Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Beim Inklusionsspiel in Schindhard gelten andere Regeln

Die pure Freude: Liridon Dinaj vom Team der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung jubelt nach einem Tor. Die Spieler des FC Schin
Die pure Freude: Liridon Dinaj vom Team der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung jubelt nach einem Tor. Die Spieler des FC Schindhard nehmen es mit Fassung.

REPORTAGE: Ein Spiel dauert 60 Minuten, es gibt kein Abseits, und nach einer Stunde steht es 10:10. Gibt’s nicht, werden Fußballkenner sagen. Gibt’s doch. Und zwar beim Inklusionsspiel einer Elf des FC Schindhard gegen die Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung.

Dribblings, schöne Kombinationen, Paraden der Torhüter, trotzdem jede Menge Treffer, keine Fouls, stattdessen viel Spaß und die Motivation, alles zu geben: All diese schönen Elemente des Fußballsports sind beim traditionellen Match einer Elf des gastgebenden FC Schindhard gegen ein Team der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu sehen.

Bernd Burkhard „schwört“ die beiden Teams ein, bevor der Ball rollt.
Bernd Burkhard »schwört« die beiden Teams ein, bevor der Ball rollt.

Es ist 17.32 Uhr, noch 28 Minuten bis zum Anpfiff. Während die Schindharder sich aufwärmen, lassen die Gäste auf sich warten. „Wenn die kommen, werden wir sie hören“, sagt einer, der es wissen muss: Bernd Burkhard ist derjenige, der die Tradition vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen hat. Sein Nachfolger, Jens Naab, ebenso wie Burkhard ein waschechter Schindharder, ist in seine Fußstapfen getreten. Naab ist im pädagogischen Bereich bei der Heinrich-Kimmle-Stiftung beschäftigt und im Nebenamt Sportinklusionslotse für die Südwestpfalz. Er kennt sämtliche Akteure auf dem Grün, darunter mit Michelle Bollbach und Anna-Katharina Siegler aufseiten der Gäste auch zwei Fußballerinnen.

Fairplay vor, während und nach dem Spiel zwischen dem FC Schindhard und der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung.
Fairplay vor, während und nach dem Spiel zwischen dem FC Schindhard und der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung.

17.34 Uhr: „Da kommen sie, die Stars“, sagt Burkhard augenzwinkernd. Thomas Singer ist der Unparteiische. Auch er kennt die Protagonisten. Im Berufsleben ist er Busfahrer für die Stiftung. Auf Gastgeberseite läuft auch Schindhards Bürgermeister Tobias Herberg auf.

Eine Spielszene.
Eine Spielszene.

„Weltbester Trainer“

„Trainer, wo spiele ich eigentlich?“, fragt Fabian Roesinger. Er ist der stellvertretende Einrichtungsleiter, kommt aus Fischbach und ist Trainer der Fußballer des SV Lemberg. Nach kurzem Dialog sind die Positionen geklärt. Coach Jan Kustes behält den Überblick. Spielführerin ist Anna Katharina Siegler. Die 25-Jährige ist motiviert bis in die Zehenspitzen und ein bekennender Fan ihres Coachs: „Jan ist der weltbeste Trainer.“

Volles Engagement und Torfreude.
Volles Engagement und Torfreude.

17.56 Uhr: Die Mannschaften laufen aufs Spielfeld. Tosender Applaus der rund 200 Zuschauer. Burkhard wendet sich an die Spieler der Kimmle-Stiftung: „Ihr habt zwei Jahre hintereinander gewonnen, dieses Jahr sind wir dran. Wir haben unseren Torwart extra in die Fußballschule geschickt.“ Dass die beiden Linienrichter mit ihren Fahnen auf einer statt auf beiden Außenlinien winken, wen stört’s?

Die Siebener-Sturmkette

18 Uhr: Anstoß. Die Gäste schlagen sich tapfer. Vor allem über die linke Seite sind sie gefährlich. Kai Engert von der Kimmle-Stiftung ist pfeilschnell. Der Linksaußen ist einer der wenigen in seinem Team, der auch in einem Fußballverein kickt: beim SV Lemberg. „Das ist eines unserer Anliegen, die Menschen mit Beeinträchtigung in Vereine zu integrieren, wo es möglich ist“, sagt Naab, der sich als Abwehrspieler einige Laufduelle mit Engert liefert. Zwischenzeitlich führt die Heinrich-Kimmle-Stiftung völlig verdient mit 8:5, am Ende der regulären Spielzeit steht es 10:10.

Anna Siegler von der Heinrich-Kimmle-Stiftung beim Elfmeter.
Anna Siegler von der Heinrich-Kimmle-Stiftung beim Elfmeter.

Die letzten Minuten spielen die Gäste mit einer Siebener-Sturmkette. Heimtorwart Michael Müller ist umringt von Männern und Frauen der gegnerischen Mannschaft. Bei jedem Gästetor wird gejubelt, als sei es das wichtigste und schönste im Leben. Beim Elfmeterschießen darf jeder ran. Das Quäntchen Glück haben dieses Jahr die Schindharder auf ihrer Seite. Sie siegen mit 20:19. Trotz einiger Glanzparaden von Gästetorwart Andreas Lehrach bleibt am Ende der Pokal in Schindhard.

Die beiden Teams.
Die beiden Teams.

SO SPIELTEN SIE

FC Schindhard: Jens Naab, Günter Naab, Mario Mehr, Hennig Mehr, Mario Sonntag, Yannick Burkhard, Michael Müller, Dennis Schmidt, Matthäus Burkhart, Daniel Klemm, Ralph Keller, Tobias Herberg, Marius Kölsch, Michael Burkhart

Heinrich-Kimmle-Stiftung: Andreas Lehrach, Anton Aschenbrenner, Wolfgang Gabriel, Liridon Dinaj, Yiber Dinaj, Steffen Ertel, Michelle Bollbach, Björn Kummermehr, Harald Grönert, Michael Honerkamp, Anna-Katharina Siegler, Kai Engert - Trainer: Jan Kustes und Sohn Julian - Betreuer: Alex Kissner, Fabian Roesinger, Jacqueline Kuntz.

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