Pirmasens Bewegliche Klangskulptur

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Wie agiert man heute im Geiste Dadas? Was ist noch übrig von einer der wichtigsten Kunstbewegung des 20. Jahrhunderts? Als Höhepunkt des Pirmasenser Dada-Jahres und Vorbote der Eröffnung des Hugo-Ball-Kabinetts versucht das Kölner Ensemble „KörperSchafftKlang“ am Samstag, 19. November, ab 20 Uhr in der Alten Post eine Antwort auf diese Fragen zu finden – mit Stimmkunst, Performance, Konzeptkunst.

„Ombula take bitdli solunkola tabla tokta tokta takabla taka tak“. Balls Klanggedicht soll klingen. Neun Männer und Frauen tragen seine „Totenklage“ überall in der Alten Post vor: im Glasanbau, im Foyer, im Treppenhaus. In der Stimm- und Klangperformance setzt sich das Ensemble mit Dada und hier explizit mit Hugo Balls Lautgedicht auseinander. Und die Ensemble-Mitglieder experimentieren mit der eigenen Stimme. Aus sich selbst heraus. Die Künstlergruppe um den Philosophen und Rundfunksprecher Ralf Peters findet, dass Dada in seiner Verweigerung aller üblichen Sinn- und Wertezusammenhänge immer noch eine der radikalsten künstlerischen Reaktionen auf weltpolitischen Wahnwitz darstellt in einer Welt, in der Krieg, Unterdrückung und Raubbau an der Natur an der Tagesordnung seien. Nur könne Dada heute nicht mehr sensationell, verrückt oder bunt sein, weil die Welt genau so geworden ist – ohne Moral und Tabus. „KörperSchafftRaum“ nähert sich der Antwort rückwärtsgewandt, versucht das Gegenteil. Mit Reduktion und Repetition will sich das Ensemble dem Gegenwärtigen verweigern. Acht Stunden lang rezitierte das Ensemble im vergangenen Dezember ununterbrochen Balls „Totenklage“ in Zürich vor dem Helmhaus. Weitere „Totenklagen“ präsentierte es in Köln – dort dauerte die Performance allerdings nur gute zwei Stunden. Nach der Aufführung in Pirmasens wird „KörperSchafftKlang“ Balls Lautgedicht im Dezember in die Lagunenstadt Venedig tragen und im Rahmen der „Performance Art Week“ im Palazzo Moro zeigen. Hans von Almsick, Bernd Blömer, Susanne Dietrich, Winni Heil, Bettina Hesse, Karin Leyk, Ralf Peters, Agnes Pollner und Sabine Scherer erkunden als „KörperSchafftRaum“ seit 2007 die vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten der „Extended Voice“, also der ganzen menschlichen Stimme. Die „Totenklage“ wird zur Stimmerkundung. Neben Ball hat sich das Ensemble bereits der Zahlenstruktur des I Ging und dem Gedicht „Mond Unter Allein“ des chinesischen Dichters Li Bai aus dem achten Jahrhundert gewidmet und sich mit dem Mythos „Ophelia“ auseinandergesetzt. Als nächstes bereitet „KörperSchafftKlang“ das Stück „Das winzige Stückchen Blau“ vor, als szenisch-literarische Annäherung an die Künstlerin Charlotte Salomon. Die jüdische Malerin und Schriftstellerin starb 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau. Infos Beginn der Veranstaltung ist um 19, Einlass ab 18 Uhr. Die Aufführung dauert etwa 90 Minuten. Der Eintritt ist frei und jederzeit möglich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. |ckkm

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