Musikgeschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Gig beim Pirmasenser Parksong war sehr wichtig“

Sweet Cream sind (von links) Dieter Henzmann, Anke Welterlich und Jochen Viertahler.
Sweet Cream sind (von links) Dieter Henzmann, Anke Welterlich und Jochen Viertahler.

Der Gitarrist und Sänger Dieter Henzmann spielte einst in Formationen wie Downwind und Platinum. Seine aktuellen Bands heißen Akustik Element und Sweet Cream. Was die beiden Formationen unterscheidet, hat Henzmann im Gespräch mit Peter Schneider verraten.

Wie kam es zur Gründung von Sweet Cream, und warum verließ Schlagzeugers und Gründungsmitglied Stefan Gerdon schon kurz darauf wieder die Gruppe?
Sweet Cream wurde 2018 von mir ins Leben gerufen zusammen mit Stefan Gerdon, mit dem ich viele Jahre bereits in anderen Bands gespielt habe, und Jochen Vierthaler, mit dem ich zuvor in einem Akustik-Trio spielte. Den Wunsch ein Power-Trio zu gründen, gab es bei mir schon sehr lange. Stefan Gerdon hat, wie viele andere Musiker, Probleme mit dem Gehör und da Sweet Cream nicht nur leise, sondern auch ziemlich laut auftritt, war ihm seine Gesundheit verständlicherweise wichtiger.

Wie würden Sie den Stil der Band beschreiben und wer sind Ihre Vorbilder?
Der ursprüngliche Gedanke war, den Spirit der 60er und 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Ein bisschen Flower-Power im Herz und eine Lavalampe vor dem inneren Auge. Die Musik von Cream, Eric Clapton, Blind Faith, Jimi Hendrix, Pink Floyd, Fleetwood Mac war hier sehr ausschlaggebend. Wenn es zur Veranstaltung passt, liegt hier auch unser Schwerpunkt. Wir haben die meisten Songs an unsere Besetzung angepasst, vor allem auch an unseren mehrstimmigen Gesang, den es bei den Originalen oft nicht gab. Wenn wir einen ganzen Abend füllen dürfen, spielen wir einen Mix aus einem akustischen Programm mit Akustik-Gitarre, Mandoline, 12-saitige Ukulele und Cajon und wechseln dann zum elektrischen Set mit E-Gitarre, E-Bass und dem klassischen Schlagzeug. Dies ist definitiv eine Besonderheit von Sweet Cream. Unsere Schlagzeugerin Anke Welterlich bringt als Einflüsse noch den Funk mit und hört sehr gerne Jazz. Jochen steht auf komplizierten progressiven Rock der Marke Yes, und ich stehe nach wie vor unheimlich auf Pink Floyd mit David Gilmour an der Gitarre. Alle gemeinsam lieben wir die Eagles und Toto.

Mit der neuen Trommlerin Anke Welterlich haben Sie einen wahren Glücksgriff getan, was unter anderem der Auftritt beim 124. Parksong eindrucksvoll bewiesen hat. Wie sind Sie auf Anke Welterlich gestoßen, und was hat sich seitdem bei Sweet Cream geändert?
Jochen brachte Anke ins Gespräch, nachdem wir mehrere Schlagzeuger getestet hatten. Keiner konnte singen, was mir sehr wichtig war, oder es hat sonst irgendwie nicht gepasst. Bei Anke war sofort alles klar. Wir waren uns sofort einig, was die musikalische Richtung angeht, und ihr Schlagzeugspiel hat sofort überzeugt. Sie weiß, auf was es ankommt. Dazu kommt ihre tolle Stimme, die völlig eigenständig den Leadgesang bilden kann, aber auch ihre Fähigkeit, intuitiv eine Harmoniestimme beizusteuern. Ansonsten kann sie im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen die Anlage auf- und abbauen, Kabel legen und das Mischpult bedienen. Sie ist wirklich ein Glücksgriff – und zwar nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich und organisatorisch.

