Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Blick hinter die Kulissen: Wie sich der Circus Barelli auf seine Show vorbereitet

Die Artisten Timmy, Ramona und Franz Barelli fiebern der Premiere auf dem Pirmasenser Messplatz entgegen. Dabei spielen die drei
Die Artisten Timmy, Ramona und Franz Barelli fiebern der Premiere auf dem Pirmasenser Messplatz entgegen. Dabei spielen die drei Geschwister hinter den Kulissen ihres Zirkusses noch ganz andere Rollen. Denn die Organisation des Programms erfordert im Vorfeld viel Aufwand.

Der Circus Barelli gastiert auf dem Messplatz. DIE RHEINPFALZ durfte vor der Premiere hinter die Kulissen des Familienbetriebs schauen. Wie viel Arbeit für die Show nötig ist.

Bis zur berühmten Ansage „Manage frei!“ ist es in jeder Stadt ein langer Weg für Familie Barelli. Den geht sie mit Leidenschaft und Hingabe, inzwischen in neunter Generation. Zirkus sei ihre Identität, ihr Lebensinhalt, ihre Stärke, bringt es Ramona Barelli auf den Punkt. 60 Personen sind aus allen Teilen der Welt angereist, um sich auf dem Pirmasenser Messplatz zu treffen, damit sie die Augen der Menschen zum Leuchten bringen können.

„Wenn Träume wahr werden“ heißt die Show, die ab Samstag, 22. März, bis zum 30. März täglich in Pirmasens zu sehen ist. „Wir kommen aus den unterschiedlichsten Ländern alle auf einen Haufen und müssen uns schnell verstehen, damit alles perfekt läuft“, erzählt Hula-Hoop-Künstlerin Ashley Barelli, die nicht umsonst sechs Sprachen spricht. Die Musiker des zwölfköpfigen Orchester kommen aus der Tschechien und aus der Ukraine, die Hochseilartisten aus Kolumbien. Clown Pieric ist Franzose und die Zauberer-Familie Tonito stammt aus Spanien. Insgesamt seien es 15 Sprachen, die beim Gastspiel auf dem Messplatz erklingen.

Die Artisten sind „die Besten“ ihres Fachs

„Wenn ich für alle die Anreise geplant und die nötigen Arbeitsgenehmigungen und Visa in der Tasche habe, atme ich auf“, erzählt Ramona Barelli, die Mutter von Ashley. Sie ist Dressurreiterin, aber auch für die Organisation zuständig. Die Künstler buche sie immer schon weit im Voraus bei ihren Agenturen, um sie unter Vertrag zu bekommen. „Mein Bruder wiederum ist dafür zuständig, dass die gesamte Inszenierung ein Knaller wird“, erzählt Ramona Barelli. So seien die Artisten, die sie für ihre Show aussuchten, nicht „nur“ Hochkaräter, sondern die Besten ihres Fachs, schwärmt sie. Dafür hielten alle die Augen auf, was sich in der Zirkuswelt so tut – beispielsweise beim Zirkusfestival in Monte Carlo, das unter der Schirmherrschaft der Fürstenfamilie steht. „Das ist für uns eine Inspirationsquelle“, sagt Ashley Barelli, der dort während der Vorstellung kein einziges Detail entgehe: die Fußarbeit, der Fluss der Choreografien, die Kostüme und die Schminke. Schließlich sollen nur Spitzenakteure beim Circus Barelli landen.

Eine Hauptattraktion beim Gastspiel in Pirmasens sind zum Beispiel die Hochseilartisten um den Kolumbianer Julio Robles. „Nur sie machen die Sieben-Mann-Pyramide“, sagt Managerin Ramona. Ihr Drahtseilakt sei aber nichts für schwache Nerven. „Wenn sie als Pyramide auf dem dünnen Hochseil balancieren, halten alle den Atem an“, erzählt sie. Das sei auch notwendig, denn die Künstler bräuchten absolute Konzentration. Mucksmäuschenstill müsse es dann sein im Zelt.

Mit Glanz und Gloria: Doch hinter einer Vorstellung des Circus Barelli steckt viel harte Arbeit.
Mit Glanz und Gloria: Doch hinter einer Vorstellung des Circus Barelli steckt viel harte Arbeit.

