Pirmasens
Ehemaliges Postgelände: Große Pläne, nichts dahinter
Große Pläne hatten der Hütschenhauser Hans Kennel und sein Projektentwickler Patrick Buch für Pirmasens und Homburg. Mit der Firma Energiebau Ramstein sollten in Homburg 32 Wohnungen entstehen. Über eine Bank wurden 600.000 Euro von Privatanlegern mit dem Zinsversprechen von sechs Prozent eingesammelt, allerdings auch mit dem Risiko des Totalverlusts. Den gab es dann auch im März 2020, als die Energiebau Ramstein Insolvenz beantragte. Kennel hoffte noch auf eine „Rekapitalisierungsphase“, was jedoch nicht der Fall war. „Wir haben keine Interessenten gefunden“, so Kennel. Die Energiebau Ramstein ist inzwischen abgewickelt. Bei Buch handelt es sich im übrigen um denselben Projektentwickler, der mit anderen Geschäftspartnern das Schuhstadt-Projekt auf dem Kaufhallen-Areal verwirklichen wollte.
Von der Insolvenz nicht betroffen war die für die Projekte im Schachen und am Sommerwald gegründete Energiebau Pirmasens. 2017 gaben Kennel und Buch die Pläne für 13 Bungalows im Niedrigenergiebereich bekannt. 80 Prozent weniger Energie als sonst üblich sollten die Häuser verbrauchen. Das frühere Postareal mit rund 6000 Quadratmetern Fläche sowie Flächen, die derzeit noch als Parkplatz genutzt werden, wurden von der Energiebau Pirmasens gekauft. Allerdings mit der Bedingung, dass innerhalb kurzer Zeit auch gebaut werden muss.
Solarziegel und Windturbinen
Die Pläne für den Schachen klangen sehr verlockend. Solarzellen sollten bereits in die Dachziegel integriert werden um entsprechend viel Solarstrom produzieren zu können. Dazu setzten Kennel und Buch auf kleine Windkraftwerke an den Häusern. Eine Geothermieheizung sollte aus einer Tiefe von 30 Metern die Wärme für die Häuser holen. Solche Solarziegel gibt es wirklich, allerdings bezweifeln Experten die Sinnhaftigkeit, da der Installationsaufwand extrem höher als mit üblichen Solaranlagen sein soll. Die von Kennel geplanten Windturbinen, kleine Windräder, haben sich bisher auch nicht durchgesetzt.
Ein Jahr später kaufte die Energiebau Pirmasens noch das Gelände des früheren Wasgau-Markts am Sommerwald mit der Adresse „In den Eichen“. Hier sollten zehn Wohnungen und zwei Häuser entstehen, auch mit viel Solar, Wärmepumpen und Windkraftwerken.
Fristen nicht eingehalten
Das Gelände „In den Eichen“ wurde 2020 schon an die Firma Lutz-Bau verkauft, die dort zügig Einfamilienhäuser realisierte, ganz unabhängig von der Energiebau Pirmasens.
Die Stadtverwaltung hatte mit Kennel – der Projektentwickler Buch war zu diesem Zeitpunkt längst ausgestiegen aus der Energiebau Ramstein sowie der Pirmasenser Energiebau – noch viel Geduld. Kennel klagte trotzdem, dass die gesetzten Fristen schwer einzuhalten seien. Die Stadt hatte eine Entwicklungsverpflichtung vereinbart und damit eine Frist gesetzt, bis zu der das Gelände baureif gemacht werden muss.
„Diese Frist wurde nicht eingehalten, weshalb die Stadt vom Wiederkaufsrecht Gebrauch gemacht hat“, teilte Lisa Klug von der Pressestelle der Stadtverwaltung mit. Solche Klauseln in Grundstückskaufverträgen pflegt die Stadt seit längerem, um zu vermeiden, dass Spekulanten Grundstücke kaufen und ewig unbebaut liegen lassen. Die Energiebau Pirmasens befindet sich derzeit in Liquidation, wie von Kennel zu hören ist.
Neuer Käufer gesucht
Jetzt ist das Gelände wieder zu haben. Die Stadt hat ein Mindestgebot von 60.000 Euro gesetzt. Verkauft wird an den Höchstbietenden, allerdings erwartet die Stadt auch in puncto Energieeffizienz und Klimaschutz entsprechende Konzepte des Käufers. Laut Exposé sollen unter anderem die Fenster der Häuser zur Sonne ausgerichtet werden und eine gegenseitige Verschattung vermieden werden. Wie bei der Energiebau Pirmasens kündigte die Stadt für den nächsten Käufer auch an, dass in zwölf Monaten Baureife vorliegen müsse und nach 36 Monaten das Projekt umgesetzt sein sollte. Das alles soll in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden.
Bei dem Gelände handelt es sich um einen früheren Standort der Deutschen Post, die seit 1975 dort zu finden war. Wer davor auf dem Gelände war, ist nicht mehr zu ermitteln, weshalb die Stadtverwaltung im Exposé auch vor unbekannten Altlasten auf der Fläche warnt. Unter anderem sei bekannt, dass in einem Teilbereich Brandschlacken aufgefüllt wurden. Die Post betrieb dort eine Kfz-Wartungshalle mit Autowaschplatz und Tankstelle, passend zum Kraftpoststandort auf der anderen Straßenseite, in dem nun CVJM und Sondereinsatzgruppe (SEG) residieren. 2005 gab die Post den Standort auf. Seitdem steht die Fläche leer.