Pirmasens „Der Emil macht’s“
Mit seinen 93 Jahren ist Emil Wick einer der ältesten Bürger in Winzeln – und damit Teil der Geschichte des einstigen Bauerndorfes.
Emil Wick lebt im Herzen des Orts auf dem elterlichen Grundstück: „Nach dem Kriegsausbruch blieb ich mit meinem Großvater zunächst hier, wir kümmerten uns gemeinsam um das viele Vieh“, erinnert sich Wick. Der junge Mann konnte sogar noch die Gesellenprüfung zum Schreiner absolvieren, bevor er zum Militär musste. Vom Saarland geriet er nach Nancy und zurück nach Idar-Oberstein. „Dann sollte meine Einheit nach Russland geschickt werden“, erzählt Wick, „doch plötzlich ging es nach Griechenland“. Kaum in Athen angelangt, wurden die Truppen weiter Richtung Nordafrika geschickt. Doch der Weg dorthin war nicht ungefährlich: „Wir erlebten einen ziemlich abenteuerlichen Flug und mussten fast auf dem Wasser notlanden“, erzählt der 93-Jährige. Erst der zweite Anlauf gelang. Emil Wick flog über die Weiten Afrikas und traf in Tripolis überraschend auf den Nachbarsjungen aus dem heimischen Winzeln, der als Sanitäter ebenfalls hierher geschickt worden war. „Das war eine echte Überraschung“, erinnert sich Wick. Nach der Niederlage gegen die alliierten Truppen geriet Emil Wick fünf Jahre lang in französische Kriegsgefangenschaft am Suezkanal, bis ihn schließlich ein Schiff von der Hafenstadt Port Said aus nach Hamburg brachte. Im Jahr 1948 kehrte er in seinen Heimatort Winzeln zurück. „Hier war alles durch Bombenangriffe zerstört worden“, erinnert er sich, doch sein Elternhaus und die Werkstatt seien glücklicherweise unversehrt geblieben. Nach und nach wurden dann die örtlichen Vereine gegründet – so auch der Kirchenchor, den Emil Wick gemeinsam mit seiner Schwester besuchte und dem er seit über 60 Jahren angehört. „Manchmal singe ich heute noch“, erklärt der 93-Jährige verschmitzt. Als Schreiner half er aus, wo er konnte, so etwa bei Umbauten im Kirchenraum oder dem Pfarrhaus. „Wenn es etwas zu reparieren gab, hieß es nur: der Emil macht’s“, erzählt der Senior. Auch dem Sozialverband VdK und dem ökumenischen Krankenpflegeverein Winzeln-Gersbach, in dem bereits sein Großvater Vorstand gewesen war, hält Wick seit Jahrzehnten die Treue. Schon immer ein Faible hatte Emil Wick für den Sport: So ritt er jahrelang im Reitverein Winzeln und fuhr bis ins hohe Alter von 91 Jahren noch regelmäßig in die Stadt zum Schwimmen. Heute hält er sich auf dem Heimtrainer fit – oder beim Schachspiel, seiner liebsten Beschäftigung, die er noch in Kriegsgefangenschaft gelernt hatte. „Ich spiele gerne mit der Familie oder mit Freunden, die jeden Sonntag vorbeischauen“, sagt er. Zur Serie —Sie sind das Gedächtnis ihrer Dörfer: Senioren, die dort schon Jahrzehnte wohnen. Über ihr Leben im Ort, ihre Erfahrungen und ihre Sorgen plaudern ältere Bürger aus den Pirmasenser Vororten im Gespräch mit der RHEINPFALZ.