Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Eckhaus an der Fröhnstraße: Einsturzgefahr lässt Kosten explodieren

Die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen am Eckhaus Schäfer-/Fröhnstraße haben sich fast verdoppelt.
Die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen am Eckhaus Schäfer-/Fröhnstraße haben sich fast verdoppelt.

Während der Bauarbeiten tauchten böse Überraschungen auf: Fast den doppelten Betrag wie geplant muss die Stadt in die Sicherung des Eckhauses Schäfer-/Fröhnstraße stecken.

Von Guido Glöckner

„Wenn im Bestand gebaut wird, läuft nicht immer alles nach Plan. Das passt auch hier.“ Mit diesen Worten begann Sebastian Libal, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, im Pirmasenser Stadtrat die Begründung für die enorme Kostensteigerung. Als in den letzten Apriltagen dieses Jahres die Bauarbeiten begannen, ging das Gebäudemanagement noch von Kosten von 210.000 Euro aus. Nun sind 177.500 Euro zusätzlich hinzugekommen, weshalb der Stadtrat einstimmig die Vergabeermächtigung um diesen Betrag aufstockte.

Zuvor ging Libal noch einmal auf die Vor- und Baugeschichte ein: Auslöser der Sicherungsarbeiten an dem Sandsteingebäude war ein Wasserschaden beim Nachbarn, dessen Ursprung in dem schmalen städtischen Gebäude lag. Die Stadt musste handeln. Ein Abriss kam wegen des Denkmalschutzes und stadtbildprägenden Charakters des Eckhauses nicht in Frage. Also ging es um die Sicherung der Außenmauern und den Bau eines Ersatzdaches. Denn das ursprüngliche Mansardendach war baufällig und nicht mehr zu retten, betonte Libal, gleichzeitig mussten baufällige Innendecken und -wände entfernt werden.

Wand zu Nachbargebäude einsturzgefährdet

Weil nicht nur das Mansardendach einsturzgefährdet war, sondern auch das Innenleben des Eckgebäudes desolat und nicht mehr zu betreten war, so der Leiter des Gebäudemanagements, fanden die Baufirmen und die Stadt als Auftraggeber immer wieder neue unangenehme Überraschungen vor. Dazu gehörte vor allem die tragende Wand zum Nachbargebäude: „Was wir da sahen, hatten wir nicht erwartet. Die Wand aus einer Mischung von Fachwerk und Mauerwerk war massiv einsturzgefährdet.“ Dadurch seien auch die Fassadenwände aus Sandstein nicht mehr sicher gewesen. Um das Gebäude überhaupt retten zu können, musste eine ursprünglich nicht vorgesehene neue Decke im zweiten Obergeschoss eingezogen werden, um alle Außenwände zu stabilisieren – sie wurde schon für eine spätere Nutzung gestaltet. Hinzu kamen weitere statische Ertüchtigungen an den Wänden und aufwendigere Arbeiten am Ringanker. All diese Zusatzarbeiten zusammen haben die Zusatzkosten verursacht.

Die gute Nachricht: Die Sicherungsarbeiten gehen dem Ende zu, in diesem Monat noch sollen sie abgeschlossen, das Gerüst abgebaut und die Fröhnstraße frei gegeben werden – fünf Monate nach dem ursprünglich geplanten Bauende. Zu Baubeginn waren die Bauarbeiten lediglich auf sechs Wochen veranschlagt, nun ist es mehr als ein halbes Jahr geworden.

Gebäude zu klein für städtische Nutzung

Wie es mit dem Eckgebäude weitergeht, wollte SPD-Stadtratsmitglied Gerhard Hussong wissen. Bürgermeister Michael Maas erinnerte daran, dass er schon vor den Sicherungsarbeiten Gespräche geführt habe mit Investoren, die Spaß an der Sanierung und Rettung solch historischer Bausubstanz haben. Eine städtische Nutzung des Gebäudes sieht der Bürgermeister nicht, weil das Eckhaus lediglich eine Nutzungsfläche von 40 Quadratmetern in jeder seiner drei Etagen bietet. Sein Ziel ist eine private Nutzung.

Kritik übte das Grünen-Stadtratsmitglied Annette Sheriff an der Arbeitssicherheit auf der Baustelle. Sie habe mehrmals im Vorbeigehen festgestellt, dass ohne Helm, Schutzmaske und Handschuhen gearbeitet wurde. Libal bestätigte, dass auch das städtische Gebäudemanagement solche Verstöße festgestellt habe und bei den Auftragsnehmern moniert habe. Bei einer Kontrolle sei dann nachgebessert worden.

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