Pirmasens Carsten Behm: Jeder Pirmasenser Zugreisende kannte vor über 20 Jahren seine Stimme

Das Bild von Carsten Behm mit Bier und dem Stellwerk im Hintergrund entstand in Stralsund.
Das Bild von Carsten Behm mit Bier und dem Stellwerk im Hintergrund entstand in Stralsund.

Wenn man in das Jahr 2000 zurückblickt, sind anhand des beruflichen Werdegangs von Carsten Behm Ähnlichkeiten zum aktuellen Personalmangel in Stellwerken der Region ersichtlich. Damals löste das die Deutsche Bahn durch Versetzungen. So kam Behm vom rund 900 Kilometer entfernten Stralsund nach Pirmasens.

Der heute 52-jährige Eisenbahner Carsten Behm startete seine berufliche Laufbahn im Jahr 1988 mit einer zweijährigen und erfolgreich abgeschlossenen Lehre zum Weichen- und Schrankenwärter in der damaligen Betriebsschule der Deutschen Reichsbahn. Nach einer Zusatzausbildung erwarb er mit 19 Jahren die Qualifikation als Fahrdienstleiter für Stellwerke. Sein erster fester Arbeitsplatz war im heimischen Stellwerk in Stralsund. Ein Fahrdienstleiter bringt Weichen in die richtige Lage, stellt die Signale und navigiert so die Züge sicher durch die Bahnhöfe. Bevor er einem Lokführer das Signal auf grün stellt, müssen Gleisabschnittsprüfungen und gute Kommunikationen mit den Nachbarstellwerken erfolgen.

Von Oktober 2000 bis zum März 2001 war Carsten Behm im Stellwerk des Pirmasenser Hauptbahnhofes beschäftigt. Dort gehörte zu seinen Aufgaben auch die Durchführung von Lautsprecherdurchsagen für die Reisenden. „Diese waren sicherlich für Pfälzer Ohren ungewohnt“, sagte Behm dazu heute zurückblickend. Auch die DIE RHEINPFALZ war sein regelmäßiger Begleiter beim Schichtdienst im Pirmasenser Stellwerk. Dort wurden bis zum Jahr 2017 Weichen und Signale mechanisch per Muskelkraft und durch Stellhebel sowie Gestänge- oder Drahtzugleitung gestellt.

Nach einem halben Jahr endet die Personalhilfe

Carsten Behm berichtet auch von einer kleinen Anekdote: „Ich verstand damals vor Beginn meiner Tätigkeit nicht, warum mein dortiger Chef mit mir Einkaufen fahren wollte, als er meinte: Wir fahren mal auf Shop. Nein, es ging nach Schopp, wo die Deutsche Bahn eine Ferienwohnung für mich anmietete.“ Schnell lebte er sich ein und genoss die schöne Natur in der Südwestpfalz. An freien Tagen und nach Frühschichten startete er Ausflüge, beispielsweise nach Bitsch oder Luxemburg. „Ich lernte Orte kennen, in denen ich ohne diese Personalhilfeaktion nie gekommen wäre und lernte Kollegen dann auch privat kennen“, ergänzte Behm. Er berichtet weiter, dass zu einigen Pfälzern der Kontakt bis heute erhalten wurde. Nicht nur zu Fahrdienstleitern, sondern auch zu Lokführern. Regelmäßig besucht er seine Kollegen in der Südwestpfalz. Daher hat er auch die aktuelle Situation der Bahn in der Region Südwestpfalz, jedoch aus der Ferne, verfolgt.

Als nach einem halben Jahr die Personalhilfe in der Pfalz wieder endete, verließ er die Region mit etwas Wehmut und kehrte zurück zu seinem vorherigen Arbeitsplatz, in das Stellwerk von Stralsund. Rund ein gutes Jahr später musste er „seinen Heimatbahnhof“ erneut verlassen und wurde fortan in Stellwerken der Usedomer Bäderbahn eingesetzt. Hauptsächlich agierte er im Stellwerk im rund 100 Kilometer entfernten Heringsdorf. So wurde er zum Pendler. „Rund zwanzig Jahre lang stand ich zur Frühschicht um kurz vor zwei Uhr nachts auf, während ich bei Spätschichten um zwei Uhr nachts heim kam“, erläuterte Behm. In wenigen Monaten schließt sich der Kreis. Denn nach über 21 Jahren kommt er zurück auf seinen alten Arbeitsplatz in Stralsund, auf dem im Jahr 1990 für ihn bei der Bahn alles begann.

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