Ludwigswinkel
Das Sandra Badal Trio und Karin Eckstein geben ein begeisterndes Konzert
Die Kirche bot fast die Atmosphäre eines Wohnzimmerkonzertes. Durch die runde Form waren die Zuschauer ganz nah dran an den Künstlern. Bei vollem Haus erlebten die Zuhörer vier Meister ihres Fachs. Ob Tango, Bossa nova, Swing oder Blues – die Künstler Sandra Badal (Gesang), Davide Petrocca (Gitarre), Rosanna Zacharias (Kontrabass) und Karin Eckstein (Bandoneon) erwiesen sich als Könner. Dabei wirkte ihre Darbietung zu keinem Zeitpunkt angestrengt, die Freude beim gemeinsamen Musizieren war ihnen anzusehen, und der Funke sprang sofort auf das Publikum über.
Öfters gab es Szenenapplaus für Petrocca und Zacharias, die in unglaublichem Tempo ihre Töne erklingen ließen. Ecksteins meisterhaftes Bandoneonspiel verstärkte die emotionale Klangbreite um ein Vielfaches. Badals klare, kraftvolle Stimme, mit der sie in den verschiedensten Tonlagen agiert, den verschiedenen Liedern ihre persönliche Note und eigenen Stil verleiht, war zu jeder Zeit ausdrucksstark und beeindruckend. Erfrischend ungewohnt trug sie beispielsweise den Swing-Klassiker „The sunny side of the street“ vor.
Piazzolla rührt zu Tränen
Dem Zusammenspiel der vier Musiker wohnte auch bei den sehnsuchtsvollen, manchmal schwermütigen Tangos und Bluesstücken stets eine gewisse Leichtigkeit inne, die den Zuhörer ins Träumen geraten ließ. Sehr sympathisch war die Art und Weise, wie Badal durch das Programm führte. Fast alle Titel erhielten eine kurze Einführung. Manchmal skizzierte sie die Umstände der Komposition. So erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass das Chanson „Paris sera toujours Paris“ im Zweiten Weltkrieg komponiert wurde, als die Lichter ausgeschaltet wurden, um zu vermeiden, dass die Stadt Ziel von Luftangriffen wird.
Eines der berühmtesten Stücke von Astor Piazzolla, „Oblivion“, das von Innigkeit, Zärtlichkeit und Wehmut erzählt, trug Badal so intensiv vor, dass es manchen Zuhörer zu Tränen rührte. Damit es nicht ganz so schwer wurde, folgte darauf „Besos del fuego“, ein heiterer Tango mit nicht ganz so ernst gemeintem Text. Eckstein stellte in knackig kurz die Geschichte des Bandoneons vor. „Ich ging damals mit der Arroganz eines Klavierspielers an die Sache heran und stellte fest, es war interessant, aber nicht logisch. Aber wenn man die Töne dann mal gefunden hat, macht es Spaß“, scherzte die auf internationalen Bühnen musizierende Bandoneonistin.
Bis der letzte Ton verklungen ist
Klassiker wie „I love Paris“, „Somewhere over the Rainbow“ oder „Je veux“ begeisterten die Zuschauer. Völlig aus dem Rahmen fielen zwei Lieder in Deutsch von Reinhard Mey. Auch diese, „Aller guten Dinge sind drei“ und „Herbstgewitter“, interpretierte Badal auf ihre eigene Weise, die allerdings auch eingefleischte Mey-Fans im Publikum überzeugte. Letzteres war eine der beiden Zugaben und rührte nicht wenige Zuschauer zu Tränen. Die Musiker schufen mit Instrumenten und Stimme eine so dichte Atmosphäre im Kirchenraum, dass das Publikum die Hände still hielt, bis auch der letzte, noch so leise Ton verklungen war. Das war Musikgenuss vom Feinsten.
Die Musiker verabschiedeten sich mit der zweiten Zugabe „Besame mucho“, dem internationalen Hit des mexikanischen Komponisten Consuelo Velázquez, der inzwischen zum Jazz-Standard avancierte. „Küss mich ganz fest, als wäre es das letzte Mal“, vielleicht ist das ein guter Vorsatz für den Rest des Abends, verabschiedete Badal das Publikum.