Pirmasens
Ein außergewöhnlicher Gast in der Jugendherberge
Begonnen hat alles am 15. August 1973 mit der Übernachtung in einer Jugendherberge am Comer See. Damals war Walter Tiroke noch bei der Bundeswehr, das Geld knapp. Dementsprechend kam für den Urlaub mit einem Freund nur eine Jugendherberge oder das Übernachten im Freien in Frage. Tiroke hat sich für die Jugendherberge entschieden – und es bis heute nicht bereut. Was vor knapp 50 Jahren aus einer Not heraus begonnen hat, ist mittlerweile eine Passion geworden. Überall, wo es geht, übernachtet der Rentner in einer Jugendherberge. Im Vordergrund steht für ihn dabei der „Jugendherbergsgedanke, dass man immer aufgenommen wird, wenn man einen Ausweis hat.“ Das Gefühl, völlig durchnässt um kurz vor zehn endlich eine Herberge gefunden zu haben, könne man sich nicht vorstellen.
2460 Übernachtungen in 51 Ländern
So sind bis Ende 2021 bemerkenswerte 2460 Übernachtungen in 1203 verschiedenen Jugendherbergen zusammen gekommen – in 51 unterschiedlichen Ländern. Das weiß der ehemalige Beamte der Stadt München ganz genau, denn er führt beinahe über alles eine Liste. Dadurch weiß er unter anderem auch, dass er auf seinen Reisen schon knapp 400.000 Kilometer mit dem Rad, seinem bevorzugten Fortbewegungsmittel, zurückgelegt hat.
Ein Jubiläum hätte er aufgrund der großen Datensammlung jedoch beinahe vergessen: Die Pirmasenser Jugendherberge ist die 1000 Jugendherberge, in der er in Europa übernachtet. Insgesamt fünf Nächte hat Tiroke in der Jugendherberge gebucht, um mit seiner Lebensgefährtin Heidi Marie Solleder Pirmasens und die Region zu erkunden. „Die Zimmer sind hier eine Wucht, das ist ja eher ein Edelhotel“ lautet Tirokes Urteil. Besonders von der großen Essensauswahl zeigt er sich begeistert. „Das hat sich ganz schön verändert im Vergleich zu früher, die Auswahl ist mittlerweile riesig“, sagt Tiroke.
„Ich habe schon alles gesehen“
Nach dem Besuch in Pirmasens fehlen ihm nun nur noch zwei Jugendherbergen, um in allen 40 Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland übernachtet zu haben. „Mir geht es aber nicht darum, einfach nur Jugendherbergen abzuhaken. Mir geht es um die Natur, die Kultur und natürlich um die Menschen“, betont der Weltenbummler.
Die meiste Zeit reist er bewusst alleine. Das habe ihn in seiner Entwicklung stark vorangebracht: „Früher war ich sehr schüchtern, beim alleine Reisen muss man sich entweder öffnen oder man geht unter. Ich habe mich für Ersteres entschieden“, berichtet Tiroke. Auf diese Weise habe er schon viele spannende Bekanntschaften gemacht – und so einiges erlebt. Dazu zählt unter anderem eine Übernachtung im Haus eines Bürgermeisters in Myanmar, eine Fahrt auf dem Dach eines Zuges im Sudan oder auch eine Nacht in einem ehemaligen Gefängnis. „Ich habe schon alles gesehen, von Jugendherbergen, in denen es in den Toiletten kein Wasser gab bis hin zu richtigen Luxuszimmern“, erzählt Tiroke.
Was die Pfalz besonders macht
Zu seinen Lieblingsreisezielen gehören Peru, Bolivien und Ecuador, aber auch in Deutschland weiß er die Natur und Kultur zu schätzen. Besonders begeistert ist er von den Burgruinen der Region. Außerdem sei Rheinland-Pfalz das Bundesland, „das am besten geführt wird“.
Wenn Tiroke nicht gerade unterwegs ist, kümmert er sich um sein kleines Häuschen mit großem Garten in München. „Das ist ein Paradies“, schwärmt Tiroke. Er betont: „Ich bin unterwegs, obwohl ich ein erfülltes Privatleben habe.“
Früher habe er sich als Ziel gesetzt, in mindestens 25 neuen Jugendherbergen im Jahr zu übernachten. Mittlerweile sieht er das nicht mehr so streng. Ein Blick auf seine Statistik zeigt jedoch, dass dieser Richtwert immer noch aktuell ist. Langweilig ist es dem Rentner jedenfalls noch nicht geworden, im Gegenteil: Es gibt noch einiges, was er sehen möchte.