Pirmasens Den Bandscheiben zum Trotz

91-95023920.jpg

STEINBACH. Irgendwie war das schon ein beeindruckendes, bewegendes Bild, als der eine Hinkel, der Friedrich vom TV Lemberg, am Samstag den anderen Hinkel, den Robert vom LV Kö Pirmasens, rund 400 Meter vom Ludwigsturm entfernt dort oben auf dem Donnersberg anfeuerte: „Auf Robert, nicht mehr weit bis ins Ziel“. Die Situation hatte aber auch etwas Komisches.

Denn: Friedrich Hinkel wurde als 434. und Letzter im Gesamtergebnis des Jubiläumslaufes, des 25. seit 1993 hinauf auf den höchsten pfälzischen Gipfel gewertet, war aber schon lange im Ziel. Und das kam so: Der 76-Jährige, der „uff de Langmühl“ lebt, war schon eine Stunden vor den anderen, natürlich mit Genehmigung des Ausrichters, in Steinbach losgewalkt. Es war klar, dass er mit großem Abstand als Letzter ankommen sollte, aber das wollte dem „Besenwagen“ keiner zumuten. „Ich habe Bandscheibenprobleme, dann machen wir halt auf Sparflamme“, sagte sich Friedrich Hinkel. Daheimbleiben kam für ihn nicht in Frage. „Daheim spüre ich sie auch, da geh’ ich lieber hierher, ich habe jetzt alle Läufe auf den Donnersberg mitgemacht“, sagte Hinkel, der seit 1959 läuft, in dieser Zeit rund 270.000 Kilometer unter die Füße genommen hat, unter anderem bei 303 Marathons. Friedrich Hinkel, mit einer Zeit von 1:35 Stunden notiert, schnappte sich einen warmen Becher und wartete auf Robert Hinkel, nicht zuletzt deshalb, weil die beiden zusammen mit dem Auto wieder zurück nach Steinbach fuhren. Robert Hinkel, der demnächst 80 Jahre wird, schaffte die 7,2 Kilometer berghoch in 55:50 Minuten, was ihm Platz 399 einbrachte. Viel wichtiger für ihn aber war der Pfalzmeistertitel in seiner neuen Altersklasse, der M80. „Ich war ja schon zwölf Mal Meister“, sagte der Pirmasenser, dem es dort oben auf dem Gipfel trotz der Sonne schnell kalt wurde. Ein Windchen ging schon, und wenn man schwitzt... „Es war wie immer hart, aber egal, ich versuche, die ganze Serie zu laufen“, sagte der zweitälteste Teilnehmer. Nur Ludwig Mesel vom LC Bad Dürkheim, ebenfalls ein pfälzischer Lauf-„Dino“, war zwei Jahre älter und kam in 58:27 Minuten auf Platz 416. Robert Hinkel kommt aus der Ultra-Szene, hat früher viele lange Läufe abgespult, unter anderem zweimal die berühmten 100 Kilometer von Biel. Noch immer steht er voll im Training. „Dreimal die Woche zwei Stunden“, sagte er stolz, „halt wie immer“. Hut ab vor dieser Leistung und dieser Einstellung. Dann düsten die beiden Hinkels gemeinsam mit dem Auto zurück und genossen anschließend die warme Dusche und die Siegerehrung im Bürgerhaus von Münchweiler an der Alsenz. Dort wurden natürlich auch die Spitzenläuferinnen und -läufer geehrt, natürlich allen voran diejenigen vom TuS 06 Heltersberg. Bei den Männer standen mit Jonas Lehmann (1.), André Bour (3.) und Tom Heuer (4.) gleich drei unter den besten Vier, Marco Forster (12.), Jürgen Binder (24.) und Martin Bracke (34.) komplettierten das tolle Mannschaftsergebnis. Und Jürgen Binder ist es auch zu verdanken, dass die Heltersberger künftig bei den Frauen eine noch bessere Mannschaft stellen können. Er ist der Trainingspartner von Melanie Noll und machte ihr den Wechsel vom TSV Annweiler nach Heltersberg schmackhaft. „Warum eigentlich nicht“, hatte Noll darauf geantwortet. „Das wird die Läuferinnen in Heltersberg sicher noch mehr motivieren“, glaubt sie. Zwar fand die Seriensiegerin auf den pfälzischen „Bergen“ am Samstag ihre Meisterin in Simone Raatz und wurde in 32:53 Minuten Zweite, nahm’s aber sportlich. Über Ziele wollte sie zunächst nicht sprechen. „Ich will mal schauen, wie es sich ergibt“, sagte die 33-Jährige. Jessica Kammerer (4.) und Jutta Bendel (11.) komplettierten das Heltersberger Mannschaftergebnis.

x