Pirmasens Brandstifter bleibt straffrei

60 Wehrleute waren bei dem Feuer in der Winzler Straße im Einsatz.
60 Wehrleute waren bei dem Feuer in der Winzler Straße im Einsatz.

Am 22. Januar wird die Feuerwehr gegen 19 Uhr zu einem Haus in der Winzler Straße gerufen. Als sie eintrifft, quillt Rauch aus den großen Scheiben im Erdgeschoss des Anwesens. Elf Bewohner des Mehrfamilienhauses können das Gebäude eigenständig verlassen. Drei weitere muss die Feuerwehr an diesem Abend mit der Drehleiter aus dem Haus holen, um ihr Leben zu retten. Für acht Vögel, zwei Katzen, sechs Mäuse und einen Chinchilla kommt allerdings jede Hilfe zu spät. Sie sterben in den Rauchwolken. Um drei weitere Katzen, zwei Chinchillas und drei Kaninchen kümmert sich im Anschluss das Pirmasenser Tierheim. Menschen werden bei dem Feuer glücklicherweise nicht verletzt. Wenige Tage nach der Tat hatte die Staatsanwaltschaft einen 13-Jährigen im Verdacht, das Feuer gelegt zu haben. Der hatte die Tat auch eingeräumt. Nun steht fest: Die Ermittler glauben dem Jungen. Die Leitende Oberstaatsanwältin von Zweibrücken, Iris Weingardt, sagt, dass die Aussagen des Kindes mit denen eines beauftragten Gutachters übereinstimmen. Demzufolge sei der Brand im Bereich der Mülltonnen entstanden. Der Junge habe das Feuer durch Zündeleien mit Streichhölzern ausgelöst. Hinweise auf Brandbeschleuniger hat die Polizei laut Weingardt nicht gefunden. Weil der Junge zur Tatzeit strafunmündig war, kann die Staatsanwaltschaft nicht gegen ihn ermitteln. Allerdings hatte sie im Januar ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den Vater des Kindes und einen Bekannten des Vaters eingeleitet. Das Verfahren sei jetzt eingestellt worden, informiert Weingardt. Der Vater habe nämlich versucht, den Brand zu löschen. Das habe der Bekannte beobachtet. Weil die Beiden jedoch kein Handy dabei gehabt hätten, hätten sie weder Polizei noch Feuerwehr unmittelbar verständigen können. Passanten hätten die Feuerwehr unabhängig davon jedoch alarmiert, sagt Weingardt. Der Vorfall im Januar bot zunächst einige Ungereimtheiten. Erst auf Nachfrage teilte die Polizei damals mit, dass sie kurz vor dem Feuer schon einmal in dem Haus war. Der Grund: Ein 68-jähriger Bewohner geriet in Streit mit anderen Bewohnern und zückte eine Waffe. Die entpuppte sich jedoch als Schreckschusswaffe und wurde von der Polizei sichergestellt. Nach dem jetzigen Erkenntnisstand sind die beiden Ereignisse wohl unabhängig voneinander zu betrachten. Zeugenhinweise brachten die Ermittler schließlich auf den 13-Jährigen. Dieser sei mit seinem Vater und einer weiteren männlichen Person in dem Tierladen gewesen, um dort ein Kaninchen zu kaufen. Das zuständige Jugendamt wurde damals eingeschaltet. Der Junge kam kurz nach der Tat in eine Klinik. Zunächst wurde im Januar in Pirmasens und in Sozialen Medien spekuliert, dass der Tierhändler selbst den Brand gelegt habe. Auch das erwies sich nun als falsch. Den entstandenen Schaden an dem Gebäude bezifferte die Polizei im Januar mit 80.000 Euro. Das untere Stockwerk, in dem der Tierladen war, steht seit dem 22. Januar leer.

Das untere Stockwerk des Hauses, in dem die Tierhandlung war, steht bis heute leer.
Das untere Stockwerk des Hauses, in dem die Tierhandlung war, steht bis heute leer.
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