Pirmasens
Der Kampf um die Zukunft der Familienbildungsstätte geht weiter
„Das alles kostet sehr viel Kraft und zehrt natürlich an uns.“ Wenn Brigitte Facco, die Leiterin der Familienbildungsstätte am Sommerwald, von den vergangenen Tagen berichtet, ist ihr anzumerken, wie sie die Diskussion um die Zukunft der Einrichtung beschäftigt. Sie erzählt von etlichen Anfragen, die sie beantworten musste: Journalisten und Politiker haben sich bei ihr gemeldet, nachdem die RHEINPFALZ das Thema aufgegriffen hatte. Aber auch Kollegen aus der Bistumsverwaltung haben sich bei Facco und ihrer Kollegin Susanne Dausend-Thomas vorgesprochen. Viele hatten Fragen, wollten Details zur Arbeit der Familienbildungsstätte erfahren. Andrerseits, berichten die zwei Frauen, hätten sie sehr viel Unterstützung erfahren. Ausdrücklich loben sie die Verfasser vieler Leserbriefe, die sich gehaltvoll zu dem Thema geäußert hätten. „Das hat uns sehr gestärkt“, meint Facco. Alles in allem habe es mehr Resonanz gegeben als erwartet. Das Frauenduo ist sicher, dass die Bistumsleitung in Speyer von dem Protest gegen die Sparpläne ebenfalls überrascht wurde. Dausend-Thomas sagt dazu: „Das alles könnte für die Bistumsleitung doch eine Freude sein; zu sehen, was die Kirche in der Südwestpfalz Gutes für die Menschen tue und wie sich die Menschen für den Erhalt der Familienbildungsstätte einsetzen.“
Die Familienbildungsstätte ist innerhalb der kirchlichen Verwaltung Teil der Seelsorge-Abteilung. Die wiederum hat sich in einem internen Papier ebenfalls für den Erhalt der Institution ausgesprochen. In dem Schreiben wird an dem Sparvorschlag kritisiert, dass er keine „pastoral-inhaltliche Begründung“ habe und sich das Bistum mit der Schließung der Einrichtung von sich im Bistum von einem Stützpfeiler der Familienpastoral verabschieden würde. Die Familienbildungsstätte, heißt es weiter in dem Schreiben, genieße eine gute Reputation als eigenständige Netzwerkerin im Landkreis und in der Stadt. Mit ihrer Komm-, Geh-hin- und Netzwerkstruktur erziele die Einrichtung eine große Außenwirkung. Gerade in Pirmasens mit dem strukturschwachen Umland sei sie in enger Kooperation mit dem Caritaszentrum ein wichtiges Dienstleistungszentrum für junge und sozial schwache Familien.
Die Familienbildungsstätte ist Teil einer rheinland-pfalzweiten Arbeitsgemeinschaft. Auch von dieser Seite erhält sie Rückenwind. Der Vertreter dieses landesweiten Zusammenschlusses, Nils Heumann (Neuwied), hat sich in einem Schreiben ebenfalls an Generalvikar Andreas Sturm gewandt, der den erkrankten Bischof vertritt. Die Reduzierung der Mittel oder gar die Schließung der Pirmasenser Familienbildungsstätte bedeutet eine „weitere Entkopplung der christlichen Ethik, Kultur und Lebensgestaltung in den Familien“, heißt es in dem Brief. Die Angebote in Pirmasens sprächen Menschen an, die normalerweise nicht den Weg in ein Gotteshaus finden würden. Auch so werde die frohe Botschaft verkündet.
Einen großen Widerhall hat auch die Online-Petition von Marc Sadowski gefunden. Der Heltersberger hat innerhalb von zehn Tagen über 1000 digitale Unterschriften und knapp 500 Kommentar dazu gesammelt. Darin kritisieren viele den Zeitpunkt der Sparmaßnahmen, Eine Unterstützerin schreibt: „Kinder sind die Verlierer der Corona-Krise. Kontakt zu Gleichaltrigen und anderen Familien ist essenziell für die Entwicklung eines Kindes. Nach Ende der Kontaktbeschränkungen kann es gerade in unserer strukturschwachen Region gar nicht genug Angebote für Familien geben. Die Kirche sollte sich dieser Verantwortung für die Familien nicht entziehen.“
Andere hinterfragen den Entscheidungsprozess der Sparmaßnahmen. Sadowski sagt dazu : „Für die vorgelegten Sparvorschläge fehlen Argumente, Zahlen und Daten.“ Der Generalvikar begründe seine Vorschläge auf den Ergebnissen einer Umfrage der Mitglieder der Diözesanversammlung. In den Top Ten der zukünftigen Schwerpunkte des Bistums nannten die Delegierten die Familienbildungsstätte, trotzdem solle dort der Rotstift angelegt werden.
Facco und Dausend-Thomas blicken derweil nach vorne. „Wir versuchen nach all den Turbulenzen wieder in den Alltag zu kommen“, sagt Facco. Schließlich gehe es ihnen darum, für ihre Kunden da zu sein, und ihnen ein Angebot zu präsentieren, dass ihnen gut tue. Gestern Abend gab es etwa den digitalen Kurs „Herzensworte machen Mut – Ermutigung zum Wochenschluss“ .