Dresdner Frauenkirche als Vorbild für Zelt

Wenn alle Künstler am Veranstaltungsort eingetroffen sind, herrsche ein großes Treiben auf dem Messplatz. Dort ist in kürzester Zeit eine richtige Zirkusstadt entstanden: mit einem nagelneuen Zelt, das in Pirmasens seine Premiere feiert, und mit einem Zirkusmuseum samt restauriertem Zirkuswagen und riesigem Oldtimer-Fuhrpark – alles liebevoll und originalgetreu gestaltet. Da ist Arbeitsteilung gefragt. Allein bis das Zelt mit einem Durchmesser von 39 Metern steht, gehen zwei bis drei Tage ins Land, berichtet Ramona Barelli. Das rot-weiße Zelt wird von zwei großen Rundbögen an der Außenseite getragen, damit keiner der 1237 Zuschauer eine störende Stütze im Blickfeld hat. 20 Meter ist es hoch. „Unser Vorbild dafür war die Kuppel der Dresdner Frauenkirche“, verrät sie.

Ramonas Bruder Timmy Barelli ist der Comedy-Star der Familie, Bruder Franz beherrscht die Kunst der Tierdressur. Mit viel Humor, Geduld und Liebe gewinnt er das Vertrauen seiner „Haustiere“. Denn laut Gesetz sind Pferde und Kamele als Haustiere deklariert, informiert er. Raubtiere sind bei den Barellis tabu, schon aus ethischen Gründen.

Auch Söhne haben den Zirkus im Blut

Und auch die beiden Söhne von Franz Barelli haben den Zirkus im Blut: Der 14-jährige Francesco hat sich dem Bounce Juggling mit bis zu neun Bällen verschrieben; der Jüngste, der neunjährige Antony, steht nun zum ersten Mal als trompetenspielender Clown in der Manege, erzählt der Papa. Zur Schule gehen die Nachwuchskünstler selbstverständlich auch. „Es gibt extra Schulen für Zirkuskinder, für die die Jungs abgeholt werden“, erklärt Franz Barelli, der stolz ist auf seine Jungs. Ein fester Unterrichtsbesuch sei nur in der Tourneepause in Marburg möglich.

Zu einer stimmigen Choreografie gehört auch Musik. Die gibt Timmy Barelli den Künstlern vor. „Die Atmosphären müssen stimmen“, betont Ashley Barelli. Da könne nicht jeder einfach die Musik bringen, die ihm selbst gefällt. Das gesamte Programm zu choreografieren, sei ein langer Prozess, den sich Außenstehende gar nicht vorstellen könnten, sagt sie. Zur Vorbereitung gehöre auch, dass die Kostüme angepasst werden. Denn für das große Finale bekomme jeder Artist ein rotes Kostüm. „Das ist unsere Zirkusfarbe“, berichtet die junge Artistin. Für das Outfit sei die Schwägerin zuständig, die für einige Wochen von Maria Cuzovo, einer Zirkusschneiderin aus Paris, unterstützt werde. „Stoff und Schnitt müssen jede Bewegung mitmachen“, betont sie. „Alles muss sitzen.“

Kümmert sich im Bürowagen um Finanzen und Organisation, ist aber auch Dressurreiterin: Ramona Barelli.
Kümmert sich im Bürowagen um Finanzen und Organisation, ist aber auch Dressurreiterin: Ramona Barelli.

Eine Stunde Training am Tag, im Winter zwei

Ashley Barelli ist gelernte Bürokauffrau und hat die Zirkusschule in Berlin besucht, wie sie erzählt. „Dort lernen auch viele, die bei den Olympischen Spielen teilnehmen wollen und deswegen das exquisite Training durchlaufen“, berichtet sie. In anderen Zirkussen sei sie schon früh davon fasziniert gewesen, wie Frauen mit den Reifen spielten – ganz leicht, als koste es keine Mühe. Eine Stunde Training am Vormittag stehe während der Tournee auf ihrem Programm. Im Winter, wenn es keine Vorstellung gebe, seien es zwei. „Kurz bevor ich auftrete, brauche ich ein halbstündiges Warm-up“, erzählt Ashley Barelli.

Wie lange es braucht, um ein neues Programm zu entwickeln, kann sie nicht sagen. Welche Handbewegung sieht schön aus? Welcher Trick folgt auf den vorherigen? „Die Reifen sollen einfach schöne Muster zaubern, die die Augen des Publikums verwirren“, verrät sie. Etwa wenn jeweils drei ihrer sechs Reifen sich in die konträre Richtung drehen. Das dürfen die Besucher in den kommenden Tagen auf dem Messplatz genau beobachten – und staunen.

Karten und Infos

www.gebrueder-barelli.de

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