Pirmasens
Bernd Hummel über die Neufferpark-Pläne: „Luxusimmobilie? Das ist absoluter Quatsch!“
Herr Hummel, im Stadtrat haben Sie mit Blick auf den Neufferpark ein Vorhaben vorgestellt, das den Titel „Ein Projekt für Pirmasens“ trägt. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Die Stadt hat mich immer wieder gefragt, ob ich nicht eine Lösung für die Renovierung der „Villa im Park“ hätte. Nachdem über viele Jahre nichts passiert ist, habe ich mich damit auseinandergesetzt und eine Idee für die Stadt präsentiert. Ich habe das bewusst als ein „Projekt für Pirmasens“ bezeichnet, weil ich das genau so meine. Mir geht es darum, den Park insgesamt für die Stadt aufzuwerten und daraus ein beispielhaftes Projekt zu machen.
Wie soll das geschehen?
Meine Idee ist, in der denkmalgeschützten Zone ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Dies besteht aus dem Park, der Villa, der ehemaligen Schuhfabrik Neuffer am Park, einem neuen Parkhaus und einer Wohnanlage.
Ein Parkhaus mitten im Neufferpark?
Nein. Auf keinen Fall. Das Parkhaus soll auf dem Gelände des bestehenden Parkplatzes, unterhalb des Neuffer am Park, gebaut werden. Dazu ist kein weiterer Eingriff in den Park notwendig. Autofahrer könnten das Parkhaus dann von der Neufferstraße aus anfahren.
Wie sieht es mit der Wohnanlage aus? Ein Vorwurf in der öffentlichen Debatte lautet, dass Sie den Neufferpark mit einem Wohnklotz verschandeln.
Missverständliche Presseinformationen suggerierten, „Der Neufferpark wird zum Baugebiet“. Daraus entsteht zwangsläufig eine öffentliche Diskussion, die an der Sache vorbeigeht. Es geht nicht darum, den Park in ein Baugebiet zu verwandeln. Das Bauvorhaben betrifft nur einen kleinen Teil am Rande des Areals. Wir planen keinen Wohnblock, sondern ein modernes Gebäude in einer geschwungenen Form − angepasst an die Topografie des Parks −, das allein aufgrund seiner Bauweise viel Beachtung finden wird. Es soll mit natürlichen Materialien, unter Einsatz von viel Holz, nachhaltig und energieeffizient gebaut werden. Und wenn ich von „wir“ spreche, dann beziehe ich meinen Architekten Gerhard Landau ein. Mit seinem Büro gehört er zu den besten Architekten Deutschlands. Er ist ein Pirmasenser Junge, der über den Neufferpark seine Diplomarbeit geschrieben hat.
„Keine Autos quer durch den Park fahren lassen“
Und dafür wollen Sie schützenswerte Bäume fällen?
Nein, natürlich nicht. Wir haben einen Baumplan von der Stadt angefordert und erhalten. Aus dem geht hervor, wo Bäume stehen, die erhaltenswert sind. Wir wollen dort bauen, wo die wenigsten Eingriffe in die Natur nötig sind.
Und wo ist das?
Der Kern des Parks bleibt weitestgehend unangetastet. Unser Wohnprojekt soll in der Nähe der Hundeauslauffläche entstehen und von der Zeppelinstraße her erschlossen werden. Der Weg von der Straße zu den Wohnungen wäre geschätzte 50 Meter lang. Wir wollen keine Autos quer durch den Park fahren lassen.
Es heißt, Ihnen schwebt eine Luxusimmobilie vor.
Das ist absoluter Quatsch. Was heißt denn Luxus? Marmor, goldene Wasserhähne und eine Hubschrauber-Landeplattform auf dem Dach? Das ist Unfug! Wir wollen eine solide, qualitativ hochwertige Wohnanlage mit zirka 30 Wohnungen realisieren. Dafür sehen wir Potenzial auf dem Immobilienmarkt.
Warum sanieren Sie nicht einfach nur die Villa im Park?
Das ist der Ausgangspunkt. Um dies aber finanzieren zu können, muss das Projekt in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. Und um die Villa einer vernünftigen Nutzung zuführen zu können, muss der Park belebt werden. Ich habe das Gefühl, dass viele, die mein Vorhaben kritisieren, seit Jahren nicht mehr im Neufferpark waren.
