Von Woche zu Woche RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne zu streitbaren Pirmasensern, Ex-OB Matheis und Dieter Nuhr

Mit einem Video hat OB Markus Zwick den Kabarettisten Dieter Nuhr eingeladen.
Mit einem Video hat OB Markus Zwick den Kabarettisten Dieter Nuhr eingeladen. Foto: Christian Clemens

Statistik: Streitbare Pirmasenser

„Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Diese Aussage wird oftmals Winston Churchill zugeschrieben. Journalisten und Statistiken haben ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits klammern sich Medienschaffende gerne an Zahlen fest, um daran irgendwelche vermeintliche Trends ablesen zu können, andererseits gehört eine gewisse Portion Skepsis zum Beruf. Weil der redaktionelle Hang zu Zahlen weithin bekannt ist, verschicken diverse Organisationen unterschiedlichste Statistiken. Dieser Tage landete die „Auswertung von Deutschlands großem Streitatlas“ in der Redaktion. Natürlich werden auch Daten für Pirmasens geliefert. Demzufolge war 2018 mehr als jeder vierte Einwohner in Pirmasens in einen Rechtsstreit verwickelt (23,09 Streitfälle pro 100 Einwohnern). Laut dem „Streitatlas“ streiten die Pirmasenser besonders über Privates (40,6 Prozent aller Streitigkeiten), gefolgt von Verkehrsstreitigkeiten (26,8 Prozent) und Arbeit und Unternehmen (13,5 Prozent). Nicht zu vergessen: Mehr als jeder fünfte Streit (14,3 Prozent) kostet in Pirmasens mehr als 10.000 Euro.

Wenn es hier so wild zugeht, sollte man doch dringend mal über eine Rechtsschutzversicherung nachdenken. Aber Moment: Wer steckt eigentlich hinter der Studie? Der Rechtsschutzversicherer Advocard. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Internet: Bisweilenrauer Ton

Wer im Internet unterwegs ist, weiß, dass dort bisweilen ein rauer Ton weht. Das gilt vor allem für Soziale Netzwerke. Der ehemalige OB von Pirmasens, Bernhard Matheis, bezeichnet sich in solchen Fragen als „Dinosaurier“. Mit Facebook und Co. hat er im Gegensatz zu seinem virtuell nahezu omnipräsenten Nachfolger Markus Zwick nichts am Hut. Das verhindert jedoch nicht, dass im Netz über ihn geschimpft wird. Wie nun bekannt wurde, musste Matheis vor ein paar Monaten derbe Kritik einstecken. Der Grund: Angeblich hatte er sich nicht um die Ansiedlung des Tesla-Werks gekümmert – mittlerweile ist das Gegenteil bekannt. Im Netz forderten damals jedoch einige, ihn „den Arbeitslosen zum Fraß vorzuwerfen“. Gegen diese und weitere aggressive Beschimpfungen wehrte sich Matheis mit Strafanzeigen. Der RHEINPFALZ erzählte der CDU-Politiker nun, dass er im Anschluss zwei der Menschen getroffen hatte, die ihn so beleidigten. Die Justiz hatte den sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich angeregt. In einem Stuhlkreis gab es ein „enorm eindrückliches Gespräch“, berichtet Matheis. Der Politiker traf seine zwei bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretene Kritiker. Der Mann und die Frau hätten eingesehen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Beleidigungen nicht akzeptabel waren. Es kam zur Entschuldigung, Matheis verzichtete auf weitere juristische Schritte. Kleine Anekdote am Rande: In seiner Zeit längst vergangenen Zeit als Staatsanwalt hatte sich Matheis selbst immer für solche Gespräche zwischen Tätern und Opfern eingesetzt. Dass er selbst mal Teil so einer Runde sein würde, habe er sich damals aber nicht vorstellen können.

Dieter Nuhr: Besondere Beziehung

Noch ein Wort zu Dieter Nuhr. Der Kabarettist hat offenbar nicht erst seit dem missglückten Car-Sharing-Witz eine besondere Beziehung zu Pirmasens. Woher die rührt, ist offen. Vielleicht hat er bei seinem Auftritt hier vor 15 Jahren schlechte Erfahrungen gemacht? Jedenfalls taucht Pirmasens immer wieder in seinen Büchern und bei Auftritten auf. Ohne ins Detail zu gehen, sei jedoch soviel verraten: Pirmasens wird von Nuhr nicht gerade mit positiven Attributen versehen. Das satirische Video von OB Markus Zwick, in dem er den unlustigen Nuhr-Witz zum Thema Car-Sharing kontert und den Künstler hierher einlädt, ist auch schon zu dem Kabarettisten vorgedrungen. Der Sozialkunde-Leistungskurs des Hugo-Ball-Gymnasiums war jüngst in Berlin in einer Sendung von Dieter Nuhr. Zwei der Schüler, die auch im Jugendstadtrat aktiv sind, Jan Weimann und Maren Müller, hatten für Nuhr ein Präsent dabei. Sie überreichten ihm Zwicks Video. Bei der Übergabe soll er lachend gesagt haben: „Man kann ja wirklich keinen Halbsatz mehr sagen, ohne dass das kommentiert wird.“ Na ja, wer austeilt, muss auch mit Reaktionen rechnen – Nu(h)r nicht gleich eingeschnappt sein.

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