Pirmasens
Ditib: In welchem Verhältnis eine Stadtratskandidatin zu dem Verband steht
Akgül Yazici kandidiert zwar nur auf dem drittletzten Platz der CDU-Liste für den Pirmasenser Stadtrat. Die 45-Jährige sorgt jedoch wegen ihrer Nähe zum türkischen Religionsverband Ditib für bundesweite Schlagzeilen. Das für teils sehr skurrile Meldungen bekannte Nachrichtenportal „Nius“ etwa vermeldet diese Woche, dass die CDU in Pirmasens eine Ditib-Funktionärin zur Wahl aufgestellt habe. „Das bin ich nicht“, betont hingegen Akgül Yazici auf Anfrage. Nius wird von dem früheren Bild-Chefredakteur Julian Reichelt betrieben und allgemein als rechtspopulistisch eingeordnet.
Das Nachrichtenportal bezieht sich für die Behauptung, dass Yazici eine Ditib-Funktionärin sei, auf Berichte in der RHEINPFALZ von 2020 und aus diesem Jahr. Vor vier Jahren wurde über Yazicis Wahl zur Vorsitzenden des Migrationsbeirats berichtet und dabei vermerkt: „Die angehende Krankenschwester engagiert sich in der türkisch-islamischen Gemeinde Pirmasens (DITIB).“ Von einer Funktionärin war dabei nicht die Rede. In einem Artikel aus dem laufenden Jahr zu einer Veranstaltung im Rahmen des Ramadan vor der Johanneskirche war ebenfalls kein Wort zu lesen, dass die Pirmasenserin in einer Funktion für Ditib aktiv sei.
Es gab Meinungsverschiedenheiten
Die Betroffene betont auf Anfrage, dass sie Ende 2020 bei Ditib als normales Mitglied ausgetreten sei. „Wegen Meinungsverschiedenheiten“, so ihre Begründung. Davor sei sie für den Dialog zwischen den Religionen in Pirmasens zuständig gewesen. Aktuell habe sie noch Kontakt zu der Ditib-Moschee am Exerzierplatz, sehe sich aber nur als Vermittlerin. Das Zusammenleben der Religionen sei ihr ein besonderes Anliegen geblieben. „Judentum, Christentum und der Islam haben viel gemeinsam“, findet Yazici.
Die Veranstaltung zum Ramadan sei keine Aktion von Ditib gewesen. Sie habe in Kooperation mit der Johanneskirchen-Gemeinde zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen. Neben der Ditib-Moschee am Exerzierplatz hätten noch weitere muslimische Gemeinden eingeladen.
Denis Clauer: „Die sind nicht ohne“
Der Pirmasenser CDU-Vorsitzende Denis Clauer findet die Vorwürfe von Nius absurd. Die Kandidatur von Akgül Yazici findet er weiterhin gut. Die Frau habe eine Vermittlerrolle, für die sie auch weiter in Kontakt mit Ditib bleibe. „Das ist gut so, wenn wir im Gespräch bleiben und wissen, was da passiert“, so Clauer, der allerdings auch klar sagt, dass er nicht mit allem einverstanden ist, was der muslimische Dachverband so verkündet. „Die sind nicht ohne“, meint Clauer.
Ditib ist die Abkürzung für Diyanet isleri Türk islam Birligi, was sich als „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion“ übersetzen lässt. Nach eigenen Angaben vertritt Ditib mehr als 960 Moscheevereine in Deutschland und über 70 Prozent der hier lebenden Muslime. Ditib wird laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz direkt kontrolliert von Diyanet, der staatlichen Religionsbehörde der Türkei. Im Jahr 2017 hat es laut Verfassungsschutz Hinweise gegeben, wonach Ditib-Imane vom türkischen Geheimdienst aufgefordert wurden, ihm Informationen zu vermeintlichen Regierungsfeinden weiterzuleiten.
Zum Gazakrieg und dem davor verübten Angriff der Hamas auf Israel äußert sich Ditib in der Freitagspredigt auf ihrer Webseite: „Als Muslime verurteilen wir alle terroristischen Handlungen, unabhängig davon, von wem sie ausgehen und gegen wen sie gerichtet sind, und wir akzeptieren niemals Unterdrückung, Gewalt und Tyrannei. Wir lehnen jede Art von Unterdrückung ab, die die Ehre und die Würde des Menschen mit Füßen tritt, in die Privatsphäre eindringt, Kinder und Waisen zurücklässt und Eltern in Tränen ausbrechen lässt.“