Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Die Rolle von Wilhelm Frick in Nazi-Deutschland

Wilhelm Frick (links) mit dem Leiter der Schutzstaffel Heinrich Himmler.
Wilhelm Frick (links) mit dem Leiter der Schutzstaffel Heinrich Himmler.

Vor genau 75 Jahren wurde einer der Vorgänger der südwestpfälzischen Landrätin zum Tode verurteilt: Wilhelm Frick, der von 1907 bis 1915 in Pirmasens als Bezirksamtsassessor tätig war, zum Reichsinnenminister unter den Nazis aufstieg und 1946 einer der Hauptangeklagten der Nürnberger Prozesse war.

Frick war ein Schreibtischtäter. Selbst hat er sich nie die Hände schmutzig gemacht, aber mit Rechtsverordnungen und Gesetzen die Grundlagen geschaffen, auf die sich andere bezogen, um Millionen Menschen zu quälen und zu töten. Das begann schon vor der Machtergreifung, als er bei der Polizei in München mörderische Nazi-Schergen protegierte, und ging über das Ermächtigungsgesetz, die Rassegesetze und Verordnungen zur Euthanasie weiter. Wilhelm Frick war der Mann, der alles möglichst legal aussehen lassen wollte.

Geboren wurde er 1877 in Alsenz (Donnersbergkreis) als Kind eines Oberlehrers. Kurze Zeit später zog die Familie nach Kaiserslautern, wo Frick aufwuchs. Für das Studium der Philologie und Rechtswissenschaft ging er nach Göttingen, München und Berlin, kehrte dann aber zurück, für eine Stelle als Rechtsreferendar in Kaiserslautern.

In München begegnet er Adolf Hitler

1907 trat er eine Stelle als Bezirksamtsassessor in Pirmasens an, wo er in seinem Büro in der Bahnhofstraße hauptsächlich mit der Unterzeichnung von Führerscheinen befasst war. Schnell wurde Frick zum Vertreter des Bezirksamtmanns in Pirmasens befördert, was dem Posten des heutigen Landrats entspricht, und leitete mit Beginn des Ersten Weltkriegs gleich das ganze Bezirksamt. In Pirmasens lernte er seine erste Frau kennen, die aus einer Schuhfabrikantenfamilie stammte.

Mehrere Anläufe unternahm er für eine Versetzung nach München, die 1915 mit einer Stelle bei der dortigen Polizeidirektion gelang. In diesem Posten diente er bald der aufkommenden Nazi-Bewegung. Erst recht, als er Leiter der politischen Abteilung wurde. Hier traf er auch erstmals auf Adolf Hitler. Schon 1920 war Frick in einen Mordfall verwickelt. Eine junge Frau, die Waffenlager der Nazis verraten wollte, wurde erdrosselt. Frick besorgte dem Täter Ausweispapiere für die Flucht, und später noch einmal für die Wiedereinreise, die zu einem weiteren Mord führte.

Bürokratische und juristische Erfahrung

1928 zog er mit der NSDAP als deren Fraktionsvorsitzender in den Reichstag ein, wurde erster Nazi-Minister der thüringischen Landesregierung und kümmerte sich fleißig um den Ausbau der Macht der Nazi-Partei. Deren Machtübernahme war zu einem guten Teil auch das Werk von Frick.

Ohne Fricks bürokratische und juristische Erfahrung wäre die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nicht so glatt gelaufen. Nicht zu unterschätzen war auch seine Rolle beim sogenannten Ermächtigungsgesetz. „Wenn am 21. März der Reichstag zusammentritt, werden die Kommunisten durch dringende Arbeiten verhindert sein, an dieser Sitzung teilzunehmen. In Konzentrationslagern werden wir sie wieder zu fruchtbarer Arbeit erziehen“, erklärte Frick im März 1933.

Am Starnberger See wird er verhaftet

Ab 1937 schwand sein Einfluss in der Partei und bei Hitler. Schleichend wurde das Innenministerium zugunsten anderer Behörden entmachtet und Frick 1943 schließlich als Reichsprotektor nach Böhmen und Mähren abgeschoben. Die meiste Zeit soll er deshalb auf seinem Anwesen am Starnberger See zu finden gewesen sein, wo ihn die US-Streitkräfte 1945 verhafteten.

Angeklagt war er in Nürnberg, wie die anderen Nazi-Größen, wegen vier Punkten: „Machtergreifung der Nazi-Verschwörer“, „Planung und Vorbereitung von Angriffskriegen“, „Kriegsverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

„Immer ein wilder Antisemit, entwarf, unterzeichnete und wendete Frick zahlreiche Gesetze an, die den Zweck hatten, die Juden aus Deutschlands Leben und Wirtschaft auszuschalten“, lautete die Urteilsbegründung. Frick wurde zusammen mit den anderen Verurteilten am 16. Oktober 1946 in einer Sporthalle erhängt. Seine Asche in einem unbekannten Fluss verstreut.

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