch alt. In zwei Schreinen werden das Haupt des Pirminius und ein Knöchelchen von Nardini als Reliquien aufbewahrt. Sehenswert ist der plastisch gestaltete Kreuzweg. In der Nardini-Kapelle gegenüber befindet sich das Grab von Paul Josef Nardini (1821 – 1862), der im Jahre 2006 seliggesprochen wurde. Er war Pfarrer, Dekan und Schulinspektor, zuständig für Pirmasens und 22 Dörfer und gründete den Orden der „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“, deren Schwestern sich um die notleidenden Kinder und Waisenkinder kümmerten. Den Turm der Lutherkirche krönen Löwe und Schwan, die Wappen von Hessen-Darmstadt und Hanau-Lichtenberg. Sie wurden erst im Jahre 1960 durch einen Hubschrauber der Amerikaner angebracht. Den Haupteingang ziert das Wappen des Landgrafen Ludwig IX. und weist sie damit als Hof- und Garnisonskirche aus – der Landgraf war Lutheraner. Für den Reformator Martin Luther war allein der Glaube entscheidend für das Leben im Jenseits, nicht gute Taten. An ihrer Stelle befand sich bereits im 12. Jahrhundert die Kapelle St. Juliana, die mehrmals baufällig war. Die Garnisonskirche wurde bei den Bombenangriffen 1944 und 1945 total zerstört. Beim Wiederaufbau in den Jahren 1947 bis 1949 wurde sie gänzlich umgestaltet. Der heutige Haupteingang war zur Landgrafenzeit dem Landgrafen vorbehalten und führte zu seiner Loge auf der Empore gegenüber dem Altar. Im heutigen Altarbereich befindet sich das Grab Ludwig IX.; er wurde nach einem Einbruchversuch umgebettet und 1949 wieder in seiner Kirche bestattet. Aus der Landgrafenzeit stammen noch ein rotes samtenes Altartuch mit dem Wappen des Landgrafen und goldenen Franzen sowie alte Schalen und Kelche. Das auf das Jahr 1762 datierte Altartuch wurde in den Jahren 2004 bis 2005 für 10.000 Euro restauriert.

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