Pirmasens
Die Dicken Kinder sind guter Laune
Zahlreiche Stadt- und Dorf-Events wie das beliebte Rodalber Grünesputschefest, das Schnapsgassenfest (Hermersberg), oder das Kurparkfest in Dahn nahmen dem Lager 14 offensichtlich zahlreiche Besucher weg. Vielleicht hatte es auch damit zu tun das die Landauer Gruppe ohne ihren eigentlich unabdingbaren Bläsersatz und Perkussionisten angekündigt war. Trotzdem hatte die auf Sextettgröße geschmolzene Formation einen Sack voller Hits mitgebracht.
Ab dem viel zu frühen Show-Beginn um Viertel nach sieben waren die „Kinners“ jedenfalls auf Betriebstemperatur und präsentierten sich gut gelaunt sowie bestens aufeinander eingespielt. Sänger Chris Becker ging in Entertainer-Manier dann auch direkt in den Clinch mit dem Publikum. Das heißt der Frontmann erzählte von der leidigen Corona-Auszeit und versuchte unablässig das sehr sitzfeste Publikum vor die Bühne zu locken und animierte die Leute unablässig zum Mitmachen.
Ohne Bläser vor Ort
Als Co-Sänger hatte Becker den Kollegen Christopher Hublitz mit auf die Husterhöhe gebracht. Dieser glänzte mit dynamischer Stimme bei Songs wie „Sledgehammer“ (Peter Gabriel), „Higher Power“ (Coldplay) oder dem 80er Evergreen „Boys of Summer“ (Don Henley) und hatte eine Menge Spaß in den Backen. Hervorheben muss man auch den Gitarristen Holger Schnell, der absolut unaufgeregt und ohne Posen ein feines Spiel inklusive songdienlicher Soli präsentierte.
Wie schon beim „Sledgehammer“ musste auch der Blues Brothers-Hit „Soulman“ ohne live gespielten Bläsersatz auskommen, sprich hier wurde ebenfalls der entsprechende Sound via Mischpult eingespielt. Dies ist für den Livemusikfreund ein halbgares Vergnügen, also kommen wir zum einzigen Kritikpunkt: Wenn schon ohne Bläsersektion vor Ort, sollte man auf die Songs, bei denen besagte Instrumentalisten unabdingbar sind, verzichten. Dass dies machbar ist und sehr gut ankommt, bewiesen Pop-Klassiker wie „The Heat Is On“ (Glenn Frey), „Boys of Summer“ (Don Henley) und das herrlich rockende „Always on the Run“ (Lenny Kravitz). Bei Letztem demonstrierte Becker mit seiner rauen charismatischen Stimme, dass er sich vor den meisten Originalsängern keineswegs verstecken muss, sondern quasi auf Augenhöhe agiert.
Chris Becker in Hochform
Natürlich wurde auch die Dancefloor-Klientel mit dem Bruno Mars-Triple „Uptown Funk“, „Treasure“ und „24 K Magic“ bestens bedient. Wohingegen Deutschrock-Fans bei Liedern wie „Engel“ (Rammstein), dem unverwüstlichen „1001 Nacht“ (Klaus Lage), „Augenbling“ (Seeed) oder „Ein Kompliment“ (Sportfreunde Stiller) auf ihre Kosten kamen. Letztendlich überzeugte Alles in allem auch die abgespeckte Version der Dicken Kinder mit grooviger und spielfreudiger Darbietung, was von den Besuchern durchweg mit viel Beifall honoriert wurde. Dass die Truppe wesentlich mehr Zuschauer verdient hätte, versteht sich von selbst. Doch das ließen sich Sänger-Urgestein Becker & Co. zu keiner Sekunde anmerken. Respekt!
Info
Das nächste Lager 14 Event heißt Auslagern! Techno indoor & Outdoor Festival und findet am 3. September statt. Hier geben sich DJs wie Alexander & Matthias Olck, Zoodiak, Chris van Neu, Ein roter Typ und Octave Marbot die Klinke in die Hand. Einlass 17 Uhr. Eintritt 10 Euro Early Bird- Vorverkauf (VVK). 13 Euro regulärer VVK. Abendkasse 15 Euro. Mehr steht auf der Seite facebook.com/lagervierzehn.