Fußball
Beim Inklusionsspiel in Schindhard gelten andere Regeln
Dribblings, schöne Kombinationen, Paraden der Torhüter, trotzdem jede Menge Treffer, keine Fouls, stattdessen viel Spaß und die Motivation, alles zu geben: All diese schönen Elemente des Fußballsports sind beim traditionellen Match einer Elf des gastgebenden FC Schindhard gegen ein Team der Pirmasenser Heinrich-Kimmle-Stiftung mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu sehen.
Es ist 17.32 Uhr, noch 28 Minuten bis zum Anpfiff. Während die Schindharder sich aufwärmen, lassen die Gäste auf sich warten. „Wenn die kommen, werden wir sie hören“, sagt einer, der es wissen muss: Bernd Burkhard ist derjenige, der die Tradition vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen hat. Sein Nachfolger, Jens Naab, ebenso wie Burkhard ein waschechter Schindharder, ist in seine Fußstapfen getreten. Naab ist im pädagogischen Bereich bei der Heinrich-Kimmle-Stiftung beschäftigt und im Nebenamt Sportinklusionslotse für die Südwestpfalz. Er kennt sämtliche Akteure auf dem Grün, darunter mit Michelle Bollbach und Anna-Katharina Siegler aufseiten der Gäste auch zwei Fußballerinnen.
17.34 Uhr: „Da kommen sie, die Stars“, sagt Burkhard augenzwinkernd. Thomas Singer ist der Unparteiische. Auch er kennt die Protagonisten. Im Berufsleben ist er Busfahrer für die Stiftung. Auf Gastgeberseite läuft auch Schindhards Bürgermeister Tobias Herberg auf.
„Weltbester Trainer“
„Trainer, wo spiele ich eigentlich?“, fragt Fabian Roesinger. Er ist der stellvertretende Einrichtungsleiter, kommt aus Fischbach und ist Trainer der Fußballer des SV Lemberg. Nach kurzem Dialog sind die Positionen geklärt. Coach Jan Kustes behält den Überblick. Spielführerin ist Anna Katharina Siegler. Die 25-Jährige ist motiviert bis in die Zehenspitzen und ein bekennender Fan ihres Coachs: „Jan ist der weltbeste Trainer.“
17.56 Uhr: Die Mannschaften laufen aufs Spielfeld. Tosender Applaus der rund 200 Zuschauer. Burkhard wendet sich an die Spieler der Kimmle-Stiftung: „Ihr habt zwei Jahre hintereinander gewonnen, dieses Jahr sind wir dran. Wir haben unseren Torwart extra in die Fußballschule geschickt.“ Dass die beiden Linienrichter mit ihren Fahnen auf einer statt auf beiden Außenlinien winken, wen stört’s?
Die Siebener-Sturmkette
18 Uhr: Anstoß. Die Gäste schlagen sich tapfer. Vor allem über die linke Seite sind sie gefährlich. Kai Engert von der Kimmle-Stiftung ist pfeilschnell. Der Linksaußen ist einer der wenigen in seinem Team, der auch in einem Fußballverein kickt: beim SV Lemberg. „Das ist eines unserer Anliegen, die Menschen mit Beeinträchtigung in Vereine zu integrieren, wo es möglich ist“, sagt Naab, der sich als Abwehrspieler einige Laufduelle mit Engert liefert. Zwischenzeitlich führt die Heinrich-Kimmle-Stiftung völlig verdient mit 8:5, am Ende der regulären Spielzeit steht es 10:10.
Die letzten Minuten spielen die Gäste mit einer Siebener-Sturmkette. Heimtorwart Michael Müller ist umringt von Männern und Frauen der gegnerischen Mannschaft. Bei jedem Gästetor wird gejubelt, als sei es das wichtigste und schönste im Leben. Beim Elfmeterschießen darf jeder ran. Das Quäntchen Glück haben dieses Jahr die Schindharder auf ihrer Seite. Sie siegen mit 20:19. Trotz einiger Glanzparaden von Gästetorwart Andreas Lehrach bleibt am Ende der Pokal in Schindhard.
SO SPIELTEN SIE
FC Schindhard: Jens Naab, Günter Naab, Mario Mehr, Hennig Mehr, Mario Sonntag, Yannick Burkhard, Michael Müller, Dennis Schmidt, Matthäus Burkhart, Daniel Klemm, Ralph Keller, Tobias Herberg, Marius Kölsch, Michael Burkhart
Heinrich-Kimmle-Stiftung: Andreas Lehrach, Anton Aschenbrenner, Wolfgang Gabriel, Liridon Dinaj, Yiber Dinaj, Steffen Ertel, Michelle Bollbach, Björn Kummermehr, Harald Grönert, Michael Honerkamp, Anna-Katharina Siegler, Kai Engert - Trainer: Jan Kustes und Sohn Julian - Betreuer: Alex Kissner, Fabian Roesinger, Jacqueline Kuntz.