FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Das ungewöhnliche Vater-Sohn-Trainerduo beim SV Schopp

Gemeinsam Trainer im Holzland: Ex-FKP-A-Junior Sebastian Lensch (links) und sein Vater Stefan, einst Drittligaspieler beim FK Cl
Gemeinsam Trainer im Holzland: Ex-FKP-A-Junior Sebastian Lensch (links) und sein Vater Stefan, einst Drittligaspieler beim FK Clausen.

Zwischen Vätern und Söhnen kann es zu heftigen Konflikten kommen. Dafür bietet die Familiengeschichte des Ödipus eine Menge Anschauungsmaterial. Dass es aber nicht immer so dramatisch wie in der griechischen Mythologie zugehen muss, dass Vater und Sohn durchaus harmonieren können, zeigen Stefan und Sebastian Lensch als Fußballtrainer-Duo beim SV Schopp.

Schon seit zwei Jahren sind Stefan und Sebastian Lensch gemeinsam und gleichberechtigt für die in der Bezirksliga Westpfalz spielende Schopper Mannschaft verantwortlich. Vater und Sohn als Trainerduo – eine im Sport und speziell im Fußball ungewöhnliche Kombination. Darauf dürften die beiden ein Patent haben. Das sieht auch Vater Lensch so, der sich nicht erinnern kann, von solch einem Trainerteam jemals zuvor gehört zu haben. Und mit seinen 55 Jahren blickt er auf eine lange Fußballgeschichte zurück, die er selbst als Spieler und später als Trainer schrieb.

Nach Unfall im Rollstuhl

Aber wie kam es nun zu dieser Trainerpartnerschaft auf Augenhöhe? Wie so vieles wurde sie aus der Not geboren. Als Stefan Lensch vor drei Jahren als Coach beim SV Schopp einstieg, trainierte er die Mannschaft allein, und das würde er auch noch heute so handhaben, wenn er nicht Opfer eines Unfalls geworden wäre.

Von einem Auto angefahren, war er zeitweise in seiner Bewegungsfähigkeit so eingeschränkt, dass er einen Rollstuhl benötigte. In dieser schwierigen, nun zum Glück hinter ihm liegenden Phase fragte er seinen Sohn, ob dieser nicht das Training übernehmen könne. Seine Erleichterung war groß, als sich Sebastian spontan dazu bereit erklärte. „Ja, klar, ich werde dich unterstützen“, habe er damals zu seinem Vater gesagt, erinnert sich der Junior.

Neue Methoden

Was ursprünglich nur für die Zeit der Genesung des Vaters gedacht war, bewährte sich so gut, dass die beiden ihre Trainergemeinschaft nicht auflösten, als Stefan Lensch seine Aufgabe beim SVS wieder alleine hätte erfüllen können. Warum es so gut zwischen den beiden klappt, erklärt der Vater so: „Sebastian hat sofort den Zugang zur Mannschaft gefunden.“ Vor allem für die jungen Spieler sei er sogleich ein Ansprechpartner gewesen, und zudem habe er neue Gedanken und Methoden ins Training gebracht. Viel Lob also für den Sohn, mit dem er von Anfang an von Trainer zu Trainer ein offenes Gespräch geführt habe, in dem er nicht aufgrund seiner größeren Erfahrung und Autorität das letzte Wort haben wollte.

Autogespräche

Besonders wichtig seien die „Autogespräche“, erzählt der in Kaiserslautern lebende Stefan Lensch, dessen Sohn in Otterbach wohnt. Während der Fahrt nach Schopp sprechen die beiden über die Mannschaft, das Training und die Spieltaktik. Auch wenn er die Dinge nicht immer so wie sein Vater sehe, habe man doch stets eine gemeinsame Lösung gefunden, wobei oftmals nicht das Argument, sondern „das Bauchgefühl“ den Ausschlag gegeben habe, sagt der 30 Jahre alte Sebastian Lensch.

Die Trainertätigkeit in Schopp ist aber nicht die erste gemeinsame Fußballzeit der beiden. Als Sebastian in der Jugend des VfR Kaiserslautern mit dem Kicken begann, war Stefan Lensch sein erster Coach. „Es war schon ein komisches Gefühl, den Vater als Trainer zu haben“, erinnert sich Sebastian, der als Trainersohn aber keine Privilegien genoss. Im Gegenteil. „Er hat mich härter rangenommen als die anderen.“

Auch zusammen gespielt

Sein Wechsel im Jahr 2007 von der TSG Kaiserslautern zu den Regionalliga-A-Junioren des FK Pirmasens, wo Peter Tretter sein Coach war, beendete diese Zeit. Später kam es dann beim FC Queidersbach zum erneuten Zusammenspiel der beiden, und das im buchstäblichen Sinn des Wortes. Spielten die beiden doch gemeinsam in der Queidersbacher Mannschaft, die von Lensch senior gecoacht wurde. „Er hat mir viel beigebracht“, betont Sebastian Lensch, der in seinem Vater einen guten Lehrmeister hatte.

Meister mit FK Clausen

Aus einer Lauterer Fußballerfamilie stammend, war Stefan Lenschs sportlicher Weg so gut wie vorbestimmt. So gehörte er zum Nachwuchs des 1. FC Kaiserslautern. „Ich spielte dort mit Hans Werner Moser, Axel Roos und Franco Foda zusammen“, erinnert sich Lensch an seine damaligen Mannschaftskameraden und späteren Erstligaprofis und seinen Trainer Ernst Diehl, der ihm, als er später selbst der Trainerzunft angehörte, immer ein Vorbild blieb. Nach den Jugendjahren beim FCK war Stefan Lensch zunächst für den FK Clausen in der Verbandsliga (Meister 1985) und Oberliga (damals die dritthöchste Klasse) am Ball, später für den TuS Hohenecken in der Verbandsliga.

Ein abwechslungsreiches Leben als Fußballer und Coach, das nun beim SV Schopp mit Sohn Sebastian als Trainerpartner noch einmal eine unerwartete Wendung nahm. Um als Trainer gut arbeiten zu können, betont Stefan Lensch, „muss das Umfeld stimmen“. Und Letzteres sei beim SVS gegeben. Das gemeinsame Arbeiten von Vater und Sohn ruht wegen der Corona-Zwangspause zwar derzeit, doch die beiden hoffen, dass es bald wieder weitergeht.

x