Pirmasens Der „Landfürst“ sagt leise Servus

Matthias Rackow hat seinen Schreibtisch geräumt.
Matthias Rackow hat seinen Schreibtisch geräumt.

Unser erstes Zusammentreffen liegt 31 Jahre zurück. Matthias Rackow trat nach seinem Volontariat bei der RHEINPFALZ im Jahr 1988 in der Lokalredaktion Pirmasens seine erste Redakteursstelle an. Für den gebürtigen Bremer, der in Waldfischbach-Burgalben wohnte – und noch wohnt – und sich um die Kreisberichterstattung kümmern sollte, war es ein Heimspiel. In der Südwestpfalz kannte er sich bestens aus. Also machte er mir, dem Dienstälteren aus dem Saarland, klar, wie der Hase läuft: Er teilte die Verbandsgemeinden unseres Verbreitungsgebiets unter uns auf – immerhin hatte ich ein Mitspracherecht –, so dass die Zuständigkeiten fortan geklärt waren. Das ist Matthias Rackow: bestimmend im Auftreten, aber immer orientiert an der Sache. Seit Anfang Juli hat „ow“, so sein Kürzel, den Schreibtisch bei der „Pirmasenser Rundschau“ in der Schachenstraße geräumt. Der 61-Jährige befindet sich jetzt in der passiven Phase seiner Altersteilzeit. Für Rackow bezeichnend war sein Wunsch zu seinem 30. Betriebsjubiläum am 1. März 2017: Statt des obligatorischen Blumenstraußes bat er um einen Kaktus. Dieses Ansinnen spreche Bände, sagte damals der stellvertretende Chefredakteur, Andreas Bahner. „Du hast Deinen eigenen Kopf und ein Kaktus passt nicht schlecht zu Dir: eine Pflanze mit Dornen für einen Redakteur, der gern wider den Stachel löckt“, so Bahner. Über 31 Jahre lang hat Matthias Rackow der Landkreisberichterstattung der „Pirmasenser Rundschau“ seinen Stempel aufgedrückt. Er war der „Landfürst“ der Redaktion und kannte sich in der Südwestpfalz aus wie kein anderer – mit Ausnahme des Landrats vielleicht. Als Rackow seine Stelle in Pirmasens antrat, war Hans Jörg Duppré schon fast zehn Jahre Chef der Kreisverwaltung. Die beiden wurden fortan – bis zum Ausscheiden Dupprés in den Ruhestand – zu Weggefährten, ohne dass der Redakteur dem Politiker nach dem Mund redete. Rackow hatte immer den Mut zur eigenen, für die Kommunalpolitiker nicht immer bequemen Meinung. Bei allem Lokalpatriotismus wahrte er Distanz zu den handelnden Personen, seine Unabhängigkeit war ihm wichtig. Von seinen Kollegen in der Redaktion hat sich Matthias Rackow leise verabschiedet. Ein großer Rummel mit Reden und Lobhudelei wäre ihm zuwider gewesen. Er hat nie viel Aufhebens um seine Person gemacht – und war dann einfach weg. Wer in diesen Tagen auf Radwegen in der Südwestpfalz einem entspannt, gelassen und zufrieden wirkenden Ü-60-Fahrradfahrer begegnet, hat es womöglich mit „ow“ zu tun. Seit Jahren erkundet Rackow die Südwestpfalz mit Muskelkraft auf zwei Rädern und sieht seine Heimat so aus einem anderen Blickwinkel. Und zur Heimat ist dem Norddeutschen die Südwestpfalz längst geworden.

x