Rodalben
Die Matching Ties entführen in die Welt des Irish Folk
In der lauen Abendluft beim Sommerfest von VHS Rodalben und Eine-Welt-Verein konnten die zahlreichen Zuhörer am Samstagabend bei den Matching Ties die Seele baumeln lassen. Verwöhnt von den rhythmisch packenden Liedern der Musiker aus den USA, England und Deutschland und bewirtet von den Mitarbeitern des Ladens.
Allenfalls die einheitlichen Krawatte der Matching Ties hätten Anlass zum Meckern sein können, die auffälligen Gebinde unter dem Hemdkragen mit kleinen Kreisen auf rotem Hintergrund, nicht aber die Musik. Was das Quartett ablieferte, war gekonnt und eindrucksvoll.
Dudelsack und Bierzelttöne
Zudem witzelten die Musiker gerne. Konrad Stock, der Arzt aus München und begeisterte Folkmusiker, verblüffte das Publikum, indem er seinem Dudelsackspiel aus Spaß an der Freude kurzzeitig bayrische Bierzelt-Musiktöne entlockte. Daran koppelten die Musiker ein Zweierset aus Tanzmelodien, es hätte geschunkelt und getanzt werden können.
Die Lieder umfassen ein breites Spektrum von der gemächlichen bis zur dynamisch vorgetragenen Ballade, inhaltlich von Träumereien und Sehnsüchten bis zum harten Alltag oder gar zur Vertreibung.
Emotionale Geschichten
„Hard Time of Old England“ gehört dazu, ein Song aus der viktorianischen Zeit. Ganz anders kommt „Mary and the Soldier“ (Paul Brady) daher, emotional anrührend. Der Soldat muss in den Krieg, und sie lässt ihn wissen „Ich stehe an deiner Seite und trage deine Waffen“. Und dann sind da noch die Beggar-Stories, in denen ein verkleideter junger Bettler Aufnahme findet, sich als wohlhabend entpuppt und am Ende für die Tochter des Hauses den Traum von der Prinzessin wahr werden lässt.
Dazwischen tauchen die typisch irischen Jigs auf, im Sechs-Achtel-Takt zum Mittanzen, die schnellen schottischen Reels im Zweiertakt und die Hornpipes, traditionelle englische Tanzstücke in lebhaftem Tempo. Die meisten stammen aus der neuen CD der Matching Ties und sind versehen mit eingebundenen Verzierungen. Originalität braucht es schon um des künstlerischen Anspruchs willen. Die Musiker sind Multiinstrumentalisten. Die Zuhörer kannten sich aus, sonst wäre eine kleine Instrumentenkunde zu moderieren gewesen.
Souveräne Multiinstrumentalisten
Paul Stowe verstand es, souverän mit der akustischen und der Steelgitarre umzugehen, auch mit der Mundharmonika, für die er eigens eine Halterung gebaut hatte, damit er sie bedienen konnte, ohne sie anzupacken. Trevor Morris überzeugte mit all seiner Routine als Spieler auf der abgeflachten Mandoline und der griechischen Bouzouki.
Große Freude bereitete Konrad Stock dem Publikum als Dudelsackspieler, aber auch als Interpret an der Bodráin, der irischen Rahmentrommel, und als Whistleblower auf Metallflöten. Und Sepp Zauner, studierter Historiker und Musiker aus Leidenschaft, glänzte mit seiner akzentuierten und mitunter sehr flinken Bogenführung auf der Geige.
Ein langes Konzert
Die Profimusiker ließen ihre Zuhörer in Rodalben die hohe Kunst des Irish Folk erleben und steigerten sich ob des aufmerksamen Publikums in eine wahre Spielfreunde, die das Konzert um eine halbe Stunde verlängerte. Verdientermaßen gab es dafür stehenden Applaus.
Was sich einprägte, war der Titelsong ihrer CD „Walk a while with me. The more we walk together, the better we agree“. Wenn Verständigung so funktioniert, ist der Rat zu empfehlen.