Pirmasens Ein 13-Jähriger soll es gewesen sein

Rußflecken an der Hauswand erinnern an die Brandnacht.
Rußflecken an der Hauswand erinnern an die Brandnacht.

Damit hätten wohl die wenigsten gerechnet: Für den Brand, bei dem in der Winzler Straße am Dienstag vergangener Woche 17 Tiere ums Leben kamen, soll ein Kind verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken teilte auf Anfrage mit, dass ein 13-Jähriger die Tat eingeräumt habe.

Als die Feuerwehr am 22. Januar gegen 19 Uhr an dem Haus in der Winzler Straße eintrifft, quillt bereits Rauch aus den großen Scheiben im Erdgeschoss des Anwesens. Elf Bewohner des Mehrfamilienhauses können das Gebäude eigenständig verlassen. Drei weitere muss die Feuerwehr mit der Drehleiter aus dem Haus holen, um ihr Leben zu retten. Für acht Vögel, zwei Katzen, sechs Mäuse und ein Chinchilla kommt allerdings jede Hilfe zu spät. Sie sterben in den Rauchwolken. Um drei weitere Katzen, zwei Chinchillas und drei Kaninchen kümmert sich im Anschluss das Pirmasenser Tierheim. Menschen werden bei dem Feuer nicht verletzt. Der ganze Vorfall bietet einige Ungereimtheiten. Zunächst berichten Polizei und Feuerwehr nur von dem Brand. Auf Nachfrage räumt die Polizei ein, dass sie kurz vor dem Feuer schon einmal in dem Haus war. Der Grund: Ein 68-jähriger Bewohner geriet in Streit mit anderen Bewohnern und zückte eine Waffe. Die entpuppt sich dann jedoch als Schreckschusswaffe. Die Beamten stellen sie sicher. Ob ein Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und dem Feuer besteht, bleibt zunächst unklar. Brandermittler des Landeskriminalamtes schauen sich den Ort des Geschehens am Donnerstag an. Auch ein Brandmittelsuchhund wird eingesetzt. Ein technischer Defekt wird anschließend ausgeschlossen. Die Polizei erhofft sich von der Analyse von Proben des Brandschuttes weitere Erkenntnisse. Aber die Brandursache bleibt zu diesem Zeitpunkt noch offen. Dann sind die Ermittler offenbar auf einer neuen Fährte. Sie bitten um Hinweise auf einen Mann, der an besagtem Dienstag bei dem 68-Jährigen nachmittags ein Kaninchen gekauft hatte. Dieser Handel steht wohl in Verbindung mit der Tat. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken informierte gestern auf Anfrage, dass Zeugenhinweise auf ein Kind eingegangen sein. Bei einer Anhörung habe der 13-Jährige eingeräumt, das Feuer gelegt zu haben. „Zum Tatmotiv liegen mir derzeit keine Erkenntnisse vor“, sagt die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt. Den Ermittlern seien bislang keine Verbindungen des Kindes zu dem 68-Jährigen oder zu sonstigen Bewohnern des Anwesens bekannt. Der Junge habe auch nicht in dem Mehrfamilienhaus in der Winzler Straße gewohnt. Der 13-Jährige sei nach eigener Aussage mit seinem Vater und einer weiteren männlichen Person in dem Tierladen gewesen, um dort ein Kaninchen zu kaufen. Das Kind habe gegenüber der Polizei angegeben, den Brand an den Mülltonnen gelegt zu haben, so die Leitende Oberstaatsanwältin Weingardt. Das zuständige Jugendamt sei zwischenzeitlich in das Geschehen involviert. Der 13-Jährige befinde sich mittlerweile in einer Klinik. Die Ermittler überprüfen laut Weingardt derzeit die Darstellung des Jungen. Selbst wenn dessen Aussagen der Wahrheit entsprächen, müsste er trotzdem keine strafrechtlichen Folgen befürchten. Weil er noch keine 14 Jahre ist, gilt er als strafunmündig. Hinweise für eine Tatbeteiligung des 68-jährigen Tierhändlers gebe es derzeit nicht, informierte die Staatsanwaltschaft in Zweibrücken gestern. Dafür ermittelt sie nun gegen den Vater des Kindes wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Mann soll die Brandlegung nämlich bemerkt und nach einem erfolglosen Löschversuch den Brandort verlassen haben, ohne Polizei oder Feuerwehr zu informieren. Wer der andere Mann war, der ihn und seinen Sohn begleitet hatte, sei noch unbekannt.

Als die Feuerwehr eintrifft, quillt bereits Rauch aus den Fenstern des Anwesens.
Als die Feuerwehr eintrifft, quillt bereits Rauch aus den Fenstern des Anwesens.
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