„Das Areal soll öffentlich zugänglich bleiben“
Hat Sie die teils heftige Debatte überrascht, die sich entfachte, nachdem Ihre Pläne bekannt wurden?
In Teilen schon. Dazu hat die Berichterstattung in den Medien, mit zum Teil falschen Angaben, ihren Teil beigetragen. Ich verstehe, dass sich manche Mitbürger Sorgen um den Neufferpark machen, und wir nehmen diese Sorgen ernst. Aber wenn die Vorsitzende der Grünen sagt, das Bauprojekt würde die Spaltung zwischen Arm und Reich verschärfen, kann ich das absolut nicht nachvollziehen. Mit meinen bisherigen Bauprojekten habe ich auch nicht zur Spaltung der Stadt beigetragen. Mir wurde vielmehr bescheinigt, mit dem Neuffer am Park ein Impulsgeber für die Stadtentwicklung gewesen zu sein. Möglicherweise spielt aber auch die Vorstellung eine Rolle, dass sich Hummel den Neufferpark unter den Nagel reißen will. Aber das ist Unsinn. Das Areal soll öffentlich zugänglich bleiben.
Noch mal zu den Grünen: Die Partei hat angekündigt, Ihren Plänen im Stadtrat nicht zuzustimmen. Können Sie das nachvollziehen?
Bevor wir das Projekt im Stadtrat vorgestellt haben, waren wir mit der Idee im Ältestenrat. Dort sitzen Vertreter aller Fraktionen. Alle haben sich dort sehr positiv geäußert. Ich vermute, dass die zum Teil irreführenden Presseberichte und die Reaktionen darauf aus der Bevölkerung, mit vielen Fragen und Vorwürfen, die Parteispitzen noch mal ins Grübeln gebracht haben.
Was meinen Sie damit?
Die Berichterstattung hat eine öffentliche Debatte ausgelöst. Dadurch wird Druck auf die Kommunalpolitik ausgeübt. Statt sich jedoch über das Projekt genauer zu informieren und gegebenenfalls aufzuklären, haben sich die Grünen dem Druck ihrer Basis gebeugt und lehnen das Projekt lieber ab.
Sie sind jetzt 73 und könnten das Leben genießen. Warum tun Sie sich das alles an?
So ähnlich hat mich das meine Frau auch gefragt. Ich habe ihr gesagt, „Dann frag doch mal, warum Christo mit 83 Jahren noch den Pariser Triumphbogen verhüllen wollte!“ Ich habe eine Idee; ich finde das Projekt gut, um den Park wieder zu beleben und aufzuwerten. Ich bin davon begeistert und habe das Gefühl: Wir können daraus ein tolles Projekt machen, das über die Landesgrenze hinaus Begeisterung wecken wird.
„Machen das nur, wenn die Stadt dahintersteht“
Wie geht es weiter?
Momentan befinden wir uns ja noch ganz am Anfang. Das Projekt ist nicht viel mehr als eine Idee, ein Entwurf. Auf Basis dieser Idee möchten wir vom Stadtrat wissen, ob eine Realisierung möglich wäre, um danach in aufwendigere, kostenverursachende Planungen einzusteigen. Es gibt bisher noch keine konkreten Planungen. Im Januar wollen wir unsere Idee, zusammen mit dem Oberbürgermeister, den Bürgern bei einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen, damit sich alle ein besseres Bild davon machen können.
Und dann?
Der Stadtrat wird anschließend entscheiden, ob er sich das grundsätzlich vorstellen kann. Dann konkretisieren wir die Planungen und ermitteln den Kostenrahmen dafür, um zu sehen, ob das Projekt überhaupt realisiert werden kann. Wenn der Stadtrat danach den Plänen zustimmt, muss im Verlauf von etwa zwei bis drei Jahren der Bebauungsplan so geändert werden, dass diese verwirklicht werden können.
Aber?
Wir machen das alles nur, wenn der Stadtrat will und wenn sich das Projekt letztlich für uns rechnet. Wir investieren nicht in die Planung, wenn die Stadt nicht dahintersteht.