Fußball
Camp in Lemberg: Ballkunst mit den Internet-Stars
Vom Sportplatz in Lemberg waren schon von weitem Rufe und Kommandos zu hören. Ist das für einen Fußballplatz an sich nichts ungewöhnliches, war dies an einem Montagvormittag schon etwas anders. 53 Nachwuchskicker trainierten dort beim „Influencer Pfingstcamp“. Die Altersspanne der Kinder ist dabei recht groß (von Jahrgang 2009 bis 2015).
Seit zehn Jahren
Das mehrtägige Camp gibt es seit zehn Jahren in dieser Form beim SV Lemberg und wird von „Schächter Sports“ organisiert. Die Agentur des ehemaligen Hauensteiner Juniorennationalspielers Sebastian Schächter hat ihre Wurzeln in der Region, und deshalb findet das Camp auch immer noch in dieser Form so statt, erklärt Robin Licht, der vor Ort alles organisiert: „Schächter Sports arbeitet mittlerweile mit mehreren Bundesligisten zusammen. Von daher ist so etwas eigentlich nicht mehr unser Kerngeschäft. Aber durch die guten Kontakte wollen wir das sehr gerne aufrechterhalten.“
Für die Kinder bedeutet das Camp nahen Kontakt mit einem ihrer Helden. Denn unter anderem ist der Influencer „jannikfreestyle“ gekommen, um den Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 15 Jahren etwas beizubringen. Der 25-jährige Jannik Singpiel ist im Internet durch seine „Freestyle“-Tricks bekannt, wie sein Künstlername es schon erkennen lässt. Fast zehn Millionen Klicks in der Woche bekommen seine Kunststücke mit dem Ball, und mittlerweile trifft er regelmäßig Stars wie Toni Kroos. Am Montag brachte er den Kindern in Lemberg seine Tricks bei. Dabei liegt laut Licht der Fokus am ersten Tag auf dem Kontakt mit den Stars aus dem Internet, am zweiten Tag wird mehr Wert aufs Training gelegt. Das habe sich bewährt.
„Individuelle Elemente schulen“
Für die Kinder ist es das Größte, mit Singpiel und dem ukrainischen Influencer Alexander Yaghantsyan, Künstlername „pannafiend“, kicken zu dürfen. Sie werden am Morgen des ersten Camptages in vier Gruppen eingeteilt und bekommen dann unter anderem von Singpiel besondere Tricks mit dem Ball beigebracht. Taktische Schulung bleibt dabei bewusst aus, wie Licht erklärt: „Wir wollen extra individuelle Elemente schulen, denn jeder Verein hat verschiedene taktische Ausrichtungen und da andere Ideen.“
Nach dem Üben des Ballhochhaltens und der Eins-gegen-eins-Situationen geht es für die Kinder ins Abschlussspiel. Dabei wird schnell klar: Das Niveau der Nachwuchskicker ist unterschiedlich hoch. Licht: „Hier sind Kinder dabei, die teils in den Nachwuchsleistungszentren von bekannten Vereinen spielen, aber auch Kinder, die einfach so kicken wollen. Es geht einfach darum, dass die Kinder Spaß haben.“ Den lassen sich die Eltern auch etwas kosten. Die zwei Tage Camp liegen bei 99 Euro, dafür gibt es aber auch einen Trikotsatz in Grün.
Aus Fehlern lernen
Viele dieser Shirts bekommen im Nachgang noch ein Autogramm dazu, Singpiel wird nämlich nach dem Ende des ersten Tages von einer ganzen Traube von Kindern umringt, die seine Unterschrift oder ein Bild mit ihm wollen. Geduldig erfüllt er alle diese Wünsche, während die Eltern sich um eine zeitige Abreise ihrer Sprösslinge kümmern. Denn kurz nach Ende des Programms um 12 Uhr setzt ein starker Regen ein.
Am zweiten Tag des Camps wird etwas weniger auf die Tricks geachtet, sondern mehr auf das fußballerische Element. Dabei sollen die Teilnehmer aber nicht immer alles vorgesagt bekommen, so Licht: „Die Kinder sollen Fehler machen dürfen. Denn nur so setzt auch ein nachhaltiger Lerneffekt ein.“