Pirmasens Drei Sprachen, zwei Stimmen, eine Gitarre
Mit einer wahren Charme-Attacke und der gehörigen Portion Chuzpe hat das Duo „Yannisha“ mit der Saarbrücker Sängerin Anisha Ehrbacher un d dem Lothringer Yann Loup Adam am Freitag im ausverkauften Pirmasenser Café Pünktchen und Anton ihr Publikum im Sturm erobert. Das Paar überzeugte mit seiner Formel „drei Sprachen, zwei Stimmen, eine Gitarre“ auf der ganzen Linie.
Bei Lichte besehen ist das Erfolgsrezept aber ein ganz anderes: Man braucht zwei sympathische junge Menschen mit beträchtlichem musikalischen Talent und einer natürlichen Leidenschaft für die Bühne; auf Anisha Ehrbacher und Yann Loup Adam trifft das in hohem Maße zu. Fleißige Konzertgänger können buchstäblich ein Lied davon singen, wie öde ein noch so gut gespieltes Konzert werden kann, wenn den Künstlern die nötige Bühnenpräsenz fehlt. Das sind dann die Abende, wo man hofft, dass ja niemand im Publikum – und sei es nur aus Höflichkeit – um eine Zugabe bittet. Aber Anisha Ehrbacher und Yann Loup Adam sind zum Glück längst ausgebuffte Bühnenprofis, die zudem auch Abseits von Bühne, Aufnahmestudio und Probenraum ein Paar sind. Genüsslich spielen die beiden mit Pärchen-Klischees, liefern sich kleine, freche Kabbeleien und sind unvermittelt hochkonzentrierte Musiker, die in jedem Moment ganz genau wissen, was sie tun. Auch dann, wenn Yann Loup Adam – das hat er unübersehbar von seinem Papa Marcel Adam geerbt – das Publikum ein bisschen auf den Arm nimmt. Zum Beispiel, wie viel vom Text von Joe Dassins „Aux Champs-Élysées“, dessen Refrain in Deutschland gerne mitgesungen wird, tatsächlich haften geblieben ist. Adam weiß, was er tut. Und doch hatte der Abend zur Freude des Publikums auch ein Element der Anspannung. Anisha Ehrbacher und Yann Loup Adam, die ja sonst in ihrer weit stärker besetzten Band „Mama Said“ – zwischen Trio und Quintett – auf die Bühne gehen, hatten im Pünktchen und Anton neben ihrem üblichen Repertoire auch neue Lieder von Ehrbacher im Programm, die im März auf CD erscheinen. Die sind oft in Kooperation der beiden entstanden mit Texten von Ehrbacher und den Harmonien von Adam auf der Gitarre. Die Titel heißen „Beute aus Gold“ oder „In einem anderen Leben“ und gehören zu Liedern mit aufrichtigen, sehr persönlichen Texten und einer schlüssigen Musik mit zeitgemäßem Pop-Appeal, die in Pirmasens zum ersten Mal öffentlich zu hören waren. Schade, die Auswahl hätte größer sein dürfen. Schließlich ist das Neue, Originäre, noch Unerhörte allemal spannender als eine noch so gut gespielte Version von „Valerie“. Aber ansonsten hält der Spielzettel des Duos eine kluge Balance zwischen Gassenhauern wie „Jolene“ oder „The Rose“, der ein oder anderen Westernhagen-Nummern, Stings „Fields Of Gold“, freilich eher an Eva Cassidy angelehnt, Bob Dylans „Make You Feel My Love“ in der Manier von Adele und in Deutschland weniger bekannten Chansons wie „Je l`aime à mourir“ von Francis Cabrel. Dazu Schlitzohriges wie Danyel Gérards plattes, aber untötbares „Butterfly“. Ein tolle Entdeckung für das Publikum war auch die bezaubernde Stimme von Ehrbacher, die ansatzlos zwischen Rock-, Pop-, Jazz- und Chanson-Stilen wechseln kann und ihre beträchtlichen Tonumfang mit einem warmen Fond grundiert. Das harmoniert prächtig mit der wandlungsfähigen Stimme von Adams, der auch höhere Lage bedienen kann und selbst über ein sehr tiefes Register verfügt. Zudem ist er ein versierter Gitarrist, der es sich leisten kann, auf Demonstrationen seines Könnens zu verzichten und sich ganz auf seine wirkungsvollen wie songdienlichen Arrangements beschränkt.