Pirmasens
Bustour vor den Toren der Stadt: Vom FKP bis zu den Tirolern, die nach Fehrbach kamen
Vom Busbahnhof in der Schäferstraße geht es am Samstag zuerst ins Industriegebiet Zweibrücker Straße. Dieses erstreckt sich von der Kreuzung zur B270 bis zum Media Markt und bietet mehr als 2000 Arbeitsplätze. Prägend sind Chemie-Unternehmen – Firmen wie Keck, Helmitin, Kömmerling und Profine – und Einkaufsmärkte – Hornbach, Kaufland (früher Real/Basar), Media Markt und weitere. Einst befanden sich dort auch das FKP-Stadion und der Männerturnverein (MTV).
„Die Klub“, wie der FKP genannt wird, wurde 1903 vom Drucker Deil gegründet. Per Zeitungsannonce suchte er Herren, die Interesse an dieser rauen und unattraktiven Sportart haben, erzählt Leiner. Deil erhielt mehr als 20 Rückmeldungen. Die Suche nach einem geeigneten Platz war schwierig. Im Fahr’schen Waldplatz mussten die Spieler während des Spiels sogar zwei Hürden überwinden, so Leiner. 1911 fand man den Platz an der Zweibrücker Straße für 16.000 Mark. Ein Sportheim wurde über zwei Darlehen (insgesamt 20.000 Mark) finanziert. Ein Darlehen kam von der Parkbrauerei. Im Gegenzug musste der Verein jedes Jahr 30.000 Liter Bier abnehmen, was während des Weltkrieges nur mit Fantasie gelang: Ein Teil des Bieres wurde an die Front geschickt, und es wurden Abnehmer über ein Inserat in Frankfurt gesucht. Fünfmal erreichte der FKP die Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga. 1974 spielte er in der 2. Bundesliga. Mehrere FKP-Spieler schafften es sogar in die Nationalmannschaft, weiß Leiner. Heute befindet sich das FKP-Stadion im Sportpark Husterhöhe. Ebenso das des MTV. Auf dem alten Gelände ist heute ein Lagerplatz von Kömmerling.
Zweitgrößter Arbeitgeber der Stadt
Gegenüber steht das einstige Helmitin-Gebäude. Paul Heinicke aus Erfurt errichtete 1919 hier eine Niederlassung für Klebstoffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte er den Firmensitz nach Pirmasens und stellte auch Fenster-Profile her. 1987 verkaufte er die Firma an den Fußbodenhersteller Fobo. Der nächste Käufer, H.B. Fuller aus den USA, liquidierte die Firma. 2019 wurde das Gelände freigegeben. Nun können Unternehmen die Hallen mieten. Zudem hat sich ein Biergarten, „De Bäre Gaade“, angesiedelt. Nebenan produziert die Chemie-Firma Keck.
Die Firma Kömmerling ist mit 1100 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber in Pirmasens. Das von Karl Kömmerling gegründete Unternehmen zog 1955 an seinen jetzigen Standort und produzierte Klebstoffe für die Schuhindustrie und schließlich Fensterprofile. Zu viele Bankkredite führten die Firma 1999 in die Insolvenz. Um sie zu retten, wurde sie aufgespalten: Kömmerling-Chemie wurde an den amerikanischen Konzern Fuller verkauft. Profine startete mit Fensterprodukten und wurde 2012 von Peter Mrosik erworben.
Als die Tiroler kamen
Vorbei am 38 Meter hohen Fehrbacher Wasserturm – dieser fasste einst 800 Kubikmeter Wasser und versorgte die Nordstadt, geht es nach Fehrbach in die Tiroler Straße. Gästeführerin Claudia Ginkel erzählt, wie die Tiroler nach Fehrbach kamen: Als die Dörfer nach dem Dreißigjährigen Krieg verwüstet waren, schickten deutsche Fürsten Werber zu den armen und kinderreichen Bergbewohnern in Tirol und der Schweiz, um das Land wieder zu bevölkern. So ließ sich 1688 Georg Gerhard aus dem katholischen Pitztal in Fehrbach bei katholischen Franzosen nieder und heiratete. Weitere Tiroler folgten ihm. Leonhard Jennewein, 1682 im Pitztal geboren, kam um 1700 nach Pirmasens und bekam den Auftrag, das Jagdschloss in ein Residenzschloss umzubauen. Er war auch Gerichtsschöffe und Gemeindevorsteher und wurde ein wohlhabender Mann, erzählt Ginkel.
Weiter geht’s zum Dorfbrunnen und der katholischen Kirche St. Josef mit ihrem 53 Meter hohen neugotischen Kirchturm. Die Grundsteinlegung erfolgte 1890. Sie war der Nachfolgerin einer 1796 auf dem Friedhof erbauten Kirche. Gegenüber befindet sich das 1898 erbaute Schulhaus. Außerdem die Obstbrennerei Hügel und ein Wollladen.
An der Lambachstraße berichtet die Gästeführerin über die wechselvolle Historie: Das Gebiet gehörte zum Kloster Hornbach und lag an der Salzstraße. Bereits 1202 wurde es als „Forlebach“ urkundlich erwähnt, 1570 gehörte Fehrbach zum Amt Lemberg. Die ersten Siedler nach dem Dreißigjährigen Krieg waren 1665 katholische Franzosen, 1775 kamen katholische Tiroler hinzu. Das Gebiet gehörte wie die Garnisonsstadt Pirmasens zum protestantischen Hanau-Lichtenberg.
Bei der Schlacht um Pirmasens 1793 kamen Leid und Not. Das Gebiet kommt zu Frankreich, 1815 zu Österreich und ein Jahr später zu Bayern. Die Weltkriege bringen Elend und Armut. Westwall-Arbeiter werden untergebracht. Im März 1945 kommen die Amerikaner, im Juni die Franzosen. 1969 wird das Dorf nach Pirmasens eingemeindet und erhält ein Industriegebiet. Heute hat es 1500 Einwohner und ein reges Vereinsleben. Der Karl-Matheis-Platz ist nach einem Pfarrer benannt.
Der kleinste Vorort von Pirmasens
Die Tour führt dann nach Hengsberg, dem mit 500 Einwohnern kleinsten Vorort von Pirmasens. Er ist älter als Pirmasens, berichtet Leiner. Hengsberg gehörte 1473 als „Heynchsperg“ zum Kloster Hornbach. 1985 fand man einen keltischen Halsring. Ob dort aber Kelten siedelten, ist nicht bewiesen, betont Leiner. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur noch 19 Menschen dort. Die Bewohner waren lutherisch oder reformiert. 1969 wurde Hengsberg eingemeindet.
Um den Dorfplatz befindet sich der Urbereich des Ortes. Im 19. Jahrhundert wirkte hier ein Wanderprediger, was zum Bau eines Missionshauses führte, das 70 Personen Platz bietet. In den 1970er Jahren wurde das Industriegebiet erschlossen. Es gibt Lederhandel und die Kartonagenfabrik Preißer.