Pirmasens
Caritas: Viele Südwestpfälzer suchen Rat bei familiären Konflikten
Das Caritas-Zentrum im Rheinberger in Pirmasens mit seinen Außenstellen in Zweibrücken und Dahn ist offenbar ein gefragter Anlaufpunkt für Menschen mit sozialen und finanziellen Problemen. Allein die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung verzeichnete im vergangenen Jahr 1134 Menschen, die dort Hilfe suchten. Dazu kamen rund 500 Fälle in der Sozialberatung, 600 Flüchtlinge, die um Rat anfragten, sowie 185 Schwangerschaftsberatungen, wie dem Jahresbericht des Caritas-Zentrums zu entnehmen ist. Wobei hinter Fallzahlen oftmals gleich mehrere Menschen und ganze Familien stecken.
Die Berater der Caritas sind auch für die ganz schwierigen Fälle da. In der Sozialberatung beispielsweise gehe es immer öfter um Fragen zum Bürgergeld und der Sozialhilfe. Die Caritas kümmert sich hier zudem um Obdachlose. 60 Menschen ohne festen Wohnsitz hatten sich im vergangenen Jahr an die Organisation gewandt. Die Caritas kann hier mit einer postalischen Adresse helfen, damit die Betroffenen Sozialleistungen beantragen können.
Steigender Druck durch Soziale Medien
In der Flüchtlingshilfe wurden geringere Fallzahlen gemeldet: 712 Flüchtlinge wandten sich 2024 an die Caritas. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 600. Die meisten kommen laut dem Jahresbericht aus Syrien, Afghanistan, Somalia oder der Ukraine. Hier stellt der ausgesetzte Familiennachzug für subsidiär Schutzsuchende das größte Problem dar und sorge bei vielen für Verzweiflung sowie Ratlosigkeit, so die Schilderung in dem Bericht.
Sehr stark nachgefragt ist die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung. 1134 Menschen suchten hier um Rat in familiären Konflikten, viele davon wegen Problemen der Eltern. Es häuften sich aber auch Erziehungsprobleme und auffälliges soziales Verhalten der Kinder. Die Ratsuchenden erforderten mehr Zeit und mehr Sitzungen pro Fall, weshalb die Caritas in diesem Bereich eine Warteliste einführen musste. Im Jahresbericht wird als neue Herausforderung der steigende psychische Druck auf Erwachsene und Kinder durch soziale Medien und soziale Isolation geschildert. Immer mehr Menschen würden durch Krisen und Kriege verunsichert und kapselten sich ab.
Acht Minderjährige bei der Schwangerschaftsberatung
Erfreulich an dem Bericht ist die sinkende Anzahl an Fällen im Kinderschutzdienst. War 2024 noch in 88 Fällen ein Eingreifen der Helfer nötig, waren es im vergangenen Jahr noch 63 Fälle. Die Fragen zu Gewalt und Missbrauch im Internet steigen laut dem Jahresbericht jedoch stetig an.
Die Schwangerschaftsberatung zeigt in Pirmasens mehr Zulauf. Im vergangenen Jahr suchten 20 Frauen mehr die Schwangerschaftsberatung auf. Insgesamt waren es 185 Frauen. In der Zweibrücker Außenstelle waren es 106 Frauen. In acht Fällen waren es in Pirmasens sogar Minderjährige. Die meisten ratsuchenden Frauen kamen jedoch aus der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Hier zeichnet sich ab, dass finanzielle Belastungen das große Thema sind. Selbst arbeitende Paare empfänden eine Schwangerschaft als finanzielles Risiko. Problematisch sei auch fehlende Kinderbetreuung. Hier biete die monatliche Sprechstunde zu Familienleistungen eine Gelegenheit für den direkten Kontakt zu den Behörden. Laut dem Caritas-Bericht ist allerdings gerade die zunehmende Digitalisierung ein Problem für Familien. Der Zugang zu Information werde dadurch erschwert, resümiert die Caritas in ihrem Bericht.