Mit Anke Welterlich bilden Sie auch das Duo Akustik Element. In welche stilistische Richtung geht dort?
In diesem Duo nehmen wir uns die Freiheit, all das zu tun, was wir – und das Publikum – wollen. Es kommen einige Songs von Sweet Cream im Programm vor, aber auch mal Swing, ein Bossa und Songs von Norah Jones oder Sade. Bei einer Trauung haben wir Lieder von Peter Maffay und Ed Sheeran gespielt. Hier gibt es also ganz viele Möglichkeiten für uns. Bei Akustik Element spiele ich ausschließlich akustische Gitarre und Anke ein Percussion-Set, bestehend aus Cajon, Conga und verschiedenen Rhythmusinstrumenten. Das macht riesig Spaß, ist sehr dynamisch, und jeder Song klingt jedes Mal anders. Dazu kommen unser zweistimmiger Gesang – ich bin begeistert!

Was war für Sie der bisherige Höhepunkt mit der Band Sweet Cream?
Der Gig in Pirmasens beim Parksong war für uns sehr wichtig und hat uns gezeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen. Man wollte uns auch direkt buchen, was sich dann leider durch Corona zerschlagen hat. Unser Konzert in Neustadt beim Weinfest auf der Haardt war auch ein sehr besonderer und langer Auftritt, bei dem wir zeigen konnten, was wir anzubieten haben. Dazu hatten wir einen wirklich tollen Live-Sound, was keine Selbstverständlichkeit ist. Bei der „Tour de Kneipp“, auch in Neustadt, konnten wir vor vollem Haus unser Können zeigen und es gab viel Anerkennung sowie ein erneutes Engagement, das aber ebenfalls durch den Lockdown nicht zustande kam.

Jeder Musiker kann doch einige Anekdoten von Konzerten erzählen. Sie auch?
Oh ja. Jochen und ich saßen zusammen in der legendären Rheinschänke in Leimersheim und sinnierten beim dritten Bierchen über den Namen. „Cream“ sollte drin sein – aber dies allein ging natürlich auch nicht, vor allem weil wir keine Tribute-Band sind. Jochen zeigte mir dann ein Bild von einem seiner Effektpedale, und dieses nannte sich „Sweet Cream“. Der Name war gefunden und das nächste Bier bestellt. Lustig war auch unser Auftritt beim Sommerfest des ASB in Pirmasens. Jochen war davor erkrankt und nicht spielbereit. Den Auftritt abzusagen, ging nicht mehr und dann ist mein alter Freund Andrea Toglioni spontan eingesprungen. Wir konnten vorher nicht mehr proben, hatten aber so viel Spaß auf der Bühne, was wieder zeigte, dass es nicht auf Perfektion ankommt, sondern auf Inspiration und Leidenschaft, und eben das ist ein großer Teil von dem Sweet Cream-Gedanken. Wenn du etwas tust, dann mit ganzem Herzen.

Gibt es Sänger und Gitarristen, die Sie als Inspirationsquellen bezeichnen würden?
David Gilmour, Steve Lukather und Mark Knopfler. Ich mag melodiöses Spiel, kein Gefrickel. Da alle drei Genannten auch hervorragend singen, bedienen sie auch die Position des Sängers. Ansonsten liebe ich den Gesang von den Eagles, America und den Doobie Brothers.

Wie wird es mit der Livemusikszene nach dem Lockdown weitergehen?
Wir haben einige Proben mit Abstand im Wohnzimmer gemacht. Allerdings fehlt uns allen das Spiel vor und für Menschen und das Unterwegssein. Ideen gibt es viele, aber solange Corona die Welt im Griff hat, befinden wir uns in der Warteschleife. Viele Veranstalter haben gute Konzepte, und es müsste möglich sein, zumindest begrenzt wieder zu spielen. Livestream-Konzerte sind nett, aber der Funke springt zumindest bei mir nicht über.

Infos

Mehr zu Dieter Henzmann online unter https://www.facebook.com/groups/1916

85324935956/user/100002216744464/

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