Neue Erfahrungen
Den Fußballern in der Region Pirmasens fehlt in der Corona-Krise der soziale Kontakt
Die oft als „schönste Nebensache der Welt“ bezeichnete Sportart war und ist für Millionen Menschen noch nie wirklich eine Nebensache. Beim Fußball, ob als Zuschauer oder als Spieler, finden sie Entspannung, Ablenkung oder können sich in verschiedener Weise abreagieren. Der gesundheitliche Aspekt, den Bewegung aller Art mit sich bringt, kommt hinzu. Für nicht wenige ist Fußball Lebensinhalt. Was also tun in der Corona-Krise, wenn der Garten auf Vordermann gebracht und die Wohnung renoviert ist?
Backen und Fifa-Zocken
So mancher entdeckt da ungeahnte Talente, gerade wenn die Gastronomie nicht verfügbar ist. „Ich habe zuletzt selbst Pasta gekocht und mich sogar beim Backen versucht“, erzählt Denis Jung, der Trainer des Bezirksligisten SV Hinterweidenthal. Er komme mit der Situation noch gut klar; man müsse eben das Beste daraus machen. Jung: „Ich gehe viel raus in die Natur, auch zum Joggen. Das darf man ja noch. Natürlich zocke ich auch online Fifa.“ Da er seit vielen Jahren in der Maschinerie Fußball drinhänge, tue etwas freie Zeit vielleicht auch mal gut. „Was hauptsächlich fehlt, ist der soziale Kontakt“, betont Jung.
Andreas Kamphues, U14-Trainer beim FK Pirmasens, lässt seine Schützlinge seit über zwei Wochen zu Hause für sich nach einem von ihm erstellten Plan trainieren. „Ich mache mir viele Gedanken, was ich noch anbieten könnte“, versichert der Gymnasiallehrer, „aber die absolute Idee ist mir noch nicht gekommen.“ Seine Spieler wollen sich bewegen und seien entsprechend ehrgeizig beim Umsetzen der Vorgaben aus der Ferne. „Aber das ersetzt auf Dauer nicht das Spiel“, weiß Kamphues. Auch seien die fehlenden sozialen Kontakte ein Problem. Zu seinem eigenen Umgang mit der besonderen Lage merkt der 49-Jährige an: „Vom Bundesligafußball und vom europäischen Fußball bin ich etwas abgekommen. Wenn samstags keine Bundesliga stattfindet, ist das für mich nicht so dramatisch. Meine Entzugserscheinungen beschränken sich auf den FKP und das Training im Jugendbereich. Das wird sicher noch zunehmen.“
„Zum Glück großes Grundstück“
Der Spielertrainer des Landesligisten SV Hermersberg, Jens Mayer, kann sich nicht erinnern, jemals so viel Zeit für die Familie gehabt zu haben. „Das ist natürlich super. Um Fußball mache ich mir aktuell nicht so viele Gedanken. Jetzt zählen andere Dinge. Da kommt Fußball erst an zweiter oder dritter Stelle“, betont Mayer. Seine beiden Kinder sind wie alle anderen wegen geschlossener Kindergärten und Schulen aktuell zu Hause. „Zum Glück haben wir ein großes Grundstück, auf dem auch ein Tor steht. Da haben es Menschen in der Stadt sicher schwerer“, sinniert Mayer.
Kupper vermisst Bundesliga
Auch der Spielertrainer des Landesligisten SC Hauenstein, Niklas Kupper, gewinnt der erzwungenen Fußballpause einige Vorteile ab. „So sauber wie jetzt gerade war meine Wohnung noch nie“, sagt er Kupper lachend. Auch für Menschen, die sonst zu kurz kämen, habe er jetzt mehr Zeit. Doch ein wenig Fußball gebe es schon noch. So stehe er im Kontakt zu anderen Trainern, plane die nächste Saison und spreche via Skype mit Spielern. „Wenn ich samstags auf der Couch liege und es kommt keine Bundesliga, fehlt mir schon etwas. Das könnte schwierig werden, wenn das noch Wochen oder Monate so andauert“, schätzt Kupper. Und Freunde zu treffen sei aktuell ja auch schwierig.
Sehr viel über Dinos erfahren
Auch eine Krise hat positive Nebeneffekte: Frank Steigelmann hat in den letzten Wochen sehr viel über Dinos gelernt, erzählt der Trainer der Spielvereinigung Waldfischbach/Burgalben und langjährige Regional- und Oberligatorwart des FK Pirmasens. Von seinem vierjährigen Sohn Nick nämlich, der jetzt Kindergarten-Zwangsurlaub hat und von den Urzeitriesen schwärmt. Aber natürlich kommt auch das Kicken nicht zu kurz: Hinterm Haus in Clausen rollt derzeit täglich der Ball, und Nick verhindert leidenschaftlich, dass Papa Tore schießt. Seit einem halben Jahr kickt er bei den Bambini des TuS Heltersberg, die sein langjähriger FKP-Weggefährte Markus Lechner coacht. „Man kann sich viel Zeit für Privates nehmen, das ist auch mal ganz schön, und man kommt wunderbar runter“, genießt Steigelmann das familiäre Beisammensein. Seine Spieler von der SG Waldfischbach/Burgalben hielten sich unterdessen selbst fit, berichtet er. Das könne zwar nicht das Training ersetzen, aber schließlich seien sie ja keine Profis.