Pirmasens Bestens gelungene Integration

Mit Freude beim Training an der Winzlerstraße: von links Negash Brahne, Efrem Bahre, Sami Al Nakhm, Amer Subhiya, Hazem Dames un
Mit Freude beim Training an der Winzlerstraße: von links Negash Brahne, Efrem Bahre, Sami Al Nakhm, Amer Subhiya, Hazem Dames und der Coach der SG Pirmasens, Steffen Triem.

Integration: Das buchstabiert man im Pirmasenser Fußball am besten mit SGP. Die Fußballfamilie der SG Pirmasens von der Winzlerstraße hat seit Saisonbeginn gleich acht Flüchtlinge in den Verein eingebunden. Sie kommen aus Aserbaidschan, Syrien und Eritrea. Und sie sprechen eine universelle Sprache: den Fußball. SGP-Vorsitzender Uwe Schwaab ist begeistert vom unerwarteten Zulauf. „Wir haben es aber auch gut erwischt. Alle acht haben einen sauguten Charakter. Das muss ja nicht immer so sein, ist ja bei uns Deutschen auch nicht anders“, lobt der 48-Jährige seine jüngsten Mitglieder. Begonnen hat alles mit Asis, dem in der F-Jugend der SGP kickenden Sohn von Negash Brahne. Weil Brahne, derweil seinen Sohn trainierte, sich mit einem Ball die Zeit vertrieb und sich ins Training einbinden ließ, erkannte Schwaab bald, dass der 30-jährige Vater von Asis aus Eritrea durchaus Kick-Talent besitzt. Als er ihn fragte, ob er denn nicht bei der SG mitmachen wolle, rannte er bei Brahne offene Türen ein. Und Brahne fragte alsbald, ob er denn nicht einen Freund und dessen Freund mitbringen könne. Im Nu standen acht „Neuzugänge“ parat. Die Neuen hatten weder Sportbekleidung noch Fußballschuhe. Kein Problem. Viele Spieler, Mitglieder oder Funktionäre stellten den neuen Spielern teils gebrauchte, teils neue Sportutensilien zur Verfügung. Die Grundausrüstung stand bald zur Verfügung, auch weil der „Pakt für Pirmasens“ hilfreich zur Seite stand. Sehr verlässlich besuchten die Neubürger die Trainingseinheiten des sehr geforderten und einfühlsamen SGP-Coachs Steffen Triem. „Steffen machte ein perfektes Training für den eigentlichen Stamm der ersten Mannschaft und die neuen Spieler“, erzählt Schwaab. Die Neuzugänge waren mit sehr viel Fleiß bei der Sache. Es habe vor allem von Beginn an „keine Gruppenbildung“ im Kader gegeben. Alle Akteure, ob nun deutschstämmig oder nicht, hätten sich prima verstanden, seien sofort aufeinander zugegangen. Rein sportlich gesehen, hätten die afrikanischen Balltreter viel von den Deutschen gelernt, „aber auch umgekehrt, wir konnten auch profitieren“, betont Schwaab. „Das Ganze hat uns sehr gut getan und bringt den Verein weiter.“ Statt eines schmalen Kaders von etwa 15 Spielern kann Triem bei nun 23 Akteuren aus dem Vollen schöpfen. Jeder im SGP-Trikot akzeptiere sein Gegenüber vorbehaltlos. Die anfänglichen Sprachprobleme besserten sich sehr schnell, da sich die Neubürger sehr um eine Verständigung bemühten, auch eine Sprachschule besuchten. Und wenn es etwas zu übersetzen gegeben hatte, dann waren der kleine Asis oder Hazem die Ansprechpartner. Schwaab: „Mittlerweile verstehen sie fast alles, können nur noch nicht alles so sagen, wie sie es gerne möchten.“ Fast gerührt berichtet Schwaab von der Weihnachtsfeier bei der SGP, bei der die Neuen jeweils einen Pullover geschenkt bekamen. Deren Freude über das Geschenk und die Dankbarkeit seien „riesengroß“ gewesen. Und da fast alle Neuen Moslems sind, enthält nach Schwaabs Worten die Kiste Bier, die sonntags in der Umkleide parat steht, „entweder ein paar Fläschchen Malzbier oder Limonade“. Und wenn einmal im Monat bei der SGP gegrillt wird, dann auf zwei Grills. Auf dem einen liegen die Steaks (vom Schwein) für die „Pirmasenser“, auf dem anderen gibt es „Hühnchen oder Pute“ für die Neuen. Dabei achten die SGP-Grillmeister peinlich genau darauf, dass nicht etwa mal ein Schweinesteak auf dem falschen Grill landet. Bei der RHEINPFALZ-Hallenfußball-Stadtmeisterschaft hat der Eritreer Efrem Bahre durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Doch ist sich Schwaab sicher, dass Bahre der SGP treu bleiben wird, auch wenn andere Vereine Interesse an ihm zeigten. Gewöhnungsbedürftig seien allenfalls die Namen der Neu-SGPler: Dilavet Hazandade (32, Aserbaidschan), Amer Subhiya (26, Aleppo/Syrien), Adalla Alabd (26, Aleppo/Syrien), Efrem Bahre (28, Eritrea), Sami Al Nakhm (28, Syrien), Hazem Dames (24, Syrien) und Negash Brahne (30, Eritrea). Schwaab ist überzeugt: „Die bringen uns weiter. Nach sieben mageren Jahren geht es wieder aufwärts mit der SGP.“

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