Pirmasens
Das erwartet die Besucher im Impfzentrum auf dem Messegelände
Stadtfeuerwehrinspekteur Karl-Heinz Bär, der auch Impfkoordinator ist, zeigte am Freitag beim offiziellen Rundgang, was die „Impflinge“ ab Januar erwartet. In der Halle 6C geht es durch lange, mit Stellwänden abgetrennte Gänge und Räume vorbei an etlichen Sitzplätzen und Wartezonen durch Arztzimmer und letztlich in eine der kleinen Impfkabinen. Dabei müssen die Besucher laut Bär insgesamt rund 500 Meter zurücklegen, bis sie wieder nach draußen gelangen. Das Impfzentrum ist barrierefrei, zudem stehen Rollstühle bereit.
In der Halle 6C sind zwei sogenannte Impfstraßen entstanden. Eine ist so gut wie fertig, an der zweiten wird noch gearbeitet. Landrätin Susanne Ganster und Oberbürgermeister Markus Zwick waren sichtlich beeindruckt, welches Tempo THW, Feuerwehr und etliche weitere Helfer beim Aufbau an den Tag legen. „Mit am schwierigsten war es, Handwerker zu finden, die alles stehen und liegen lassen, um mit massiver Manpower hier alles zu stemmen“, sagte Bär am Rande des Rundgangs der RHEINPFALZ. Das sei letztlich über „gute Beziehungen und persönliche Kontakte“ des Pirmasenser Ingenieurbüros PTI gelungen, welches das Impfzentrum plante.
Start nicht vor 4. Januar
Die Stadtverwaltung berichtet von der „größten Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik“, die Bund, Länder und Kommunen vor große Herausforderungen stelle. Die Stadt Pirmasens und der Landkreis Südwestpfalz richten im Auftrag des Landes das gemeinsame Impfzentrum ein, in dem sich die Bürger freiwillig gegen Covid-19 impfen lassen können. Die Terminvergabe erfolgt über eine zentrale Hotline des Landes. Hieß es zunächst, die Impfzentren müssten zum 15. Dezember startklar sein, rechne man nun nicht mehr vor dem 4. Januar mit der Eröffnung, sagte Ganster. Die Zulassung des Impfstoffs werde zwischen Weihnachten und Neujahr erwartet.
Die Zeit bis dahin wollen die Verantwortlichen nutzen, um medizinisches Personal zu finden, einzuteilen und einzuweisen. Wie Ganster berichtete, hätten sich unter anderem 77 Ärzte aus der Region gemeldet, die im Impfzentrum Dienst tun wollen, 24 medizinische Fachangestellte, zwölf Krankenpfleger, neun Apotheker und zwei Rettungsassistenten. Da einige nur zwei Stunden pro Woche Zeit hätten, andere 40, sei man auf weitere Helfer angewiesen. „Wir müssen ja für ein ganzes Jahr planen“, verdeutlichte die Landrätin.
Frühzeitig Liegen und anderes Inventar beschafft
„Die Pandemie wird nicht in Berlin oder Mainz, sondern vor Ort überwunden“, sagte Oberbürgermeister Markus Zwick und hob einmal mehr die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis hervor. Alle am Aufbau und an der Organisation Beteiligten hätten „ein starkes Stück Arbeit“ geleistet.
Karl-Heinz Bär führte in der bereits fertigen Impfstraße vorbei an komplett eingerichteten Wartezonen, in denen die Impfwilligen auf großen Bildschirmen per Video über die bevorstehende Impfung informiert werden. Computer sind bereits aufgebaut, in den Arztzimmern stehen Schreibtische und Schränke. Personalumkleiden, Sozialräume, Lager, Labor und Büros sind teilweise ebenfalls so gut wie fertig. Laut Bär wurde sämtliches Inventar neu beschafft. Was das Impfzentrum kostet, konnte er nicht beziffern, „aber das geht in die Hunderttausende“, wobei das Land zugesagt habe, alle Kosten zu übernehmen. Man habe sich glücklicherweise rechtzeitig um Liegen bemüht: „Deutschlandweit sind jetzt keine mehr verfügbar. Wir waren zum Glück früh dran.“
OB: „Nachher als Irrgarten nutzen“
In jeder der beiden Impfstraßen sollen zwölf Besucher pro Stunde geimpft werden. Je nachdem, wie viel medizinisches Personal im Einsatz sein wird, sind laut Bär auch mehr Impfungen möglich. Im Impfzentrum wird eine Vielzahl von Helfern tätig sein − Bürokräfte ebenso wie Mediziner, Sanitätshelfer, Sicherheitsdienst, Hausmeister und Reinigungskräfte. Zudem werden Ehrenamtler darauf achten, dass in den verschachtelten Gängen − die als Einbahnstraße angelegt sind − kein Besucher verloren geht. „Nachher können wir das hier als Irrgarten nutzen“, scherzte OB Zwick beim Rundgang.