Interview
Designierter Turngau-Chef Werle (Hermersberg): „Differenzieren ist nie verkehrt“
Jochen Werle will Vorsitzender des Westpfalz-Turngaus werden. Der 47-jährige Hermersberger stellt sich beim Gauturntag am Freitag (19 Uhr) als Nachfolger des seit 2006 amtierenden, nun nicht mehr kandidierenden Pirmasensers Wolfgang Klys zur Wahl. Der mutmaßlich einzige Kandidat ist Vorsitzender des Turnerbunds Hermersberg, in dessen Leichtathletik-Abteilung er früher aktiv war, Chef der SPD-Fraktion im Verbandsgemeinderat Waldfischbach-Burgalben und arbeitet als Büroleiter des SPD-Landtagsabgeordneten Alexander Fuhr. Im Westpfalz-Turngau sind 51 Vereine mit insgesamt 11.800 Mitgliedern aus dem Landkreis Südwestpfalz sowie den Städten Pirmasens und Zweibrücken zusammengeschlossen. Wegen der Corona-Pandemie diskutieren und votieren die Delegierten beim Gauturntag erstmals in Form einer Videokonferenz. Die RHEINPFALZ sprach am Donnerstag mit Jochen Werle.
Herr Werle, was haben Sie denn vor, wenn Sie Vorsitzender des Westpfalz-Turngaus sind?
Ich will die Veranstaltungen fortführen, die wir bisher schon haben: die Gaumeisterschaften der Gerätturner, den großen Breitenturnwettkampf, die Sportlerehrung und die Wanderungen. Ich bin neu in dem Gremium. Wir müssen dann zusammen überlegen, was wir Neues anbieten. Generell will ich etwas mehr den Dialog mit den Vereinen fördern, der gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig ist und durchaus auch in Videokonferenzen stattfinden kann. Die Vereine können sich durch den Austausch gewiss gegenseitig befruchten.
Wo drückt denn die Vereine – von der Corona-Zwangspause mal abgesehen – der Schuh?
Ich sehe etwa Schwierigkeiten darin, gezielt Übungsleiter zu gewinnen oder aus dem Kreis der eigenen Mitglieder aus- und weiterzubilden, die auch mal gänzlich neue Angebote in den Vereinen möglich machen
Woran denken Sie da konkret?
Beim Turnerbund Hermersberg zum Beispiel gibt es viele Interessenten für eine Outdoor-Fitnessgruppe, aber die bisherige Übungsleiterin hat keine Zeit mehr, und ein Ersatz ist noch nicht gefunden.
Und die Fitness-Studios sind weiterhin Konkurrenz für die Vereine ...
In Turnvereinen kann man vieles von dem machen, was in Fitness-Studios angeboten wird. Aber das, was ich im Fitness-Studio für zwei Monate zahle, zahle ich im Turnverein fürs ganze Jahr. Man muss jedoch realistisch sein: Manch einer kauft sich mit dem Fitness-Studio-Beitrag frei vom ehrenamtlichen Einsatz, denn dort wird er nicht gefragt, ob er Zeit hätte, am nächsten Wochenende auf dem Vereinsgelände Würstchen zu brutzeln.
Durch die Corona-Krise herrscht derzeit Stillstand in den Turnvereinen. Ihr Blick in die Zukunft?
Ich bin nicht so optimistisch zu sagen, dass ab April oder Mai alles wieder so laufen wird wie 2019. Aber im Frühjahr kann man vieles draußen machen und die Abstände besser wahren.
Sollte die Politik nicht wieder mehr differenzieren und Sport nicht fast ganz verbieten?
Differenzieren ist nie verkehrt. Beim Hallensport muss man stets die Größe der Halle in Betracht ziehen. Gerätturnen mit einer begrenzten Anzahl von Aktiven und gründlicher Desinfektion wäre schon machbar. Oder auch Step-Aerobic oder Bauch-Beine-Po-Kurse, bei denen die Leute ohnehin schon ihre eigenen Matten mitbringen und vielleicht noch ein bisschen weiter auseinandergehen – die Übungsleiterin muss dann vielleicht ein Mikro benutzen. Kontaktsport sind dagegen natürliche Grenzen gesetzt. Allgemein gilt: Sport mit Einschränkungen ist besser als gar kein Sport.